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Burkaverbot & Frauenrechte

Wir haben viel freundliches Feedback auf die letzte Folge erhalten. Herzlichen Dank! Manche haben aber unseren Beitrag zu “50 Jahre Frauenstimmrecht” vermisst. Darum wollen wir heute einen wichtigen Aspekt unter den verschiedenen feministischen Anliegen in den Fokus nehmen: Die Art, wie Medien über sexualisierte Gewalt und Frauen sprechen.
Ausserdem: Was ist eigentlich von der Burka-Initiative zu halten? Spoiler: Wenig bis Nichts. Und dann beginnt ja heute auch noch die Fastenzeit… Aber so richtig Lust haben wir beide nicht drauf. Stattdessen: Die grossen Drei Dinge auf die wir verzichten würden, wenn wir uns auf unseren ethischen Kompass verlassen würden und uns nicht von unserer Trägheit leiten liessen…
Wir freuen uns auf eure Feedbacks und Kommentare!

Hier findet ihr den Artikel zum Burkaverbot in Frankreich aus dem Deutschlandfunk.
Hier findet ihr die Stiftung “Lantana”, die von Agota Lavoyer geleitet wird.
Und hier geht’s zur Übersicht über die Serie Room 2806.

 

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4 Kommentare zu „Burkaverbot & Frauenrechte“

  1. Brigitte Hauser

    Dafür dass von der Burkainitiative wenig bis nichts zu halten sei, kommt sie erstaunlicherweise im Reflab zu 100% mehr vor als die anderen Abstimmungsvorlagen vom 7. März. Wenn ihr keine konverse Meinung habt, würde ich eine minim differenziertere Argumentation bei einer Abstimmungsvorlage begrüssen. So im Sinne von Gründe dagegen (zB die Verhältnismässigkeit und ob ein Verbot sinnvoll ist etc) und Gründe dafür (zB Ablehnung von Entindividualisierung von Frauen im öffentlichen Raum aus ethischen, prinzipiellen Uerberlegungen. Wir haben ja grad mal 50 Jahre Frauenstimmrecht. Ausdruck von Solidarität mit Frauen weltweit, die sich gegen Verhüllungen wehren und dafür mit Repressionen rechnen müssen. Anfrage an westliche Werte und diesen Diskurs nicht allein der Rechten überlassen etc). Zudem gibt es liberale Muslim*innen in der CH, die öffentlich für ein Burkaverbot argumentieren, zB Elham Manea, Saida Keller-Messahli oder Imam Memeti in Bern. Deren Stimmen hätten zB einbezogen werden können. Die Gewichtung und Schlüsse daraus dürft ihr getrost den Hörer*innen überlassen.

  2. Sibylle Forrer

    Liebe Brigitte, danke für deine Rückmeldung. Ja, es hätte so viel mehr in Bezug auf die Initiative gesagt werden können. Dafür hätten wir eine eigene Folge dazu machen müssen. Aufgrund der Zeit und der Themenvielfalt konnten wir leider nur kurz darauf eingehen. Dass Stephan und ich uns dabei einer Meinung waren, das wussten wir im Vorfeld der Aufnahme übrigens nicht. Wir sprechen jeweils nur die Themen, über die wir reden möchten, ab, alles andere überlassen wir der Dynamik des Gesprächs.
    Ich lehne – und das habe ich in der Folge auch betont – die Burka aus verschiedenen Gründen ab. Sie ist m.E. ein Instrument zur Unterdrückung der Frau und dient der Demonstration der Macht des Patriarchats. Jede Frau, die angibt, aus freien Stücken eine Burka zu tragen, muss sich dem patriarchalen Hintergrund dieses Kleidungsstücks bewusst sein und ebenso, dass viele Frauen in vielen Ländern zum Tragen einer Burka oder Niqab gezwungen werden. Nur schon aus Solidarität mit diesen Frauen kann man in meinen Augen das Tragen einer Burka nicht gut heissen. Ich persönlich hätte übrigens nicht einmal grosse Mühe damit, eine Kleidervorschrift in die Verfassung zu schreiben, da ich meine, Kleider, die ein Instrument zur Unterdrückung sind, gehören verboten. Die Initiative nehme ich trotzdem nicht an. Und zwar deshalb, weil ich sowohl die Kreise, aus der die Initiative kommt, als auch die Absicht, die hinter dieser Initiative steht bzw. das Narrativ, das damit bedient wird, keinesfalls unterstützen will. Der Zweck heiligt da nicht die Mittel. Meine Haltung habe ich im Gespräch deshalb mit „ich lehne sowohl die Burka als auch die Initiative ab“ zusammenzufassen versucht
    Wie gesagt; es gibt zur Burka und zur vorliegenden Initiative viel mehr zu sagen, als wir es in unserem Gespräch aufgrund der mangelnden Zeit getan haben. Wir konnten das Thema nicht differenziert angehen, das war aber auch nicht unser Anspruch. Wenn wir nun aber vertiefter darüber ins Gespräch komme, freue ich mich.
    Herzliche Grüsse, Sibylle

