Less noise, more conversation.
Less noise, more conversation.

Stephan Juette

Klar: Ohne Dingen einen Namen zu geben, können wir uns nicht verständigen. «Ein Tisch, ist ein Tisch.» Aber es gibt Begriffe, die der Verständigung nicht vorausgehen, sondern sie quasi voraussetzen oder erzwingen wollen. Diese Begriffe führen nicht zu einer Polarisierung innerhalb der Gesellschaft, sondern sind deren Ergebnis. Sie sind Denkabkürzungen, die entweder eine träge und selbstgefällige Political Correctness befördern oder auf der populistischen Welle eines leeren Freiheits- und Individualismusideals reiten.
Selten ist mein Sohn an einem Montagmorgen so fröhlich aufgestanden: «Ich bin das Wochenkind!», rief er mir entgegen, kaum hatte er die Augen aufbekommen. «Das Wochenkind?!» Ich erfuhr, dass das Wochenkind etwas von zuhause mitbringen kann, das es besonders gerne hat und es der ganzen Klasse zeigen darf. «Ah, toll! Und? Was nimmst du mit?» Er drückte sich strahlend an seinen Teddybären, der mindestens so gross ist, wie er selbst.
Die Frage nach Gott stellen sich Menschen seit Jahrtausenden. In ihrem Nachdenken und Hoffen, Dichten und Erklären, Erzählen und Verehren haben sie viele Götter geschaffen. Manche sind zornig und bedrohlich, andere egoistisch und gegenüber den Menschen gleichgültig. Viele sind etwas eitel und mächtig, ein paar sind gütig und ganz liebenswert. Sie sind allesamt Produkte unserer Phantasie. Dennoch: Manche von ihnen haben sich als sehr wirksam erwiesen. Keine ägyptische, assyrische, jüdische, hellenistische oder römische Hochkultur ohne ihre Götter. Kein Kastenwesen, kein kriegerischer Jihad, keine Ständegesellschaft, kein Kaiser und kein Kloster ohne Götter. Aber abgesehen von der kulturellen Mächtigkeit unserer Gottesbilder: Korrespondieren sie überhaupt mit einer Wirklichkeit ausserhalb unseres Denkens? Gibt es Gott?
Manu und ich haben drei Anläufe gebraucht, um unsere Podcastfolge zur Frage «Was ist Wahrheit?» aufzuzeichnen. Das hat mehrere Ursachen: Die Intuition, dass mit «Wahrheit» viel auf dem Spiel steht, eine falsche Skepsis gegenüber «Wahrheit» und ein riesen Durcheinander in der Frage, was Wahrheit eigentlich meint.
Seit jeher haben sich Menschen gefragt, woher das Böse kommt und weshalb es Böses gibt: In Form von Naturkatastrophen, Krankheiten, moralischen Verwerflichkeiten oder schlicht der doch etwas arg begrenzten und offensichtlich nicht immer ganz fair verteilten Lebenszeit der Menschen. Die meisten haben sich das nicht abstrakt gefragt, sondern konkret, angesichts eigener Krankheit, lebensbedrohlicher Missernten, dem (viel zu frühen) Verlust eines geliebten Angehörigen oder wenn sie unter der Herrschaft eines Tyrannen gelitten haben. «Weshalb trifft es mich? Warum müssen wir leiden?» 
Stephan hat mit Manu zusammen über Fundamentalismus nachgedacht. In Religionen aber auch ausserhalb. Denn Fundamentalismus ist nicht per se religiös. Übrigens: Wenn du nicht lesen magst, findest du am Anfang des Beitrags einen Link zu einem kurzen YouTube-Video zum Blogthema.
...10...

RefLab regelmässig in deiner Mailbox