Dein digitales Lagerfeuer
Dein digitales Lagerfeuer

Kunst & Kultur

Viele sind heute überfordert mit Begriffen wie «BIPoC» oder «intersektionaler Feminismus». Dennoch gibt man gerne ein Like für Anliegen, die man als politisch korrekt einstuft. Für echte Diskussionen und Horizonterweiterung reicht das nicht – doch das erfordert die Logik von Social Media auch nicht.
Gestern ist die Art Basel mit einer erfreulichen Bilanz von 70'000 Besucher:innen zu Ende gegangen. Ich habe mich unters Kunstvolk gemischt, mich treiben lassen und die erste Post-Corona-Kunstmesse extrem genossen.
Eine These meines Kunstvlogs lautet: Spiritualität ist eine Migrantin. Sie ist unterwegs und lässt sich auch in Museen und Galerieräumen gerne nieder. Im Museum Franz Gertsch in Burgdorf bin ich fündig geworden: in der Ausstellung «Blau» mit Bildern, die einen in die Kontemplation förmlich hineinziehen.
Natur als Spiegel der Seele, aber gleichzeitig auch als geheimnisvolle Welt für sich: Wir finden dies in der romantischen Kunst etwa eines Caspar David Friedrich und nun überraschend in der Gegenwartskunst bei Franz Gertsch.
Vor fünf Jahren hatte BlessU-2 auf der Weltausstellung Reformation in Wittenberg Premiere. Seither ist der umstrittene Segensroboter viel herumgekommen. Eine Woche noch erteilt er im Museum für Gestaltung in Zürich seinen Segen: als Teil der sehenswerten Ausstellung «Planet Digital».
Der Wiener Aktionskünstler und Erfinder des Orgien-Mysterien-Theaters Hermann Nitsch ist 83-jährig gestorben. Im Rückgriff auf die Antike hat er moderne Läuterungsrituale gestiftet, die nach seinem Tod weitergehen werden.
Kürzlich erschien das Buch «Für den Zweifel». In fünf Gesprächen wird darin die Publizistin und Journalistin Carolin Emcke vom Literaturprofessor Thomas Strässle interviewt. Emcke spricht sich unter anderem für präzise Analysen, Ergebnisoffenheit, Graustufen und bewusste Diskussionsräume aus.
Der Erfolg von Netflix-Serien wie «Der Tinder-Schwindler» oder «Inventing Anna» über die deutsch-russische Schwindlerin Anna Sorokin belegen: Blender und Hochstapler haben Hochkonjunktur.
Woke ist Wort und Gebot der Stunde. Wer nicht gendert, wer sich nicht deutlich gegen Klimawandel, Rassismus, Homophobie, Antisemitismus, Islamophobie äussert, hat den Anschluss verpasst – so die Argumentation. Aber kann es sein, dass wir uns in einem performativen Wortkrieg verrennen, so berechtigt die Anliegen sind?

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