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Planet A: Die Klimakolumne. Wer hat das Schicksal weggeputzt?

Das Herz im Sarg

Ich scrolle durch die News. Mein Kopf stützt sich auf meine Hände, während meine Seele in der Ohnmacht versinkt. Es gibt kein mächtigeres Gefühl als die Ohnmacht. Sie entspannt die Muskeln meiner Vorstellungskraft, lässt meine Energie versickern und dämpft meinen Puls, als pochte mein Herz gegen die Innenseite eines Sargs. Der Moment ist tatsächlich eingetreten: Ich muss jetzt die Anti-Resignations-Tipps für klimabewegte Menschen nicht nur reposten, sondern lesen.

Tipps gegen die Ohnmacht

«Leiste einen kleinen Beitrag. Hör auf zu fliegen, kauf regionale Produkte und bezieh Öko-Strom. Dann holt dich das Gefühl der Selbstwirksamkeit aus dem Loch der Ohnmacht heraus.» Würden alle Menschen ihren Lebensstil auf diese Art anpassen, dann könnte unser Planet einen Moment lang durchatmen – doch darauf zu hoffen, dass dies geschieht, ist naiver als der Ämtliplan einer Fünfer-WG. Nur gesetzliche Sanktionen und wirtschaftliche Anreize könnten die wachsende Staubschicht über unserer Atmosphäre aufhalten. Individuelles Konsumverhalten bewirkt da gar nichts. Mein nachhaltiges Handeln streichelt höchstens meine Psyche.

Die Ohnmacht akzeptieren?

Eine verrückte Idee schiesst mir durch den Kopf: Was passiert wohl, wenn ich die Ohnmacht akzeptiere? Ich versuche es und hebe den Kopf. Auf einmal löst sich das Schicksal der Welt von meinen Schultern und purzelt vor mir auf den staubigen Fussboden. Dort bleibt es liegen: düster, traurig; aber nicht mehr mein Problem.

Erleichtert wird mir klar: Ich bin kein Zahnrad im Getriebe der Weltgeschichte, ja nicht einmal ein Tropfen auf den heissen Stein. Ich bin ein unbedeutendes Häuflein menschlicher Gene, die sich gerade für den Rest ihres Lebens entspannt auf dem Sofa ausstrecken können. Von dort aus werde ich beobachten, ob es den Energie-Departements dieser Welt gelingt, dass auch in Zukunft noch menschliche Gene über den Planeten wandern.

Nicht so schnell

Doch ich habe mich zu früh gefreut. Das Gerumpel des zu Boden fallenden Schicksals hat meine innere Aktivistin aufgeweckt: «Du musst doch wenigstens versuchen, etwas zu verändern!» So schnell bin ich nicht bereit, meinen neu entdeckten inneren Frieden wieder aufzugeben. Mit der besänftigenden Stimme einer Meditationsleiterin frage ich: «Was soll ich denn tun? Unterschriften sammeln für Initiativen, die man dann an der Urne ablehnt? Auf Flüge verzichten, die man auch ohne Passagiere durchführt?»

«Ja, Herrgott!»

«Warum? Was man nicht beeinflussen kann, sollte man lassen.»

Weil es richtig ist

Händeringend sucht die Aktivistin nach einem Argument, damit ich mich dem Schicksal der Welt wieder zuwende. In letzter Verzweiflung kramt sie aus meinem Gedächtnis zwei Sätze hervor. Ein Bibeltext, der einem zwölf Kapitel langen Schwall von Nihilismus einen Riegel vorschiebt: «Als Ergebnis dieser ganzen Gedanken will ich dir Folgendes mitgeben: Bring Gott Achtung entgegen und tu das, was er in seinen Geboten fordert! Das gilt für jeden Menschen. Gott wird über alle unsere Taten Gericht halten – seien sie gut oder böse – selbst über die Taten, die im Verborgenen liegen.» [1]

Ich halte inne: «Willst du mir etwa drohen? Soll ich mich fürs Klima einsetzen, um im letzten Gericht keine zittrigen Knie zu bekommen?»

