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Lesedauer: 6 Minuten

Rückspiel: Spielerisch leben – allen Ernstes

 
Überblick über diese Blogserie
  1. Der Untergang naht – Zeit für freigespielte Hoffnung
  2. Rückspiel: Der Untergang naht – Zeit für freigespielte Hoffnung
  3. Selig sind die Sehnsüchtigen
  4. Rückspiel: Selig sind die Sehnsüchtigen
  5. Spielerisch leben – allen Ernstes
  6. Rückspiel: Spielerisch leben – allen Ernstes
  7. Die kreative Trinität – Heiliger Geist, Zeitgeist und ich
  8. Rückspiel: Die kreative Trinität – Heiliger Geist, Zeitgeist und ich

Einladung zum Spielen mit Welt, Zeit und Geist

Ich spiele für meine Leben gern! Ich liebe die Freude in meinem Herzen und die Euphorie in meinem Geist, wenn ich einem Menschen begegne, der mit mir in die hohe Dimension des Spielens einsteigt. Mein Herz wird weit, ja grenzenlos, mein Geist stolpert fast, so schnell will er voranschreiten und herausfinden, was es mit dem Spielgefährten an Möglichkeiten zu erkunden gibt.

Ich erkenne einen guten Spielgefährten an diesem »Was wäre wenn?«-Blick in den Augen.

Diesem Aufblitzen jenes wunderbaren Versprechens, sich ganz frei und gleichzeitig ganz verbunden zu fühlen. Dieser Einladung zur abenteuerlichen Selbstvergessenheit, welche Erstaunliches hervorbringen kann.

Große Dankbarkeit erfüllt mich bei dem Gedanken an jeden Spielgefährten meines frühen und späteren Lebens. In ihnen habe ich die Notwendigkeit erkannt, mich immer wieder neu zu verbinden mit dem Sog, »wie es sein kann«, und mich zu entbinden von dem Druck, »wie es sein müsste«.

Sie alle haben mit mir geschaut und gestaunt, gebaut, geformt, erschaffen und damit meinen Horizont erweitert, hin zu den zuvor ungeahnten Möglichkeiten des Lebendigseins.

Spiel mit mir! Verwandle Dich!

Dieser Text ist eine Einladung an Dich, liebe Leserin, lieber Leser, zum Spielen! Wir spielen das Spiel vom Aufblitzen der Möglichkeiten, dem Abenteuer, im freien Gedankenspiel Erstaunliches zu entdecken! Was ich Dir erzählen möchte, spielt mit diesem Sog, »wie es sein kann«, und entbindet, zumindest für einen Moment, von dem Druck, »wie es sein müsste«.

Die einzige Spielregel besteht darin, offen und unbefangen zu schauen und zu staunen; dem Impuls zu widerstehen, aus Gewohnheit zu schnell zu bewerten und zu verurteilen.

Stell Dir nun einmal vor, was wäre, wenn der ganze Sinn und das ganze Streben von Welt, Zeit und Geist nicht dem Positionieren und Bewahren von Wissen, Tradition und absoluten Wahrheiten diente, sondern einem ewigen, göttlichen, evolutionären Wandlungsprozess. Einem Prozess, der alles Bestehende und alles Gewisse immer wieder aufs Neue überarbeitet. Indem er die darin entstandenen Trennungen aufhebt und Gegensätze wieder vereint. Ganz im Sinne einer Wiederherstellung von göttlicher Ganzheit.

Stell Dir einmal vor, dass dieser göttliche Wandlungsprozess angetrieben wird vom Zeitgeist, dem Heiligen Geist und unserem menschlichen Schöpfergeist. Was wäre, wenn die drei Geister miteinander tief verbundene Spielgefährten sind, gesegnet mit der Freiheit, auf abenteuersame Weise unsere Welt immer wieder zur Ganzheit zu inspirieren?

Denn alle unsere Versuche, uns klammernd an Stabilität festzuhalten, Identitäten mit aller Macht zu schützen und für alle Ewigkeiten Absolutheiten zu definieren, sind nur temporär erkaufte Sicherheiten.

Der Preis, den wir dafür zahlen, ist, die Ganzheit der vollen Lebendigkeit ignoriert zu haben. Diese irdische Einseitigkeit wird immer wieder vom schöpferischen Spiel zwischen Welt, Zeit und Geist ausgeglichen, indem die fehlenden Komponenten wieder hinzufügt werden. So bleibt das Welt-, Zeit-, Geist-Gefüge im Fluss der Wandlung, der Verbindung, der Heilung.

