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Himmlisches Zeugs: Lego

Zwei Stunden muss ich auf den nächsten Flug warten. Am Kiosk will ich mir ein paar Snacks und einen Orangensaft holen, dazu noch eine Zeitschrift zur Unterhaltung – doch dann sehe ich in der Auslage eines Ladens Lego-Sets. Wie toll wäre das: Anstatt ein halbes Dutzend Artikel zu lesen, an die ich mich ohnehin nach der Landung nicht mehr erinnern werde, Lego zusammenzubauen?

Ich kaufe das Set «Mighty Dinosaurs». Drei verschiedene Saurier kann man aus den Teilchen zusammensetzen. Meine Challenge: Schaffe ich alle drei bis zum Boarding?

Der beste Zeitvertreib ever

Mit grosser Vorfreude setze ich mich auf eine leere Dreier-Reihe Kunstledersessel am Gate und öffne das Set. Ich muss die Teile für den Flug wieder gut verstauen können, deshalb achte ich darauf, die Schachtel nicht zu zerreissen. Die Plastiktüte aus dem Duty-Free-Shop kann ich jetzt als Unterlage verwenden.

Schritt für Schritt setze ich die grünen Steinchen, die kleinen grauen Scharniere und die weissen Reisszähne zusammen. Der beste Zeitvertreib ever!

Ich bin ganz versunken in der Spielfreude und hoffe, dass das Boarding sich ein wenig verzögert.

Schon so lange habe ich nicht mehr mit Legoteilen gespielt. In meiner Kindheit waren sie omnipräsent: Ich erinnere mich noch gut, wie ich mal ein grosses Lego-Spital zu Weihnachten bekommen habe. Ganze Welten haben wir im Spielzimmer aufgebaut, Villen mit vielen Bäumchen im Vorgarten, Bibliotheken voller «Bücher», die eigentlich als Fensterläden vorgesehen waren, Bagger, die in Mülldeponien für Ordnung sorgten.

700 Seiten Anleitung

Die Erfindungsfreude und Kreativität ist leider zu einem grossen Teil in der Kindheit geblieben… Heute macht es mir schon Spass, Punkt für Punkt die Anleitung zu befolgen und die richtigen Teile dafür zusammenzusuchen.

Es soll ja nicht wenige Menschen geben, die «für ihre Kinder» Lego kaufen und dann selber am meisten Zeit damit verbringen. Mein Gottimeitli mag leider die vollkommen Rollen-stereotypischen Tierfamilien von Sylvanian Families lieber…

In meinem Umfeld gibt’s also keine Gelegenheit, sich in Lego-Welten einzuklinken.

Vor einigen Jahren veranstaltete ein Freund von mir ein «Lego-Meet»: Ein Dutzend Leute, die sich von Twitter kannten, trafen sich einen Abend lang in einem Café, um zusammen einen riesigen Schaufelbagger zusammenzubauen. Das Set mit einer fast 700-seitigen Anleitung liess sich in mehrere Bauphasen unterteilen, so arbeiteten an mehreren Tischen Leute gleichzeitig bis tief in die Nacht.

Mein Projekt an Gate C28 ist winzig dagegen. Bis mein Flug aufgerufen wird, habe ich den Triceratops geschafft. Ich packe die losen und die zusammengesetzten Teile sorgfältig in die Plastiktüte, und sobald nach dem Abflug das Tischchen runtergeklappt werden darf, baue ich weiter. Der Platz neben mir ist frei, so bin ich ungestört.

Der Flug ist im Nu vorbei. Bei der Ankunft in Zürich ist der Tyrannosaurus Rex fertig. Und ich glaube, ich habe bisher kein Teilchen verloren.

Bild: LEGO

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