Sowas wie Hoffnung

Es folgt ein tiefer Seufzer. «Sieh es mal so: Vielleicht hast du Recht und deine Bemühungen verpuffen im Nichts. Aber vielleicht ruft Gott dazu auf, dass wir uns um die Welt kümmern sollen, weil er selbst mitwirkt. So wie damals bei David gegen Goliath, Mose gegen Pharao, Josua gegen Jericho…»

«Ist ja gut.» Zögernd erhebe ich mich vom Sofa, um mich dem Schicksal der Welt wieder anzunehmen, doch es ist verschwunden. Stattdessen leuchtet mir der blitzblanke Fussboden entgegen und mir wird klar, dass das traurige, düstere Schicksal wohl gerade aus dem Putzeimer in den Abfluss gespült wird. Offenbar war der Ämtliplan doch nicht so naiv. Es geschehen noch Wunder.

[1] Prediger 12, 13+14

Grafik: Rodja Galli

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1 Kommentar zu „Planet A: Die Klimakolumne. Wer hat das Schicksal weggeputzt?“

  1. Jürgen Friedrich

    . . ., was halten Sie stattdessen von Nägeln mit Köpfen bzw. von systematisch erzeugtem zusätzlichem Regen ?
    Hier eine message von dritter Seite. Was halten Sie davon ?

    ANREGUNG

    Streik ist in der Not das eine wichtige Mittel, um den Regierenden den Volkswillen zu zeigen. Dazu gehören aber auch Vorschläge, was man vorbeugend besser tun kann gegen Dürren und Landschaftsbrände:

    Bis irgendwelche Klimamaßnahmen weltweit in 10 oder 20 Jahren greifen, sind unsere Landwirte pleite und die Wälder vertrocknet oder verbrannt und das schon innerhalb weniger Jahre, weil keine wirklich wirksamen vorbeugenden Maßnahmen gegen Dürren ergriffen wurden. Das hilft der Erde und den Landschaften mit ihren Lebewesen jetzt sofort nicht wirklich.

    Die wichtigste Feuerwehrmaßnahme ist, die Natur mit vorbeugender zusätzlicher Meerwasserverdunstung anzufeuchten, nach dem Vorbild der Natur (s. Anhang). Dabei entsteht wirklich mehr Süßwasser.
    Diese Feuerwehrmaßnahme kann relativ einfach erfolgen, indem Meerwasser in die Luft gesprüht oder auf heisse Küstenstreifen (z.B. am Roten Meer, um das Mittelmeer, Südstaaten der USA, Australien usw) gepumpt wird, damit es dort verdunstet, wie es die Natur bei Stürmen mit der Gischtbildung auch macht. Das Aufschäumen von Meerwasserin kleinste Tröpfchen vergrößert die Oberfläche dabei um das 6000-fache und beschleunigt so die Verdunstung – eine sehr einfache und billige Technik. Meerwasser ist unendlich verfügbar ! ! !
    Auch Verdunstungsgeräte und Offshore-Windräder gibt es an Europas Küsten ausreichend; diese können sehr effektiv sein.

    Alles wird durch Wasser erhalten!
    Ozean, gönn‘ uns dein ewiges Walten.?
    Wenn du nicht in Wolken sendetest,
    Nicht reiche Bäche spendetest,
    Hin und her nicht Flüsse wendetest,
    Die Ströme nicht vollendetest,
    Was wären Gebirge, was Ebnen und Welt?
    Du bist’s, der das frischeste Leben erhält.
    Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

    Quelle: Goethe, J.W. , „Faust: Der Tragödie zweiter Teil“ 1832

    Wofür lernen wir solche Gedichte ? —>

    Klar, um sie in der Praxis gegen Dürreperioden anzuwenden :

    Der Wind trägt die Feuchtigkeit mit auflandigen Winden über das trockene Land bis sie bei nächtlicher Temperatur-Absenkung (oder an Gebirgen) als Regen fällt, denn Feuchtigkeit geht nicht verloren.
    Für diese Technik möchte ich eine Petition veranlassen, denn sie kann weltweit Leben retten und Flüchtlingsflut verringern helfen. Tragen Sie das mit ?
    Ich fordere von den Regierenden die Förderung dieser Technik und Forschung – und zwar sofort, nicht erst in der Future.

    (Ende Zitat von dritter Seite)

    Grundsätzlich ist die Welt zu bessern,
    indem wir r i c h t i g sie bewässern.
    Das tut der ganzen Schöpfung gut,
    macht über-flüssig Flüchtlingsflut.

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