Ermächtigungsmacht versus Positionsmacht

Die spielerische Freikraft von Zeitgeist und Heiligem Geist ist eine große Ermächtigungsmacht für uns Menschen, sind wir doch schöpferische Geschöpfe. Sie erlaubt uns, sich immer wieder über herrschende Positionsmacht zu erheben. Weg von dem, »wie es sein müsste«, hin zu dem, »wie es sein kann«.

Sie straft jedes System der absoluten Wahrheit Lügen, sie bringt nach oben, was nach unten gedrückt wurde, sie bringt Licht ins Dunkel und Hoffnung in angsterfüllte Herzen. Sie kommt einer sanften Sogwirkung gleich; einem leichten, liebevollen Anschubsen zum Ausprobieren; einem nicht-anders-Können, als es zu versuchen; einem Ermächtigtsein, Positionen von Abgrenzung, Ausgrenzung, Trennung neu zu verbinden.

Dieses schöpferische Wandlungsmysterium von Zeitgeist und göttlicher Weisheit des Heiligen Geistes, lebt meist unerkannt schon lange im Schatten einer institutionellen Positionsmacht. Ihr Interesse an Ermächtigung und Spielfreude hält sich traditionell eher in Grenzen. Wäre es nicht ein fantastischer Spielzug, wenn wir unsere Erkenntnisfähigkeit jetzt und hier dafür nutzen würden, endlich die kultivierte Trennung zwischen Zeitgeist und Heiligem Geist, von Himmel und Welt zu durchschauen und beide Sphären neu zu verbinden?

Wäre es nicht ein Grund zum Schauen und Staunen, wenn wir im Zeitgeist göttliche Absicht erkennen, und diese – in unserer Eigenschaft als Schöpfer – in die Welt bringen? Dann hätten wir im Wagnis dieses Gedankenspiels eine von uns schon lange abgetrennte spirituelle Dimension erkannt und uns neu mit ihr verbunden.

Raus aus dem Denkgefängnis!

Für das Erkennen dieses hauchzarten, feinstofflichen Sogs zur Ganzheit braucht es ein liebendes, verspieltes, sinnliches, sowie Sinn findendes Auge für Welt, Zeit, Geist und Mensch. Wie sonst lässt sich im wilden Prozess und Gewirr unsere Zeit wahrnehmen, was wieder zueinanderstrebt? Es braucht eine Großzügigkeit und Vorurteilsfreiheit im Geiste, die nicht sofort verzagt, wenn es scheint, dass die Welt sich mal wieder verrennt. Wie sonst lässt sich die Freude erfahren, im Verrennen eine Verdichtung zu erkennen, in deren Kern Getrenntes nach Verbindung ringt.

Im Spiel von Welt, Zeit und Geist gibt es kein Anspruchsdenken, wo und wie die Geister wehen und spielen können oder gar dürfen.

Jeder Versuch, Vorschriften oder gar Verbote dafür anzubringen, untergräbt den tieferen und umfassenderen Sinn des Spiels der göttlichen Ganzheit im Vollzug der Zeit.

Wer Zeuge für das transformierende Spiel der Geister sein will, findet das Wunder überall. In großen Visionen und kleinen Gedanken, in der Freude und der Sehnsucht, in Argumenten und Gegenargumenten, in den vermeintlichen Niederungen unserer Kultur, als auch in den Eingebungen der grössten Geister und Künstler. Das Spiel findet sich in Start Ups genauso wieder wie im Supermarkt Regal. Es spielt bei uns zu Hause und auf der Weltbühne. Es spielt immer hier, dort und jetzt, wo neue heilsame Verbindungen entstehen und eine ausgediente Trennung ihr Ende findet. Egal was gespielt wird, egal wie zeitlich oder trivial es uns erscheint, das Wunder der Verbindung ist immer eine Hommage an die göttliche Ganzheit.

Die Thealogie der Zeitgeistin

Schauen wir uns einmal um – mit dem liebenden Auge, dem weiten Herz und dem großzügigen Geist – und staunen wir darüber, was in letzter Zeit wieder zueinander strebt. Die Säkularisierung hat sich wieder mit der Spiritualität verbunden, Berufung und Beruf sehnen sich nacheinander, Familie und Beruf ringen um Verbindung, Geschlechtsidentitäten wollen keine harte Trennung mehr, Individualität und Gemeinschaft probieren sich in Ganzheit, und vieles mehr, was im Moment noch nicht sichtbar und im Werden ist.

Diese Wahrnehmungsfähigkeit, ja, für die göttliche Weisheit im Zeitgeist, erfahre ich als eine neue Verbindung zu einer in unserer Kultur lange ausgeblendeten, weiblichen Schöpferkraft. Lange war sie getrennt gehalten von einer quasi nur männlichen Macht der Kategorien und Messbarkeiten.

