Less noise – more conversation.
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Der Kunstvlog [16]: Hörsturzgebete – Via Lewandowsky

Ich fühle mich diesem Kunstort besonders verbunden: St. Matthäus in Berlin gleich neben der Gemäldegalerie im ehemaligen Zonengrenzgebiet. St. Matthäus ist Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst und Kirchenraum, in dem regelmässig Gottesdienst gefeiert wird. Kunstwerke und Kirche müssen sich arrangieren – und meist gelingt das in einer für beide Seiten aufschlussreichen Weise.

«Neue Sichtweisen durch Kunst eröffnen» klingt so floskelhaft. Aber vielleicht sind es gerade solche Ausnahmeorte wie St. Matthäus, wo das mehr ist als eine Floskel.

Mit dem Pfarrer und Leiter von St. Matthäus, Hannes Langbein (im Video zu sehen), verbindet mich inzwischen eine mehrjährige Kollegenschaft. Wir sind beide im Redaktionsteam des ökumenischen Magazins «Kunst und Kirche. Zeitschrift für Kritik, Ästhetik und Religion», das in Wien herausgegeben wird. Hannes Langbein hat mich Ende 2022 eingeladen, bei einem Künstlergespräch mit Via Lewandowsky mitzudiskutieren. Lewandowskys 80-Kanal-Soundinstallation verwandelte vom 12. September bis 20. November den Kirchenraum in einen Ort der Fragen, Zweifel und Einsichten.

«wie bitte» gehört zu den stärksten Kunstwerken, die mir in zahlreichen Jahren als Kunstkritikerin untergekommen sind. Schau rein in meinen 16. Kunstvlog und mach dir ein Bild! Der Vlog, hoffe ich, erhascht zumindest ein kleines Zipfelchen der komplexen Assoziations- und Denkräume, die dieses Werk eines in Ostdeutschland sozialisierten Gegenwartskünstlers im historischen Kirchenraum eröffnet.

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2 Kommentare zu „Der Kunstvlog [16]: Hörsturzgebete – Via Lewandowsky“

  1. „Ich muss unbedingt mal nach Berlin kommen“, so höre ich mich selbst sagen, nachdem ich diesen ungemein spannenden und hilfreichen Kunstvlog hörend vernommen habe: irritierend, (ver)störend, beunruhigend, gegen den Strich, widerstrebend, angriffig, die hier vorgestellte Soundinstallation i. V. m. dem zugehörigen „Kunstort“. Nach engagierter Recherche würde ich sagen, 5 von 5 Sterne.

    „Dabei gibt es nichts zu verstehen“, so Ihre These, liebe Johanna Di Blasi. Gerade das aber wäre zu verstehen und sei verstanden: Dass es dabei nichts zu verstehen gibt. Mithin gibt es dabei doch etwas zu verstehen. 😉
    Und genau darin liegt des Gebetes Angriffigkeit, also auch der Hörsturzgebete Angriffigkeit: Der Freiheit zum Widerspruch ist stattzugeben. (Hörsturz-)Gebet als Widerspruchsfall gibt in jedem konkreten Ernstfall etwas zu verstehen. Andernfalls handelt es sich nicht um (Hörsturz-)Gebet, das im Ernst den Namen „Gebet“ verdient, sondern um ein, den Namen „Kunst“ mehr oder weniger verdienendes, von Menschenhand gefertigtes Werk ohne Gebetswirksamkeit, bestehend aus einer sinnlosen Aneinanderreihung von sinnlosen Dingen höherer Art: „Stummheit 2. Ordnung in religiöser Gewandung.“ Ein Künstler, der seinen Dingen einen Gott hinzukünstelt oder angesichts ihrer auch noch von Gott redet. Etwas, das von mir nicht für gut befunden werden kann. Denn niemand kann auf etwas hoffen, was er nicht für gut befinden kann. Angesichts des Zustands des Opfers/der Opfer auf Stummheit hoffen, das ist, recht verstanden, Extremstform von Dummheit: Beim Namen genannt, heißt das Kind: Boshaftigkeit, der Wille zum Böse-Sein-Wollen. „Das stumme Opfer kennt in alle Ewigkeit nur sich selbst“, so die Stimme, die einem Theologen gehört.

    Vielleicht käme ich über all das – oder (auch) über (ganz) anderes – mit irgendwem/irgendwer ins Gespräch, so ich denn einmal den Weg in die Kapitale finden sollte.

    Unschlagbar die Formulierung „Die Geräusche pinseln die Ohren.“ Na, wenn das mal nicht verführerisch klingt … 🙂 !!!

    Weiter so und danke!

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