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Himmlisches Zeugs: Göttliche Bohnen

Erwachende Menschlichkeit

06:00 Uhr.

Der Geräuschpegel der Kaffeemühle dröhnt in meinen Ohren noch nach… aber was für ein Duft ist das, der sich in der Küche dann verbreitet!

Ja, ich gebe zu: Die Menschlichkeit zieht bei mir erst im Zuge des ersten morgendlichen Kaffeegenusses ein. Und wie ich mich auf diese Minuten jeweils freue!

An einem normalen Tag bleibt es natürlich nicht bei dieser einen Tasse. Im Verlauf des Vormittags wie auch nach dem Mittagessen gönne ich mir meistens einen weiteren Aufguss des beliebtesten Heissgetränks der westlichen Welt.

Konkurrenzloser Morgengenuss

Wegen meiner Schwäche für Starbucks ziehen mich Freunde und Bekannte ja seit Jahren auf. Echte Kaffeeliebhaber machen ihrer Überzeugung nach einen weiten Bogen um den amerikanischen Riesen. Kann schon sein. Aber das trifft mich nicht sonderlich, denn auch wenn es erlesenere Bohnen in anderen Kaffeehäusern geben mag:

An den ersten Kaffee des Tages reicht ohnehin nichts heran. Ihm wohnt ein besonderer Zauber inne.

Ist es die Wärme, die durch die Tasse in die Hände fließt und an das wohlige Gefühl unter der nächtlichen Bettdecke erinnert? Ist es die Nase, die nach Stunden des Schlafes den ersten Duft des Tages besonders genussvoll aufnimmt?

Unschätzbare Momente

Auf jeden Fall gibt es für mich keinen Ersatz für diese ersten zehn oder fünfzehn Minuten des Tages, in denen ich mit dem frisch gebrühten Kaffee im Bett oder auf der Fensterbank sitze.

Da ist die Welt noch in Ordnung. Noch will keiner was von mir. Zumindest sofern es mir gelingt, den Reflex zum erstmaligen Checken meiner Mails und der Sozialen Medien zu unterdrücken.

Es sind einige wertvolle Momente – und leider nicht selten die einzigen des Tages – in denen ich wirklich bei mir selbst ankomme. Im modernen Psycho-Jargon würde man sagen: In denen ich mich wirklich ungeteilt «spüre». Als Mensch in meinem Körper. Ausgeschlafen oder noch angekratzt vom Vortag, voller Tatendrang oder noch müde. Aber sicher: Jetzt erst mal hier, mit diesem Kaffee, zu Beginn eines neuen Tages.

Geliebter Mensch

Im allerbesten Fall stellt sich dann auch die Gewissheit ein, nicht alleine zu sein. Damit will ich nicht sagen, dass meine Familie und Freunde mir nicht das Gefühl geben, aufgehoben, verstanden und wertgeschätzt zu sein. Ich meine hier aber eine noch existenziellere Erfahrung.

Ich denke an die Augenblicke, in denen ich das feste Bewusstsein gewinne, ein geliebter Mensch zu sein. In denen mir völlig klar vor Augen steht: Mein Leben ist gehalten von einer Gunst, die nicht von dieser Welt ist – mir gilt eine göttliche Form der Zuwendung, die auch und gerade dann zählt, wenn sich düstere Wolken über meinem Leben zusammenbrauen.

Gewiss möchte ich nicht behaupten, dass der Kaffee diese Offenbarungsmomente hervorruft. Aber schaden tut er in dieser Hinsicht ganz bestimmt auch nicht…

Sizilianische Vorfreude

Die Bohnen, mit denen ich meinen Morgenkaffee zubereite, heißen übrigens «Sicilia». Eine dunkle, starke Röstung für einen starken und charaktervollen Espresso. Meine Frau und ich haben diese Sorte nach einem ausführlichen Tasting-Verfahren vor vielen Jahren ausgewählt und sind ihr seither treu geblieben.

Manchmal ertappe ich mich dabei, nach einem vollen Tag, kurz vor dem Schlafengehen, an dem Beutel mit den Kaffeebohnen zu riechen und den einzigartigen Duft in schelmischer Vorfreude zu inhalieren.

Wenn ich mich dann schlafen lege, denke ich bereits an den frischen Kaffee am nächsten Morgen – und habe auf jeden Fall schon mal einen Grund, mich herzlich auf den kommenden Tag zu freuen…

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2 Kommentare zu „Himmlisches Zeugs: Göttliche Bohnen“

  1. Hey Manu, hast du gewusst, dass Kaffee kulturhistorisch betrachtet DAS Getränk der Protestanten ist: ernüchternd und belebend!

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