Es ist eine Wüstenzeit.
Wir liegen auf dem Trockenen, versuchen die Hitze auszusitzen. Sehen dem Leben beim Eingehen zu.
Überreif fallen die Äpfel und Pflaumen vom Baum. Sie verwesen mit jedem Grad mehr ein bisschen schneller im Gras.
Die Ameisen und Fliegen haben kaum noch Chancen, sich einzunisten ins heisse Fleisch. Jeder noch so kleine Parasit flieht in geschütztere Gefilde, um sich vor dem Verrecken zu verstecken.
Ich bin Dörrobst und versuche nicht zu überhitzen. Jede Feuchtigkeit entweicht dem Leib, jeder kluge Gedanke verlässt den Geist.
Selbst das letzte Wasser ist zu langsam. Es kommt nicht mehr an, verdunstet vorher zwischen Gras und Asphalt. Zu spät, zu spät, hallt es durch die Gassen. Kein Wasser.
Das Wasser wird gezwungen, das Wasser-Sein zu lassen.
Die Hitze treibt Schweiss
Treibt heisse Autos über heissen Asphalt, treibt Wasser in die Luftfeuchtigkeit, treibt Menschen in die Dunkelheit. In Wohnzimmer zu Dunkelkammern. Das Darknet des wüstenzeitgeplagten Homo Sapiens.
Aber während die Füsse im Sand versinken, reicht der gleissende Bildschirm die digitale Hand in das gelobte gemässigte Land. Weil die Hitze dem virtuellen Paradies nichts anhaben kann.
Nehmen wir an, wir könnten unsere Existenz ins Digitale verlagern? Als trügen wir keinen Schaden von all der Hitze, all dem Staub.
Sind wir Landmassen, die sich selbst abschaffen, Wanderdünen, die ohne Wind stillstehen?
Wir nehmen an, wir würden in Wüsten noch digitale Wasserlöcher erschaffen, von denen wir trinken – dabei schütten wir uns nur den Staub und Sand in die Rachen. Wir werden ersticken, verstauben, versanden. Kommen unserem Körper abhanden.
Es ist eine Wüstenzeit.
Heiss, trocken, staubig.
Auch im wolrd-wide besten Zeitvertreib steigen mir Staubwolken entgegen. Kann ich meinen Augen noch trauen? Oder sehe ich schon Szenen, die sich mein Geist zusammenreimt?
Datenkadaver verrotten in ausgestorbenen Internetforen. Websites wie Geisterstädte. Wo leere Baukastensysteme verirrte Internetreisende wie durstige Cowboys auf dem Weg durch die Wüste in Empfang nehmen. Verweile doch, hier ist’s so schön. Das Internet, ein digitales Burning Man Festival, voll von dem Hitzetod erlegenen geistlosen Staubwesen.
Wir haben, was du brauchst- ein Glas von unserem besten Staub?
Klick, klick, klick.
Wieviel Staub hier wohl ist? Wie lange ich wohl saugen müsste, um den ganzen Staub aus dem Internet zu saugen, die ganzen Daten und Fakten, die mich so müde im Kopf machen. Ich kann meinen Kopf kaum heben, bleibe, mit dem Sand im Blick, hängen an den Werbebannern und Pop-Up- Meldungen. Dabei ist da nur Staub. Staub, der sich über meine müden Gedanken legt.
Kein Ende in Sicht. Klick, klick, klick, klicke ich mich müde.
Ich verschwinde in digitalen Staubwolken. Ich glaube meine Hand ist schon ganz sandig. Löse mich auf und bin nur für den Staub bestimmt. Wieviel Staub hier wohl ist?
Wie lange ich wohl saugen müsste, um den ganzen Staub, das ganze öde Land…
Ich sehe kein Ende. Ich sehe nur Sand.
Wir verstauben, berauben uns unserer Lebengrundlagen. Wüste/n Gedanken.
Falls ihr der Hitze etwas abgewinnen könnt, lest gerne in unsere Sommerpoesie rein.







