Less noise, more conversation.
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Stephan Juette

Sie sind mit Pfarr-Bier und offenen Ohren unterwegs, die coolen Typen von der «Unfassbar»: Bernhard Jungen und Tobias Rentsch. Die «Unfassbar» ist ein Cargofahrrad mit Bierbar – die beiden philosophieren mit Menschen, die ihnen über den Weg laufen und die durstig sind, über Gott und die Welt. Bernhard engagiert sich zudem in Basel als «Gastroseelsorger».
Die Zahlen sehen nicht gut aus. Nur im letzten Jahr hat die Reformierte Landeskirche des Kanton Zürich fast zehntausend Mitglieder verloren. Relativ zu den Mitgliederzahlen sind das fast doppelt so viele wie noch vor fünf Jahren. Wer auf die Taufzahlen blickt, erkennt, dass der Schrumpfungsprozess nicht linear verlaufen wird: Nur gut jedes zweite Kind aus einem reformierten Haushalt in der Schweiz wird noch getauft. Progressive Schrumpfung, sozusagen. Und ein Blick in die Niederlande, in denen die Protestantische Kirche vielleicht eine Generation Vorsprung hat auf die hiesige Entwicklung, erspart komplizierte Modellrechnungen.
Während in Deutschland alle Mentalitätsunterschiede reflexartig mit den Himmelsrichtungen Osten und Westen, in Italien mit Norden und Süden erklärt werden und es in Frankreich ohnehin nur Paris oder die Banlieue gibt, müssen wir Schweizer:innen etwas vielfältiger und kreativer sein, um unsere mentalen Grenzen zu ziehen.
Es gibt Zustände und Situationen, die man bedauert, in denen man mitleidet und es kaum aushält, dass man sie nicht verändern kann. Für mich ist der Nahostkonflikt eine Aneinanderreihung solcher Situationen und Zustände.
In diesem Corona-Jahr habe ich etwas Wichtiges über Arbeit und Arbeitsbelastung gelernt. Bis anhin war Arbeit etwas, das ich in Stunden oder Minuten zu quantifizieren versuchte. Jetzt habe ich verstanden, dass es ganz andere Masseinheiten braucht: Die Trennung verschiedener Arbeitsformen.
Arbeitslosigkeit ist für viele Menschen ein schwieriger Zustand. Besonders im letzten Drittel der Erwerbstätigkeit, mit 45-50plus, wirkt sie bedrohlich. Quälende Fragen nach der Zukunft tauchen auf. Anders als in den USA gilt es besonders in der Schweiz immer noch als beschämend, keine Arbeit zu haben.  Diese existenziellen Nöte sind durch die Covid-19-Situation gravierender geworden. Für Stellensuchende fallen nebst den alltäglichen sozialen Kontakten in Geschäft oder Büro auch persönliche Treffen mit Freunden, Familie oder Kollegen weg; Sportvereine pausieren, Fitnessstudios sind geschlossen, das soziale Leben brennt auf Sparflamme.
Heute hat Livenet einen Beitrag von Daniel Gerber veröffentlicht. Unter dem Titel «Kultur der Angst und Zensur» wird die finnische Politikerin Pävi Räsänen als Opfer einer liberalen Meinungsdiktatur stilisiert. Der Artikel verzichtet darauf, die strittigen Äusserungen zu zitieren. Wer sich informiert merkt schnell: Hier wird nicht christliches Gedankengut zensiert, sondern biologistische Hassrede angezeigt. Warum aber solidarisieren sich ausgerechnet christlich-fundamentalistische Kreise mit solchem rechten Gedankengut? 

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