Less noise, more conversation.
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Stephan Juette

Die Reformierte Kirchgemeinde Zürich schafft eine Vollzeit-Pfarrstelle für die Anliegen der LGBTQ-Community. Das Projekt ist vorerst bis zum 30. Juni 2024 finanziert.
Auf die Idee gebracht hat mich ein US-amerikanischer Fitnesstrend: Streak-Running. Die Idee ist simpel. Gehe jeden Tag laufen, mindestens eine Meile. Der Hintergedanke dabei: Wenn du eh schon weisst, dass du laufen wirst, halten dich Wetter, TV-Serien oder eine zu kurze Nacht nicht davon ab. Du tust es selbstverständlich, wie zähneputzen oder duschen. Für mich ist das nichts. Nicht weil mir gute Routinen nicht helfen würden, sondern weil ich sicherlich einen Überehrgeiz entwickeln würde, der es mir nicht erlaubt, nach einer Meile aufzuhören. Dann lieber ein richtiger Ruhetag.
Vor 500 Jahren ist eine der wirkmächtigsten Berufungen auf das eigene Gewissen formuliert worden. Luther stand in Worms vor dem Kaiser, der seinen Widerruf forderte. 500 Jahre später können wir froh sein, dass Luthers Antwort besser war als unsere Erinnerung daran. 
Manchmal schreibt das Leben lustige Geschichten: Dem rechtskonservativen Nein-Komitee gegen die «Ehe für alle» ist es bei mehreren Banken nicht gelungen, ein Konto einzurichten. Deshalb reichen sie nun – exemplarisch – Strafanzeige ein gegen die Raiffeisen-Bank in Zug. Und zwar wegen Verletzung der Rassismusstrafnorm.
Der berühmte Theologieprofessor und streitbare Priester Hans Küng ist am 6. April 93-jährig in Tübingen verstorben. Mittlerweile sind schöne, differenzierte und gehaltvolle Nachrufe erschienen. Dabei wirkt Küng immer wieder wie ein kämpferischer, bisweilen auch etwas eitler Gegenspieler der Amtskirche.
Alle Jahre wieder findet dieser seltsame Gedenktag an einen Cliffhanger statt: Karfreitag. Aber weil alle schon wissen, dass Ostern kommt, dass der Todgeglaubte eigentlich lebt, ist da keine Spannung. Niemand denkt: «Boah, jetzt ist er also gestorben. Krass!» Es fühlt sich eher an, wie zum zwanzigsten Mal Dirty Dancing schauen: Viel Drama, aber man weiss, dass es gut kommt. Als Ritual werden Cliffhanger schnell kitschig.
Die Kanzlerin bittet die Bürgerinnen und Bürger an einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz letzten Mittwoch um Verzeihung. Nicht einfach mit einem beiläufigen «Sorry.», sondern mit einer veritablen Schuldübernahme. Die geplante Osterruhe sei ein Fehler gewesen, für den sie allein die Verantwortung trage. Man kann darin ein Zeichen demütiger Selbstbescheidung erkennen aber auch eine neue Form personalisierter Machtpolitik.
Vor einer guten Woche habe ich einen Text über "Containerbegriffe" geschrieben. Darin fordere ich, Phänomene präzis zu beschreiben. Ich glaube nämlich, dass dies notwendig ist, um die dahinter liegenden Missstände zu beheben. Diesen Gedanken habe ich an den Begriffen "Cancel Culture" und "Patriarchat" durchgespielt. Über 90% der Reaktionen die ich darauf erhalten habe, drehten sich um "das Patriarchat". Die Heftigkeit hat mich überrascht. Und ich habe gelernt, dass ich nicht als Person, sondern nur als Vertreter einer Gruppe über das Patriarchat sprechen kann.

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