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Lesedauer: 7 Minuten

Die kreative Trinität: Heiliger Geist, Zeitgeist und ich.

 
Überblick über diese Blogserie
  1. Der Untergang naht – Zeit für freigespielte Hoffnung
  2. Rückspiel: Der Untergang naht – Zeit für freigespielte Hoffnung
  3. Selig sind die Sehnsüchtigen
  4. Rückspiel: Selig sind die Sehnsüchtigen
  5. Spielerisch leben – allen Ernstes
  6. Rückspiel: Spielerisch leben – allen Ernstes
  7. Die kreative Trinität – Heiliger Geist, Zeitgeist und ich
  8. Rückspiel: Die kreative Trinität – Heiliger Geist, Zeitgeist und ich
  9. Begeistert sein – Die Freude am Wandel

 

Ermunterung zur Zeitgeistforschung

Zum großen Spielen kommt es in meinen Zeitgeistseminaren immer dann, wenn ich meine Studierenden nach draussen schicke. Feldforschung, um das Schauen und Staunen zu üben darüber, was da Neues in die Welt kommt. Nur drei Fragen gebe ich ihnen dann mit:

  1. Was ist neu und anders?
  2. Was irritiert und fordert Gewohnheiten heraus?
  3. Was schenkt neue Hoffnung für die Zukunft?

Das ist die Spielanleitung, um mit dem noch diffusen Geist der Zeit Verbindung aufzunehmen. Diese Fragen sollen die Studierenden darin leiten, das Zeitgeistgeflüster überall vernehmen zu können: in Produkten, in Buchtiteln oder auch in den zufällig aufgeschnappten Gesprächsfetzen von Passanten.

Dass sie derzeitige Trends erkennen können, weiss ich. Aber ich möchte sie erfahren lassen, dass das Flüstern des Zeitgeistes schon zu hören ist, lange bevor er zum Trend wird. Und dass der Geist der Zeit in diesem Frühstadium ein wunderschönes Potenzial hat, um Heilsames zu erschaffen.

Mit leicht überfordertem Blick ziehen sie dann los und kommen begeistert zurück, um mir Ihre »Beute« zu präsentieren. Die berichteten Beispiele und Produkte – erfasst mit der neuen Zeitgeist Perspektive – künden allesamt von Zeitgeist Teilnehmern, die einen Einfall hatten, den es so vorher noch nicht gab. Irgendein schöpferischer Menschengeist hat gespielt mit Inspiration, Gedanken und Materie, hat neue Verbindungen geknüpft. Auf diese Weise kommt das Neue in die Welt, und damit immer wieder die Chance, das Getrennte zu verbinden und zu lange Verkettetes wieder zu lösen, auf dass Individuelles wieder atmen und wachsen kann.

Wie aus Trend-Followern kreative Spirit Maker werden

Kaum eine(r) meiner Studierenden ist sich vor der Exkursion der geistigen Tiefendimension von allem, was um sie herum ist und wird, bewusst. Und es macht mir Freude, ihre Ergriffenheit zu sehen, wenn ihnen gewahr wurde, dass sich die Sehnsucht der Menschen nach Ganzheit sogar im vermeintlich trivialsten Zeitgeist Phänomen ausmachen lässt. Oft verändert diese Erfahrung ihr Verhältnis zur Welt nachhaltig. Wenn es dann zu den Abschluss-Präsentationen kommt, tauchen sie tief in ihre eigene Sehnsucht hinein, verbinden diese mit der kollektiven Sehnsucht und erschaffen Visionen, welche heilsame, neue Heimaten bereiten, um sich in ihrer Kultur wieder mehr zu Hause zu fühlen.

Dabei trägt sie das Gefühl, als ganzer Mensch schöpferisch tätig zu werden. So lassen sie die breite Strasse passiver Trend Follower hinter sich und betreten die Pfade einer neuen Dimension. Aus einem blossen Trend Follower wird ein kreativer »Spirit Maker«.

Als Spirit Maker können sie heilsames Zeitgeistpotenzial in der Gegenwart registrieren und spüren den Drang, es in allen Formen und Farben in die Welt zu bringen.

Wenn Zeitgeistkompetenz erwacht

Bevor meine Studierenden eine solche Zeitgeist Bewusstheit erlangen, begleite ich sie mit Geduld und einer gehörigen Portion Entwicklungsgroßzügigkeit durch einen besonderen Prozess. Sie werden in ihrer Wahrnehmung allmählich durchlässiger, vor allem hinsichtlich der Brillen, durch die sie die Welt betrachten und beurteilen.

Es bedarf kreativer Spieleinheiten, um ihre Augen zu öffnen und ihre Intuition zu verfeinern, damit sie mehr und mehr vernehmen, »was im Werden ist«, anstatt zu verharren im Einfordern dessen, »was sein sollte«.

