Gregor Hasler ist einer der wenigen Fachleute in der Schweiz, die mit Psychedelika arbeiten und forschen dürfen. Er sagt: Substanzen wie LSD oder MDMA können tiefe mystische Erfahrungen ermöglichen. Eine Reportage aus Fribourg.
In meinem Socialmedia Feed diesen Sommer tauchen immer wieder Anzeigen für diverse Pflanzenmedizin-Zeremonien auf oder Rituale, die über psychoaktive Substanzen tiefe Einsichten hervorbringen sollen. Etwas, was in mir stets grosse Skepsis hervorruft. Sorgfältig und fachkundig begleitet, mögen diese Rituale wohl gewisse Öffnungen des Bewusstseins bewirken. Doch kann es tatsächlich eine Abkürzung sein für den mystischen Weg, die vielen Stunden in der Stille?
Eine Frage, die ich Gregor Hasler gestellt habe. Er ist einer von 40 Therapeuten, die eine streng regulierten, weltweit einzigartige Psychedelika-Psychotherapie anbieten dürfen.
Er ist zudem ordentlicher Professor für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Freiburg in der Schweiz, sowie Chefarzt und Leiter der psychiatrischen Forschungsabteilung des Freiburger Netzwerks für psychische Gesundheit. Er selbst hat im Rahmen seiner Ausbildung zum Psychotherapeuten eine Erfahrung mit MDMA gemacht – die ihm «christliche Gefühle» zugänglich gemacht hatte. Sein neustes Buch «Higher Self. Psychedelika in der Psychotherapie» ist im vergangenen November erschienen.
Ich habe ihn in Fribourg auf seiner Station besucht – und mir seine LSD-Zimmer angeschaut, vor allem aber alles über die Chancen und Grenzen von psychedelischen Substanzen für die Behandlung gewisser Erkrankungen und den Zusammenhang von mystischen Erfahrungen und Psychedelika hören wollen.
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2 Kommentare zu „Sommerreprise: Gregor Hasler: Von christlichen Gefühlen und Psychedelika“
Psychedelika wie Ayahuasca, Psilocybin, LSD, DMT bewirken sehr intensive Erfahrungen – wie z.B. ICH-/EGO-Auflösung, Eins-Sein mit Alllem bzw. dem Universum, intensive Licht-Erlebnisse.
Solche Erlebnisse werden oft als intensive mystische, spirituelle bzw. transzendente Erfahrungen empfunden.
Mit ´Erleuchtung´ haben solche Erlebisse aber nichts zu tun – auch wenn dieser falsche Zusammengang subjektiv so empfunden werden kann.
Vielmehr ist es so, dass Psychedelika SELEKTIV Erfahrungen bzw. neuronale Zustände REAKTIVIEREN, welche eindeutig der frühen Kindheit zugeordnet werden können.
Denn das Phänomen Nahtod-Erfahrung(NTE) lässt sich komplett als Ergebnis eines sehr einfachen Erinnerungsvorgangs erklären – bei dem z.B. Erlebnisse ab dem 5. Schwangerschaftsmonat in genau der gleichen Reihenfolge reaktiviert werden, wie sich die physikalischen Sinne entwickeln:
Tastsinn > Hören > Sehsinn > Geburt(indirekt) > frühe Sozial-/Umwelt-Erfahrungen > autobiographische Erlebnisse ab dem 2. Lebensjahr bis zum aktuellen Alter.
Erlebnisse unter Psychedelika entsprechen den Erlebnissen, welche bei NTEs als ´frühe Sozial-/Umwelt-Erfahrungen´ eindeutig zeitlich der frühen Kindheit zugeordnet werden können. Damit kann man belegen, dass Psychedelika SELEKTIV Gedächtnisinhalte bzw. neuronale Zustände reaktivieren.
Nebenbei bemerkt: diese frühen Erfahrungen bei NTEs bzw unter Psychedelika – entsprechen den Grundlagen für das ´ÜBER-ICH´ von Sigmund Freud.
(Buchquelle: Kinseher Richard „Auflösung großer Fragen: Was ist Bewusstsein? Was ist Zeit?“ – Im Buch werden NTEs mit vielen Detail erklärt und es gibt auch ein Kapitel zum Thema psychedelische Drogen´)´
Übrigens: Auch NTEs werden oft als sehr intensive spirituelle bzw. transzendente Erlebnisse empfunden – damit kann man sagen, dass es mit der Art und Weise wie wir erinnern, eine konkrete biologische Grundlage für das Entstehen solcher Erfahrungen gibt (Das gilt für alle modernen Menschen seit der Steinzeit – also auch für Atheisten – weil unsere Gehirne gleichartig arbeiten.).
Solche Errfahrungen werden kulturell umgeformt zu einer Grundlage für religiöse Ideen bzw. von Religionen.
Hintergrund-Information:
Dass man durch Drogenkonsum eine spirituell und geistige Höherentwicklungsstufe der Menschheit bewirken könne – das Wassermann-Zeitalter – war eine zentrale Glaubensidee der New-Age-Bewegung
Diese Erwartungen werden sehr eindrucksvoll im Musical ´Hair´ besungen – z.B. im song ´Aquarius´