Hier ist das weibliche Wahrnehmen zum Wohle des Ganzen wieder am Werk. Sie spielt sich durch unser aller Erkennen – gleich ob als Frau oder als Mann – zurück in unsere Welt, unsere Zeit und unseren Geist.

Was wäre, wenn… es an der Zeit ist für eine »Thealogie der Zeitgeistin«? Was könnten wir in ihrem Geist nicht alles wieder schöpferisch miteinander verbinden, was in einer Theologie des Dogmas voneinander getrennt wurde? Ganz im Sinne einer wahrhaft göttlichen Ganzheit.

 

Photo by George Barker on Unsplash

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2 Kommentare zu „Rückspiel: Spielerisch leben – allen Ernstes“

  1. Spielt Gott weiblich – in und durch uns?

    Liebe Kirstine, lieber Andreas, darf ich Euch auf Euer jüngstes Hin- und Rückspiel ein Echo aus einem ganz anderen Teil der Welt zurufen? Aus dem antiken Indien? Von seinen „Rishis“ (Sehern) genannten Mystikern und Dichtern?

    Im Brahmasutra wird dem unmanifestierten, in sich ruhendem, reinen Sein vor, während und nach aller Schöpfung, einer All-Gegenwart reiner Potenzialität, eine innewohnende und mit ihr substanziell identische „Lila Shakti“, wörtlich „Spiel Kraft“ zuerkannt. Beide Worte sind wie ein Echo aus alten Zeiten auf Euren Wechselgesang zum Thema Spiel. „Shakti“ ist ein weibliches Wort und steht für das schöpferische Vermögen Gottes. Es ist die unendliche, dynamisierende göttliche Kraft, die alles wirkt und wandelt. „Lila“ bedeutet „Spiel“ (englisch: play), ganz im Sinne von Spontaneität, Spass, spielerischem Sport, unernst, um seiner selbst willen, gespielt mit Anmut und Leichtigkeit. Gleichzeitig bedeutet „Lila“ auch Schau-Spiel, Darstellung (englisch: display), Drama, sei es als Komödie oder Tragödie. Das ganze Universum einschliesslich unseres Planeten, die Menschheit und wir alle mit unseren je eigenen Dramen werden als göttliches Schauspiel, als göttliche Selbstdarstellung, als lustvolle Selbstinszenierung des Göttlichen, als Aktualisierung und Entfaltung des unendlichen göttlichen Potentials, als farbenfrohes, vielstimmiges in Erscheinung Treten des andernfalls farblos und still, eben unmanifestiert bleibenden Seinsgrundes gesehen. Unser aller Leben, im Kleinen wie im Grossen, ist göttliches Leben, in Szene gesetzt und orchestriert von Lila Shakti.

    Lila Shakti ist eine Ausformulierung der vibrierenden Matrix („Mutter“), die in allen Zeiten, in allen Kulturen, auch in der christlichen („Maria“, „Sophia“), als „Das ewig Weibliche“ (Goethe), als weibliche Göttlichkeit, repräsentiert in unendlich vielen Göttin-Gestalten, erfahren wurde. Als solche spricht sie die menschliche Seele in ihrer Tiefe archetypisch an, berührt sie und bringt sie ihrerseits zum Vibrieren. Genau das erlebe ich gerade in Eurem jüngsten Wechselspiel von Zeitgeist und Heiligem Geist. Dafür Euch beiden, einmal mehr: Mitvibrierenden Dank!
    Ja, wir sind in dem spannenden, spielerischen Prozess der Wiederentdeckung der Göttin in Gott – und damit ihrer Wiedererweckung in uns! Eine solche „Thealogie“ ist, wie Eure beiden Beiträge so wunderbar illustrieren, lebendige, empirische Gottesforschung, keine leblose, erfahrungsferne Gottesdogmatik, vielmehr hautnah und „spielerisch“ stattfindend im Laboratorium des eigenen Wachsens und wach Werdens. Was wäre, wenn mehr und mehr Menschen ihr eigenes Leben bewusst erlebend und geistig reflektierend als valide Gottesforschung im Hier und Jetzt begreifen würden? Könnte da sogar ein äusserer „Lock-Down“ für ein inneres „Open-Up“ hilfreich sein?

  2. Jürgen Friedrich

    Der Appell ‘SPIEL MIT MIR!’ findet seine finale+ultimative Erfüllung im ‘Spiel mit Worten’.
    Die Weihnachtsbotschaft der Engel an die Hirten bei Bethlehem begann mit “Fürchtet euch nicht !”
    Das Wortspiel geht über in :

    Es machte WEIHNACHTEN uns klar,
    was Sinn der Schöpfung ist und war :
    Glaube/Hoffnung/Liebe
    wird gekrönt durch Freude und Friede.

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