Dein digitales Lagerfeuer
Dein digitales Lagerfeuer

Johanna Di Blasi

In Berlin eröffnet heute Deutschlands erstes religionsspezifisches Kindermuseum. Es hat die Form der Arche Noah und ist ein transkultureller Lern- und Spielort, in dem es um »Tikkun Olam« geht, »Weltverbesserung«.
Der Antisemitismusvorwurf, früher gegen Nazis und Rechte vorgebracht, wird mehr und mehr zur politischen Waffe gegen «links». Dies wurde zuletzt in den bizarren Antisemitismusvorwüfen an Carolin Emcke deutlich. Die Folge des seit Jahrzehnten mächtigen Anti-Anti-Semitismus ist: Man redet nicht über Juden oder das Jüdische. Eine fatale Strategie, meint der Philosoph und Judaist Elad Lapidot.
Vor dem Hintergrund der globalen Klimakrise hat sich die Wahrnehmung verschoben. Was lange als «zivilisiert» und «hochkulturell» galt, erscheint heute als problematisch, während indigene Kulturen eine Aufwertung erfahren. In diesem Kontext fällt öfter das Schlagwort «christlicher Animismus»: Ein Gespräch mit dem Bonner Theologen Andreas Krebs.
Ein menschliches Schutzschild, das weinte, bangte, betete: Der Auftakt der Fussball-Europameisterschaft bescherte ein Bild, das sich dem kollektiven Gedächtnis eingebrannt hat.
Jetzt wird mit Schallkanonen auf Flüchtlinge gezielt. Eine Nachricht neben anderen. Eine Information im Informationsstrom. Und gleichzeitig: Was für eine Ungeheuerlichkeit, was für eine Monstrosität.
Eine aktuelle Richtung widmet sich der Freilegung ausgeblendeter religiöser Wurzeln: die «Radical Orthodoxy». Zu den überraschenden Trouvaillen gehört, dass die Ästhetik zutiefst von pietistischen Zirkeln und Bibellektüre beeinflusst ist.
Die Nachricht explodierte wie ein buntes Feuerwerk: Die evangelisch-reformierte Kirche der Stadt Zürich richtet ein eigenes LGBTIQ-Pfarramt ein! RefLab-Redakteurin Johanna Di Blasi spricht in dieser Ausgabe der TheoLounge mit dem ausgewiesenen Experten zum Thema Regenbogenkirche: Frank Lorenz von der Offenen Kirche Elisabethen in Basel.
Es war eine Zeit der Utopien. Christen unterschiedlicher Konfessionen träumten nicht nur von freundschaftlicher Annäherung, sondern von tatsächlicher Einheit. Und sie bauten diese Einheit, ja zementierten sie regelrecht. 50 Jahre später ist gebaute Ökumene vielfach ein Fall für den Denkmalschutz.
Am 20. Mai vor 500 Jahren zertrümmerte eine Kanonenkugel das Bein eines jungen spanischen Ritters: Ignatius von Loyola. Auf den physischen Zusammenbruch folgte ein geistiger Aufbruch – und später die Gründung des weltweit agierenden Jesuitenordens.
Der Reliquienkult erfährt gegenwärtig eine erstaunliche Neuauflage. Allerdings nicht im religiösen, sondern im atheistischen Rahmen. Das Begehren richtet sich darauf, nicht bestattet zu werden, sondern als Exponat im Museum posthume Aufmerksamkeit zu geniessen. Was sagt das über unsere Gegenwart aus?
Ich möchte mich für Momente erinnern, wie es sich anfühlte, in eine Welt hineingeboren zu werden, deren selbstverständlicher Teil Kreuze waren. Ich stelle nämlich immer wieder fest, dass die Kruzifixkultur von Aussenstehenden zwar zum Teil interessiert, aber oft mit einer Tendenz zur Überzeichnung, Exotisierung oder Verzerrung wahrgenommen wird.
Unser Erscheinungsbild ist ein Grund zur Freude, könnte man meinen. Es zeigt an: Wir sind da! Wir leben! Das Gesicht ist das Interface unseres Daseins. Viele aber sind unzufrieden mit sich, v.a. nach langen Videokonferenzen.
Wenn Milliarden Blumenknospen im Übergang vom April in den Mai plötzlich aufspringen und das Gras fast über Nacht in dichten saftigen Büscheln zurückkehrt, öffnet sich da nicht ein Stück weit das Paradies? Wenn wir dem Romantiker Philipp Otto Runge folgen, ist das wirklich so.

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