Less noise, more conversation.
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Stephan Juette

Toleranz gilt als Qualitätssiegel für Gesellschaften, Religionsgemeinschaften und Personen. In Wirklichkeit ist sie längst zum Deckmantel einer moralisch ignoranten und intellektuell faulen Geisteshaltung geworden.
Das Ständemehr gehöre auf den Müllhaufen der Geschichte, twitterte Juso-Präsidentin Ronja Jansen nach der Abstimmungsniederlage. Das ist etwas trotzkig (!) formuliert aber deswegen noch lange nicht falsch.
Als Kind habe ich Weihnachtsgeschenke geliebt! Das bunte Papier, die Päckchen unter dem Tannenbaum, die Erfüllung grosser und kleiner Wünsche. Oder die aufwändigen Adventskalender mit den täglichen Überraschungen: Dosierte Vorfreude auf Heilig Abend. Heute möchte ich gerne darauf verzichten. Aber nicht ganz.
Manchmal mache ich dieses Mind-Game: Wenn eine ausserirdische Intelligenz unsere Gesellschaft besuchen würde, was würde ihr auffallen? Man kann das mit verschiedenen Dingen durchspielen: Fussbekleidung, Geldströme, Sport oder Smartphones. Aber sicher auch mit Religion. Angenommen, dieser extraterrestrische Besucher würde in seinem Bericht erklären wollen, was die vorherrschende Religion unserer westlichen Gesellschaften sei, worauf würde er wohl kommen? Ich vermute: "Positives Denken".
So, jetzt haben wir uns eine Woche lang um das mediale CNN-Lagerfeuer versammelt, wissen auswendig, wieviele Wahlmänner Pennsylvania, Georgia, Arizona und Nevada haben, wieviele Prozente Hillary Clinton dort vor vier Jahren hinter oder vor Trump lag, haben x-fach darüber diskutiert, ob der Oberste Gerichtshof unter konservativer Mehrheit vielleicht dem ungerechten Bösewicht zum Sieg verhilft, wann die Republikaner sich endlich von ihrem irren König distanzieren und ob "die Wunden des zerrissenen Amerikas" wieder heilen können. Aber wozu?

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