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Paradies: Traum und Wirklichkeit – Nanina Guyer, Museum Rietberg

Was sehen wir auf Bildern von «Paradiesen» – und was wurde sorgfältig daraus entfernt?

Über Jahrhunderte entwarf der Westen seine Vorstellung vom Paradies in der Ferne: tropische Landschaften, unberührte Natur, vermeintlich ursprüngliche Kulturen. Noch heute sprechen wir beispielsweise von «Südseeparadies».

Doch hinter diesen Bildern standen Gewalt, Ausbeutung und ein kolonialer Blick, der Realität systematisch ausblendete.

Heute geschieht weltweit etwas Bemerkenswertes: Künstler:innen aus der sogenannten Mehrheitswelt kehren zu genau diesen Archiven zurück. Erstmals widmet sich eine Museumsausstellung dem Phänomen: «Fast ein Paradies» im Museum Rietberg in Zürich. 

Eine Ausstellungsbesprechung – «Fast ein Paradies. Eine neue Form künstlerischer Seelsorge» – findet sich hier. 

Künstler:innen schneiden Bilder heraus, bearbeiten sie, nähen Fragmente neu zusammen – und holen verdrängte Geschichten zurück ins Sichtbare.

Oder sie stellen Bilder nach und korrigieren sie wie hier die indigene Künstlerin Wendy Red Star.

Wendy Red Star, Spring – Four Seasons, 2006 © Wendy Red Star, courtesy the artist; collection of the Newark Museum of Art.

Es ist eine künstlerische Form der Erinnerung und manchmal auch eine Form der Heilung. Denn Fotografien sind nie nur Dokumente.

Fotos tragen Spuren von Macht, Trauma und vielleicht auch von etwas Spirituellem, Geistigem in sich.

In dieser Episode von «Himmel & Erdung» mit der Kuratorin Janina Guyer geht es um die Frage, wer Geschichte erzählen darf – und wie Kunst dem Verdrängten Sichtbarkeit und eine Stimme verleihen kann. Die Fragen stellt Johanna Di Blasi (RefLab).

Nanina Guyer hat Ethnologie sowie Wirtschafts- und Sozialgeschichte studiert und mit einer Arbeit über historische Fotografien des Frauenbunds Sande in Sierra Leone und Liberia an der Universität Basel promoviert. Seit 2018 ist die Schweizer Forscherin Kuratorin für Fotografie und Leiterin des Fotoarchivs des Museum Rietberg in Zürich. 

«Fast ein Paradies. Kolonialzeitliche Fotografie in der Gegenwartskunst», Museum Rietberg Züich, bis 6. September 2026.

Der Link des im Gespräch erwähnten millionenfach aufgerufenen Ted Talks der nigerianischen Schriftstellerin Chimamanda Adichie: «The danger of a Single Story» ist hier.

Titelbild: Tshepiso Moropa erfindet für anonyme Personen aus Archiven des Kolonialismus und der Rassenforschung neue Geschichten und befreiende Kontexte, Night Riders, 2025 © Tshepiso Moropa, courtesy the artist

 

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