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Blog

In den letzten zwei Wochen wurde ich aus ganz unterschiedlichen Zusammenhängen mit Vorwürfen konfrontiert: Ein paar Hörer*innen empörten sich über mein Gespräch mit Markus Huppenbauer zu Jordan Peterson. Ein Leser schrieb mir eine sehr freundliche Mail auf einen Blogbeitrag und verband sein Lob mit dem väterlichen Ratschlag doch auf das Gendersternchen zu verzichten. Und als wir im Podcast "Stammtisch" darüber diskutierten, wie man mit den Statuen von General Sutter oder Kolumbus umgehen solle, empörten sich einige, dass wir dies ohne "people of color" besprochen hatten. Besonders viele regten sich über meine altersdiskriminierenden Formulierungen gegenüber Josef Hochstrasser auf. 
Darf man Kindern noch Harry Potter vorlesen? Bücher von einer Frau, die sich trans-, wenn nicht minderheitenfeindlich geäussert hat?
Das Christentum in seinen vielfachen Ausprägungen ist nicht sexualfeindlich, sondern hat ein grundlegenderes Problem, das ihm bis heute tief in den Knochen und Eingeweiden steckt: der Umgang mit der Lust. Weil es bis dato keine (auch nicht feministische) breit rezipierte christliche Lusttheologie gibt, ist aus dieser religiösen Tradition nichts wirklich Konstruktives zu lernen, sondern sie hält vor allem eine Unmenge an Material zur Dekonstruktion von überlieferten und bis heute wirkenden Rollenbildern, Geschlechtsfestlegungen und Sexualitätsvorstellungen bereit.
Frisch Verliebte wissen, wie sich das anfühlt und wollen, dass es immer so bleibt. Die anderen reagieren eher mit Spott und Ironie. Die Einmütigkeit zieht uns genauso an, wie sie uns abstösst.
Ein glanzvolles Leben? In der Regel assoziieren wir damit ein Leben voller Reichtum, Macht, Erfolg und Glamour. Wer möchte deren Glanz verachten? Und doch, es gibt kritische Stimmen, die genau diesen Glanz radikaler Kritik unterziehen. Was stimmt daran? Muss ein glanzvolles Leben auch ein verkehrtes Leben sein?
Die Überfremdungsinitiative von James Schwarzenbach jährte sich kürzlich zum 50. Mal. Grund genug, um mit meinem Vater darüber zu reden.
Eine Bekannte erzählte mir an einem Sommertag beim Eistee, dass sie eine ›Angststörung‹ habe. Mehrere Monate ist die lebenslustige Frau deswegen krankgeschrieben gewesen und konnte nicht arbeiten. »Was macht Dir Angst?«, habe ich gefragt. Sie wisse es nicht, lautete die Antwort. Die Angstanfälle seien grundlos aufgetaucht. Es hörte sich mysteriös an. Benennbar für die Frau sind lediglich körperliche Begleitsymptome wie Schweiss, Beklemmung, Atemnot, Schlaffheit.
Gebetskultur hat wenig mit der Dauer der Gebetszeit zu tun: Weg von frommem Leistungsdruck und religiöser Selbstoptimierung!
Wie viele andere habe ich letzte Woche auf Instagram ein schwarzes Bild gepostet mit dem Hashtag: #Blackouttuesday. Viele schlossen sich dieser Aktion an, weil sie nach dem furchtbaren Tod von George Floyd ein Zeichen zum Innehalten setzen wollten. Ich war dankbar, irgendwas tun zu können angesichts einer Grausamkeit, die verzweifelt oder aggressiv oder beides macht. Irgendwas ist oft zu wenig.
Zahllose christliche Gemeinschaften und Institutionen schreiben sich als »Kirchen« an. Aber ist diese Selbstbezeichnung gerechtfertigt – oder wird damit der Mund allzu voll genommen? Ein Statement für ein Verständnis von Kirche als einer verwegenen Wette.

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