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Lesedauer: 3 Minuten

Die Rückkehr der Delfine

Nein, das wird keine zoologische Abhandlung über die Rückkehr der Süsswasser-Delfine im Zürichsee. Und nein, in Venedigs Kanälen sind nicht wirklich Delfine gesichtet worden. Aber dafür an den Stränden Sardiniens, wo sie bereits zu bestaunen waren. Aber da kaum noch Schiffe fahren, wagen sich die Meeressäugetiere jetzt wieder näher dem Hafen von Cagliari heran.

Durch die Corona-Pandemie werden auf alle Fälle die Grenzen zwischen «Mensch und Tier» neu gezogen, die Natur scheint sich gleichzeitig zu erholen. In Norditalien war die Luftqualität seit Jahrzehnten nicht mehr so gut. Das Wasser in Venedig ist wieder kristallklar.

Obwohl der Ort seiner Entstehung nicht mit Sicherheit eruiert werden kann, wäre es ziemlich ironisch, wenn das SARS-Coronavirus 2 tatsächlich in einem Fischmarkt von Wuhan aufgekeimt wäre. Als hätten die Tiere das Ganze selbst initiiert und uns (willentlich) angesteckt. Jetzt müssen wir anhalten, eine ungewollte Pause hinlegen und uns neu orientieren. Unsere Sonderstellung auf dem Globus wird in Frage gestellt. Unsere Wichtigkeit relativiert.

Gleichberechtigte und abhängige Subjekte

Im letzten «Salon um Sechs» vom RefLab plädiert der Schriftsteller Andreas Weber für eine Weltteilnahme, bei der alle Wesen – nicht nur Menschen, sondern auch Tiere und Pflanzen – gleichberechtigte Subjekte sind. Die anthropozentrische Sichtweise hätte langsam aber sicher ausgedient. Wenn wir zu den Pflanzen und Tieren gehen und ‘Du’ sagen, treten wir in den Modus der Gegenseitigkeit, verhalten uns fair und erleben eine tiefe Gemeinsamkeit. Da müssten wir hinkommen.

Diese Gegenseitigkeit müsse aber organisiert werden. In dieser Gesellschaft würde das schief gehen, denn die herrschenden Kräfte stünden der Gegenseitigkeit entgegen. Niemand will was abgeben. Der Turbo-Kapitalismus ist auf Extraktion, nicht auf Gegenseitigkeit ausgelegt. Alle haben Angst, dass die Wirtschaft nicht mehr funktioniert.

Nun ist die Wirtschaft angehalten worden, weil es nicht anders ging. Wie aktuell und wichtig die Gedanken von Andreas Weber geworden sind! Aber hört bitte rein.

Danke für den Fisch!

Zur aktuellen Situation (und zu den Delfinen) passt eine andere apokalyptische Geschichte. In der einzigen vierteiligen Trilogie in 5 Bänder «Per Anhalter durch die Galaxis» von Douglas Adams (attention please: british humour!) kehrt der Protagonist Arthur Dent auf die eigentlich explodierte Erde zurück, um herauszufinden, ob es noch dieselbe wie vorher ist. Sie ist es, aber die Delfine sind verschwunden. Dafür findet Arthur in seinem Haus ein rätselhaftes Glasgefäss, auf dem die Worte eingraviert sind: „Macht’s gut und danke für den Fisch“. Die Delfine verlassen die Erde (zumindest im Film) fliegend, weil sie die Gefahr der Erdenvernichtung zeitig gespürt haben. Und es kommt noch dicker. Der Mensch ist nicht die Krone (ital.: corona) der Schöpfung: die Mäuse liegen zuoberst, gefolgt von den Delfinen. Wir sind lediglich an 3. Stelle.

Ich hoffe, dass es bis spätestens am 25. Mai vorbei sein wird, nicht mit der Erde, ich meine mit der Pandemie. Denn an diesem Datum ist der offizielle Towel Day (Handtuch-Tag). Dann tragen nämlich die Fans des Schriftstellers Douglas Adams ein Handtuch mit sich herum. Dies als Erinnerung an seine Bücher, in denen ein Handtuch als „so ziemlich das Nützlichste“ bezeichnet wird, was man auf Reisen durch die Galaxis mit sich führen kann. Wir tragen jetzt zwar keine Tücher aber gut sichtbare Gesichtsmasken, die wir hoffentlich bald ablegen können. Wer weiss, vielleicht werden wir das Ende des «lock-down» dann auch jährlich feiern.

Wer wissen möchte, wie das Ganze fiktiv ausgeht, muss entweder alle fünf Bücher lesen oder sich den Film anschauen. Zeit hätten wir hierfür genug.

Eine der wichtigsten Botschaften der Romanreihe möchte ich ganz am Schluss doch mit auf den Weg geben. Ja, es sieht schlimm aus. Aber bitte keine Panik!

 

Photo by Tonik on Unsplash.
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