    1. Matthias Hubacher

      Eigentlich gehört diese Diskussion den Frauen! Ich fände es – nach 50 Jahren Frauenstimmrecht –angebracht, dass zu dieser Abstimmung nur die Frauen stimmen dürften. Man(n) stelle sich nur mal vor, dass die Bekleidung von Männern zur Debatte stehen würde. Naja, die Initianten bringen als Argument die «Vermummung» von Chaoten und Randalierern ein, um dann auf ganz kurzem Weg die Verschleierung islamischer Frauen zu treffen. Nur schon die Wortwahl ist bezeichnend. Die Parole dazu heisst «Extremismus bekämpfen»! Unter dem Vorwand der Entrüstung über einen religiös begründeten Brauch, der unbestritten die Frauen abwertet, wird generell und undifferenziert die alte Schweizer Angst vor allem Fremden geschürt. Max Frisch hat dazu schon vor über 50 Jahren gesagt: “Ein kleines Herrenvolk sieht sich in Gefahr”. Ja, unsere Schweiz ist sehr klein und manchmal auch verzagt. Aus Befremden und Angst entsteht Ablehnung, die rasche Pauschalurteile schürt. Solche Vorschriften haben in unserer Bundesverfassung nichts zu suchen. Mit Offenheit und Mut die Werte unserer eigenen Kultur verteidigen – auf der Basis unseres Grundgesetzes – ist die bessere Haltung als diejenige von Andersdenkenden und -gläubigen zu bekämpfen, auch wenn sie uns fremd und unsympathisch ist.

    2. Brigitte Hauser

      Danke liebe Sibylle für deine ausführliche Antwort. Ich kann deine Haltung gut nachvollziehen. Wir haben ja nun schon auf Messenger diskutiert. Ich hätte die Initiative nicht lanciert. Sie ist mir zu unverhältnismässig. Aber ich setze mich nun mit der Sachfrage auseinander und weniger woher die Initiative kommt und finde durchaus, dass es bedenkenswerte Punkte gibt, die zB Elham Manea in ihrem Aufsatz: “Der Kontext ist wichtig-gerade beim Nikab” sehr differenziert darstellt. Findet man in ihrer FB Seite oder unter http://www.defacto.expert
      In real life hatte ich vor einigen Jahren eine Begegnung mit der Mutter einer CH-Konvertitin und Nikabträgerin. Sie fand den Weg ihrer Tochter schwierig, weil er den Kontakt erschwerte, auch zu den Enkel*innen. Sie schilderte das Milieu, in dem ihre Tochter war als sektenhaft und extrem. Es gab auch Ermittlungen im Umfeld. Klar kann man von einem Einzelfall nicht aufs Ganze schliessen, und er rechtfertigt schon gar keine Volksinitiative. Mir scheint jedoch die Diskussion, die den Nikab ohne Kontext betrachtet und auf: “jede soll doch tragen was sie will” beruht verharmlosend.
      Liebe Grüsse Brigitte

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