Eine konservative Studentin hat so erfahren, dass sich die Zukunft der kollektiven Sehnsucht – ganz im Gegensatz zu ihren Vorstellungen – sogar zwischen den Zeilen eines Playboy Magazins erahnen lässt. Ein chinesischer Student traute sich erstmalig an seine tiefe Sehnsucht heran und arbeitete an überraschenden Konzepten für Nachhaltigkeit und Menschlichkeit. Und dies im erklärten Gegensatz zur ihm auferlegten Aufgabe, rein wirtschaftliche und imperiale Ziele zu verfolgen. Strahlend flüsterte er mir zu, mit dieser Sehnsucht in China nicht allein zu sein. Was wäre, wenn dieses Sehnsuchts-Potenzial dort »im Werden« ist und sich vielleicht sogar in Zukunft durchsetzen kann? Unvorstellbar? Zeitgeistdynamisch durchaus vorstellbar, durch den ewigen Sog zur Ganzheit – auch in China!

Die Kunst der Zeitgeistforschung besteht darin, in den weltlichen Erscheinungen aller Art die tiefere Sehnsucht nach dem wahrzunehmen, was lange vergessen war und wieder integriert werden möchte.

Nach dem, was sich neu verbinden möchte, um kulturelle Entwicklung und gesellschaftliche Heilung voranzutreiben. Nach dem, was wieder in unseren Fokus rücken möchte, damit wir uns lebendig an Liebe, Glauben und Hoffnung erinnern.

Zeitgeist – am Anfang reines Potenzial

Zeitgeist ist anfänglich eine »Was wäre, wenn …?«-Spieleinladung an die Kultur. Er beginnt als reines Potenzial und inspiriert dazu, leise Ahnungen zu empfangen, neuartige Gedanken zuzulassen und verwegene Ideen auszumalen.

Im so verstandenen Zeitgeist offenbart sich erst noch hauchzart, was im Sinne der Ganzheit als Nächstes unser Leben betreten möchte.

Man findet dieses Zeitgeist Potenzial oft in den Anfängen von großen kulturellen Entwicklungen. So hat beispielsweise Social Media begonnen als Heimat für die Sehnsucht nach mehr Austausch und Verbundenheit. Freunde von nah und fern konnten nun digital näher zusammenrücken. Schöpferische Menschen konnten Ihre Werke der ganzen Welt zeigen und über Likes und Klicks Resonanz für ihr Schaffen erzeugen, ohne dabei von der Meinung und Anerkennung einer Institution abhängig zu sein.

Mittlerweile nutzen auch die etablierten Systeme die neu entstandenen Vernetzungen für ihre eigenen Interessen. Von Kapitalwirtschaft über Konsumwelt bis zur Volksverhetzung – jetzt tummeln sich dort unzählige Netzwerke und buhlen um Reichweite. Spätestens ab diesem Moment sind dann alle auf den »neuen Zeitgeist« aufmerksam geworden und fangen sogleich an, ihn zu verdammen. Sie verkennen dabei, welche Schönheit dem einstigen Ursprung all dessen innewohnte.

Bei der gängigen Schelte der »schlechten Welt« wird fast immer außer Acht gelassen, dass ein nächster Zeitgeist Impuls in Richtung Heilung und Ganzheit bereits im Entstehen ist.

Dass einzelne Zeitgeist Teilnehmer diesen Impuls wahrnehmen, aufnehmen und auf bislang unvorstellbare Weise umsetzend in die Welt bringen werden. Auf dass sich das ewige Wandlungsmysterium einer bislang noch unerforschten Trinität aus göttlicher Weisheit, weltlichem Zeitgeist und menschlichem Schöpfergeist erfüllt.

Spirit Maker – zeitgeistlich Kreative

Spirit Maker sind Zeitgeistteilnehmer, die diese Trinität verkörpern und konkret wirksam machen. Ihre Durchlässigkeit lässt sie vernehmen, »was im Werden« ist, und ihre kreative Kraft hilft, es in eine Form zu bringen. Sie sind die Sichtbar-Macher von kollektiver Sehnsucht im Resonanzfeld von weltlichem Zeitgeist und göttlicher Weisheit.

Im Medium der Spirit Maker arbeitet sich das Gottesgeflüster durch das Zeitgeistgeflüster als Manifestation in unsere Lebenswelt.

