Jane Goodall blickte auf den Tod, wie sie auch auf ihre Forschungsfelder blickte: neugierig.
«Mit 90 Jahren wird mein nächstes grosses Abenteuer sein, zu sterben», sagte sie 2024 in einem Interview.
«Falls danach etwas kommt, kann ich mir kein grösseres Abenteuer vorstellen, als herauszufinden, was es ist.»
Sie selber glaube durchaus, dass es nach dem Tod irgendwie weitergehe. Sie bezeichnete sich durchaus als spirituell, auch wenn sie die höhere Macht nicht «Gott» nennen wolle. Und ihr Blick auf die Welt sei ein «mystischer».
Wir nehmen Jane Goodalls Tod zum Anlass, Beiträge aus dem RefLab zusammenzustellen, die sich mit Tieren beschäftigen und damit, was sie mit Glauben und Spiritualität zu tun haben.
Das Christentum hat’s nicht so mit Tieren…
Am Anfang der Bibel erfolgt der Auftrag an die ersten Menschen, über Fische und Vögel und «alles Getier» zu herrschen. Manuel Schmid setzt sich in «Was heisst denn hier herrschen?» kritisch mit dieser Wortwahl auseinander. Der Beitrag ist in einer Reihe zum Stichwort «Ökotheologie» erschienen.
Die Kirche scheine für andere Anliegen sensibler zu sein, würde sich politisch eher ducken, wenn es um das Tierwohl geht.
Das findet der Pfarrer und Ethiker Christoph Ammann. Er war im Podcast «Stammtisch» zu Gast unter dem Titel: «Warum die Kirche zum Tier nicht schweigen darf».
Ebenfalls im Podcast «Stammtisch» haben wir diskutiert, ob es nicht Zeit wäre für ein Umdenken: «Tiere aus christlicher Sicht: Friends or Food?»
Und Johanna Di Blasi widmet sich angesichts der christlichen «Tiervergessenheit» der Frage, was wir in dieser Beziehung von anderen Religionen lernen können: «Aber das haben wir doch auch bei uns!»
Begegnungen mit tierischen Gegenübern
Im Alltag gehören Tiere für die meisten durchaus zum Leben. In der Blog-Serie «Wildwechsel» erzählen verschiedene RefLab-Autor:innen von Begegnungen mit Tieren:
Sarah Staub zum Beispiel schreibt darüber, was der Anblick von Schwalben im herbstlichen Abendhimmel bei ihr auslösen.
Oder Andreas Loos, der in einer entscheidenden Lebensphase immer wieder Rehen begegnete.
Eine himmlischere Welt
Der Philosoph und Biologe Andreas Weber plädiert für eine Weltteilnahme, bei der alle Wesen – nicht nur Menschen, sondern auch Tiere und Pflanzen – gleichberechtigte Subjekte sind. Er war dazu in einer Podcastfolge Gast.
Wie die Welt aussehen würde, wenn alle wesensgerecht leben könnten, darüber hat auch Leela Sutter mit Martin Ott gesprochen: Er ist Pädagoge, ehemaliger Bauer und hat das Buch «Kühe verstehen» geschrieben. Hier geht’s zur Podcastfolge.
Dass sich viele Christ:innen und Theolog:innen nicht mit Tieren als einem Thema von Glauben und Ethik befassen, hat Konsequenzen, findet Evelyne Baumberger. Unter dem Titel «Der blinde Fleck des Christentums» wird ein Blick auf eine himmlischere Welt eröffnet, die Mensch und Tier ihre individuelle Würde zugesteht.
Und während der Pandemie dachte Luca Zacchei über «Die Rückkehr der Delfine» nach und über das utopische Potenzial dieses Bildes.
Und immer diese Katzen!
«Ich bin eine Cat Lady!», gibt Johanna Di Blasi im wohl unkonventionellsten Artikel seit RefLab-Bestehen unumwunden zu. Und nicht nur vermutlich trifft die Aussage auf einige aktuelle und ehemalige RefLab-Autorinnen zu.
Damit sind wir jedoch nicht der Durchschnitt der Christenmenschen: Eine Studie, über die Evelyne Baumberger hier schrieb, ergab, dass Menschen, die regelmässig in die Kirche gehen, tendenziell seltener eine Katze besitzen als andere.
Leela Sutter erzählt, wie sie einmal im Altarraum einer Kirche, in der sie ein Kind taufte, von einer Katze besucht wurde. Sie betrachtet ihre Katzen augenzwinkernd als spirituelle Meisterinnen – und sprach darüber in ihrem Podcast «Holy Embodied» auch mit dem Biologen Dennis Turner.
Tiere als Resonanzwesen
Jane Goodall forschte nicht nur mit ihrem Verstand, sondern auch mit ihrem Herz. Sie sah Tiere als Gegenüber, nicht als blosse Forschungsobjekte.
Tiere sprechen etwas in uns an, Begegnungen mit ihnen erzeugen eine Resonanz, die auch spiritueller Natur sein kann.
Foto: Johanna Lohr/Steingarts Morning Briefing, CC BY-SA 4.0, commons.wikimedia.org







