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Der Kunstvlog [11]: Das schwärzeste Schwarz der Welt – Anish Kapoor

In Biennale-Jahren ist Venedig voller Gegenwartskunst (meinen Biennalevlog findet ihr hier), auf dem Biennale-Gelände, aber auch im Rest der Stadt. Eine faszinierende Ausstellung in den Gallerie dell’Accademia möchte ich euch nicht vorenthalten. In meinem neuen Kunstvlog konzentriere ich mich auf den indisch-britischen Künstler Anish Kapoor, der dort zu sehen ist, und auf das schwärzeste Schwarz der Welt: Vantablack.

Vantablack absorbiert 99,9 Prozent des sichtbaren Lichts und wurde von Nanotechnologen entwickelt.

Kapoor meditiert dieses Schwarz, das etwas Absolutes hat, potenziell alles enthält, aber nur negativ beschreibbar ist (über dasjenige, was es nicht zeigt), das tiefe Angst* auslösen kann, aber auch in die Nähe von Gottesvorstellungen rückt. Ein Schwarz, das sich von Gegenständen löst und dadurch Absolutheit gewinnt.

Aber macht euch selbst ein Bild. (Die Tiefe des Schwarz ist im Video nur annäherungsweise eingefangen, auch aufgrund von Spiegeleffekten von Vitrinen).

Anish Kapoor, Gallerie dell’Academia und Palazzo Manfrin, Venedig, bis 9. Oktober 2022.

*Der Philosoph Søren Kierkegaard sprach von einem «Nichts der Angst», von einer Entleerung ihres Gegenstandes, die dem Menschen jeden Anhalt an der Wirklichkeit nehme. Der Verlust des Wirklichen und das Sichverlieren in unendlichen Möglichkeiten des Seins und Nicht-Seins könne, so Kierkegaard, zum Motor einer religiösen Produktivität der Angst werden.

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6 Kommentare zu „Der Kunstvlog [11]: Das schwärzeste Schwarz der Welt – Anish Kapoor“

  1. Beeindruckend. Ein Künstler, der Macht hat über das schwärzeste Schwarz der Welt, das kann wirklich tiefe Angst auslösen.

  2. Jürgen Friedrich

    Das „schwärzeste Schwarz“ öffnet den Blick auf das absolute Nichts – mit den Augen der darstellenden Kunst betrachtet. Mich hingegen lädt es ein zum Bedenken der Tatsache, das das lebendige Leben ein dynamisches Ereignis ist zwischen noch toter Zukunft und schon wieder toter Vergangenheit. Die Zeitspanne zwischen diesen zwei toten Bereichen geht gegen Null. Sie repräsentiert für mich das 100% schwarze und nicht-vorstellbare Sein Gottes

    1. Ich für meinen Teil hoffe, dass Gott kein „schwarzes Loch“ ist, das alles ‚verschluckt‘. Und auch bei der Vorstellung von Gott als das schwärzeste aller schwarzen Löcher stellt sich bei mir ein gewisses Maß an Unbehagen ein.

      1. Jürgen Friedrich

        Das „gewisse Maß an Unbehagen“ bewog gemäß biblischer Überlieferung den Schöpfer zu seinem ES WERDE LICHT. Aus meiner Sicht ist „das“ noch in vollem Gange.

  3. Johanna Di Blasi

    Danke für die schönen und tiefen Überlegungen. Ich freue mich wirklich sehr über diese Kommentare. Sie ergänzen meinen Vlog, der durch seine Kürze nicht mehr kann, als ein Thema anzureissen.

  4. Jürgen Friedrich

    Das „angerissene Thema“ vom schwärzesten Schwarz zum ES WERDE LICHT findet eine Verlebendigung im ‚Gleichnis‘ vom Menschen als Gottes Ebenbild. Es entspricht der unbegreiflichen „Definition zum Wesen von Parallelen, die sich im Unendlichen treffen“.

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