Spirit Maker finden sich überall auf ihrem je eigenen Gebiet. Als Zeitgeistteilnehmer*innen sind sie wachen Auges, warmen Herzens und weiten Geistes unterwegs. Sie verhelfen dem zarten Zeitgeist zu einem kräftigen, durchaus individuellen Auftritt auf der Weltbühne. Spirit Maker sind Frauen wie die Kulturwissenschaftlerin Ilan Stephanie, die zwei Jahre im Bordell gearbeitet und bislang unvorstellbare Einsichten in neues Heilpotenzial für unsere Körperlichkeit und Sexualität erhalten hat (Ilan Stephanie: Lieb und Teuer, Ecowin Verlag). Spirit Maker waren es, die angefangen haben, sich über die Restriktionen gegen Cannabis hinwegzusetzen, so dass heute diese Substanz legal von Schmerz- und Krebspatienten eingenommen werden kann. Ein Spirit Maker war der schwedische Basketball Star Ben Gorham, als er dem inneren Sog folgte, prophetisch schöne Düfte zu kreieren und diese unter dem Namen Byredo unter den Menschen zu versprühen.

Spirit Maker erkennen und erschaffen auf ihre ganz besondere Weise neue Verbindungen, die uns lebendiger, liebender und hoffnungsvoller machen. Spirit Maker sind die kreativen Rückkehrer zur göttlichen Weisheit in der Evolution der Zeit.

Wir alle tragen das Potenzial in uns, in der kreativen Trinität von heiligem Gottesgeist, weltlichem Zeitgeist und individuellem Schöpfergeist mitzuspielen. Wahrscheinlich hast auch Du diese Erfahrung schon gemacht.

Erinnerst Du Dich?

Was wäre, wenn diese Trinität zum Kompass für göttlich inspiriertes, dem Leben dienendes, schöpferisches Handeln in der Welt wird? Wenn Spirit Maker sein der künftige Gottes Dienst wird?

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3 Kommentare zu „Die kreative Trinität: Heiliger Geist, Zeitgeist und ich.“

  1. Bildungsziel Spirit-Maker!
    Liebe Kirstine, Du weisst ja, dass ich seit der Lektüre Deines Buches „Zeitgeist“ Fan Deiner Forschung bin! Was ich aber noch nie so schön gelesen habe, ist Deine Schilderung, wie Studierende, wenn Du sie anleitest, in feinfühliger, qualitativer, teilnehmend beobachtender und gleichzeitig „staunend“ distanzierter Weise Zeitgeistforschung zu treiben, zu „Spirit Maker“ werden. Das liest sich wie die Geburt eines Meta-Berufes, jenseits aller konkreten Berufstätigkeiten im Alltag. Spirit Maker als Pioniere für eine evolutionäre Entwicklung unserer Gesellschaft im weiteren Verlauf dieses Jahrhunderts, „inspiriert“ vom Heiligen Geist durch den Kanal des noch ganz jungen, frischen, unschuldigen Zeitgeistes: Ich bin „begeistert“!

    Spannend finde ich das Psychogramm, dass sich in Deinem Porträt des Spirit Makers abzeichnet: Da ist auf der einen Seite eine weiblich anmutende Offenheit, Empfänglichkeit, „Durchlässigkeit“, welche den Spirit Maker überhaupt erst in die Lage versetzt, die Sog- und Sehnsuchtsrichtungen wahrzunehmen, „was werden will“. Gleichzeitig ist da ein männlich anmutender Initiativgeist, Gestaltungswille, Elan, der die notwendige Energie mobilisiert, „das Neue in die Welt zu bringen“. So gesehen ist ein Spirit Maker, gleich ob biologisch weiblichen oder männlichen Geschlechts, ein innerlich androgynes Wesen, ein ganzheitlich unterwegs seiendes Menschenkind. Was wäre, liebe Kirstine, wenn wir „Spirit Maker sein“ zu einem erstrebenswertes Bildungsziel für viele Menschenkinder machen könnten? Nicht nur für die glücklichen Studierenden Deiner exquisiten Zeitgeistforschung?

    Mehr noch: Wie können wir möglichst vielen Menschen helfen, ein solches Bildungsziel nicht nur anzustreben sondern auch zu verwirklichen? So, wie es Dir bei Deinen Studierenden mit Deiner Dir eigenen „Entwicklungs-grosszügigkeit“ ja auch tatsächlich gelungen ist? Was wäre, wenn es uns gelänge, in Menschen mit ganz unterschiedlichen Naturellen, Neigungen und Fähigkeiten das Feuer des Spirit Maker zu entzünden? Könnten wir ihnen so vielleicht dazu verhelfen, dass ihr Berufsleben – und womöglich nicht nur dieses! – vom leise, aber kraftvoll singenden Summton einer Berufung durchdrungen wird? Ein vibrierender Ton, durch den Spirit Maker aller Couleur dem Ruf der Zeit Gehör und in der Welt Resonanz verschaffen?

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