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Lesedauer: 2 Minuten

Das blinde Licht

«Das blinde Licht» wurde kürzlich aus dem Spanischen ins Deutsche übersetzt und ist nun im Suhrkamp Verlag erhältlich. Der Autor Benjamín Labatut wurde in Rotterdam geboren, wuchs in Den Haag, Buenos Aires und Lima auf und lebt jetzt mit seiner Familie in Santiago de Chile. Ihm ist ein zauberhaftes Buch gelungen, das die Welt der Mathematik und Physik poetisch erzählt. Darin werden die Irrfahrten verschiedener Wissenschaftler (leider nur Männer) beschrieben, die aufgrund ihrer bahnbrechenden Erkenntnisse, die Geschichte Europas geprägt haben, namentlich Fritz Haber, Werner Heisenberg, Erwin Schrödinger, Karl Schwarzschild und Alexander Grothendieck.

Der Autor schafft es, in seinen Kurzgeschichten die jeweilige Epoche plastisch darzustellen und die Motive der entsprechenden Figuren glaubhaft zu beschreiben. Die Biografien der Wissenschaftler und weitere Fakten bilden das Fundament seiner Geschichten.

Die Erzählstränge werden aber mit der Fiktion verwoben, zum Beispiel dort, wo es Spielraum für Interpretation und Spekulation gibt und wo abstrakte Konzepte beschrieben werden.

Beim Lesen leidet man nicht nur mit den Figuren mit und teilt mit ihnen ihre (seltenen) Freuden, sondern lernt auch noch etwas dazu. Das Buch erinnert an «Die Vermessung der Welt» von Daniel Kehlmann, eine fiktive Doppelbiografie des Mathematikers Carl Friedrich Gauss und des Naturforschers Alexander von Humboldt.

In beiden Büchern sind die Pioniere oft dazu verdammt, unverstanden und einsam zu sein, weil sie an bestehenden Konzepten rütteln.

Sie möchten die Grenzen der Wissenschaft verschieben, weil sie mit ihrem Verstand weitersehen und eine neue Wirklichkeit erschaffen.

Natürlich wird das Unterfangen auch von Misserfolg begleitet: Missratene Experimente und unvollkommene mathematische Formeln lassen die Figuren verzweifeln. Ihre heroische Einstellung, die oft selbstausbeuterische und masochistische Ausprägungen hat, lässt sie aber schliesslich Ausserordentliches leisten.

Wenn ihr weitere Gründe braucht, um das Buch zu lesen, dann hilft vielleicht ein Kurz-Interview mit dem Autor weiter. Meiner Meinung nach verbindet Benjamín Labatut mit seinem Roman eindrucksvoll Realität und Fiktion, Wissenschaft und Spiritualität, Mathematik und Poesie. Prädikat: lesenswert.

 

Photo by Noah Buscher on Unsplash

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