Less noise – more conversation.
Lesedauer: < 1 Minute

Wie kann ich wieder glauben? (Von der Dekonstruktion zur Rekonstruktion)

Nach einer Glaubenskrise oder Dekonstruktion können manche Menschen nicht mehr an Gott glauben. Andere verstehen sich zum Beispiel als «postevangelikal». Sie möchten gerne wieder glauben, aber nicht so wie vorher. Wie geht eine «Rekonstruktion»?

Es gibt dafür keine Schritt-für-Schritt-Anleitung. Aber einige Punkte gehören für viele dazu, beobachtet Evelyne:

Wie geht Rekonstruktion?

🕊 Ehrlichkeit – kein „fake it till you make it“.
🕊 Theologischen Knackpunkten nachgehen: Gibt es Ansätze, die z. B. das Problem mit der Hölle oder dem Leid der Welt auf eine Weise deuten, die ich nachvollziehen kann?
🕊 Sich von Menschen inspirieren lassen, die den Glauben auf eine Weise leben, die gesund, frei und echt wirkt.
🕊 Wieder mit Gott reden. Einfach und ehrlich.
🕊 Eine eigene Sprache für den Glauben finden, nicht einfach Floskeln übernehmen.
🕊 Verarbeiten und loslassen. Das dauert bei allen unterschiedlich lang.
🕊 Gespräche mit Vertrauenspersonen helfen. Je nachdem kann sogar seelsorgerische oder psychologische Unterstützung hilfreich sein.
🕊 Beim Blick auf das, was man als negativ erlebt hat: spezifische Kritik statt pauschales Lästern.

Zu Video Teil I: «Die ganz normale Glaubenskrise? (Dekonstruktion I)»

Video Teil II: «Einen Safe Space finden (Dekonstruktion II)»

What do you think of this post?
  • OMG! (0)
  • Karma-Boost (2)
  • Deep (12)
  • Boring (0)
  • Fake-News (1)

13 Kommentare zu „Wie kann ich wieder glauben? (Von der Dekonstruktion zur Rekonstruktion)“

  1. Roland Portmann

    Liebe Evelyne
    Ich mag deinen Ansatz vom De-und Rekonstruieren; es scheint mir aber, dass die Dekonstruktion nicht konsequent zu Ende gedacht ist; du entrümpelst aus meiner Sicht in erster Linie dein freikirchliches Erbe, was auch lobenswert und notwendig ist; ich kenne auch viele Menschen, denen die Dogmatik, wie sie in vielen Freikirchen vertreten wird, zu eng wird (siehe div. Mitarbeiter*Innen im reflab) und denen das entgegen kommt. Deshalb Danke für deine Gedanken!
    PS: Hier könnten wir ja mal wieder etwas Werbung für die Landeskirche machen, die dem ebenfalls entgegenkommt! (SMILE)
    Aber die Dekonstruktion wäre aus meiner Sicht dann konsequent, wenn alles hinterfragt und sogar zeitweise fallen würde, wie zum Beispiel auch die Existenz eines persönlichen und liebenden Gottes; den Schritt in das „Nichts“, in den Nihilismus muss man wagen…und nicht schnell den Fuss wieder zurück ziehen, wenn’s kalt wird und sich von „Gott“ gefunden fühlen…man reisst da dann das Haus nicht ein sondern übertüncht es nur mit neuer Farbe…
    In meinem Alltag de-und rekonstriert sich mein Glaube ständig und ich bin weit entfernt vom Glauben an die Präsenz von einem bloss liebenden persönlichen Gott…

    1. Danke, Roland Portmann, für diese wichtige Ergänzung!
      Meiner Beobachtung nach rekonstruieren die meisten Postevangelikalen ihren Glauben sehr ähnlich – finden sich, überspitzt gesagt, dann kollektiv bei Rob Bell und Richard Rohr wieder.
      Ich hatte so ein Erlebnis, bei dem ich dachte, jetzt sei ich „angekommen“ (in dieser Form von Spiritualität), bis mich ein Schicksalsschlag dazu veranlasst hat, auch das wieder zu hinterfragen.
      Vielleicht ist das ja so, wie Siegfried Zimmer das in einem seiner Vorträge einmal sinngemäß sagte, dass nach der Gottesbegegnung/Gottfindung dann erst einmal die 40 Jahre Wüstenwanderung kommen. Oder wie bei Maria, die Jesus, ihre Erwartungen an ihn und Vorstellungen von ihm mehrmals verlieren musste – bis hin zum Miterleben seines grausamen Sterbens am Kreuz.

      1. Roland Portmann

        Danke Katharina
        Eben: Viele Postevangelikale bleiben dann eben „soft-evangelikal“; Die Bibel bleibt dann immer noch in weiten Teilen unhinterfragbar (Beispiel Paulus: eigentlich nur ein christlicher Missionar und Theologe, dem man und vor allem Frau! auch widersprechen darf!); ins Yoga traut man sich dann auch noch nicht, wegen möglicher Dämonen und die Evolutionslehre geht immer noch nicht…
        Auch in der liberalen Landeskirche zu sein hilft da nur bedingt… ich sehe es ja selber: ich bin und bleibe emotional wohl katholisch…

        1. Evelyne Baumberger

          Lieber Roland, liebe Katharina, danke für eure Gedanken! Katharina, das hat schon was mit Richard Rohr und Rob Bell 🙂 Man muss ja das Rad nicht neu erfinden, sondern sucht in erster Linie in dieser Situation einen Glauben, der einfach freier ist als vorher.
          Aber ich beobachte schon bei vielen, dass es weiter wird als was du schreibst, Roland. Sorry, dass ich dir auch hier widerspreche 🙂 Ich mache mehrmals wöchentlich Yoga, arbeite historisch-kritisch mit der Bibel und überlasse die Erforschung des Anfangs des Universums gerne der Wissenschaft. Gestern fragte mich ein charismatischer Christ auf Insta, ob ich Kranke heile, Dämonen austreibe und an die Entrückung glaube. M. E. taugt weder das eine noch das andere Fragen-Set als „identity marker“, sondern vielmehr Fragen wie: Trenne ich Glaube und Alltag, oder trägt mich mein Glaube durchs Leben? Glaube ich, Menschen zum Christentum bekehren zu müssen, damit sie nicht in der Hölle landen? …

          1. Ja, klar haben die beiden Theologen was!! Auf jeden Fall einiges Hilfreiches für Evangelikale mit engem Glauben.
            Mir schien nur irgendwann, dass man sich in der postevangelikalen Welt nun auch auf ein bestimmtes Gottesverständnis geeinigt hat und auch manche Diskussionen sehr harsch und ausgrenzend geführt werden.

          2. Roland Portmann

            Liebe Evelyne
            Da bin ich voll bei dir und hab ja auch nicht Dich gemeint, weil ich das ja auch alles von dir weiss! Aber ich kenne ja auch noch andere Leute, die sich wohl am ehesten postevangelikal nennen würden, die diesen Schritt eben nicht machen können, warum auch immer… anyway: tolle Diskussion

        2. Lieber Roland,
          also solche Postevangelikale habe ich dann doch noch nicht erlebt 🙂
          Die machen alle irgendwie Yoga oder meditieren und die Begriffe „unhinterfragbar“ und „Bibel“ passen für sie absolut nicht zusammen…

    2. Evelyne Baumberger

      Lieber Roland, danke für deinen Kommentar! Ich bin in vielem einverstanden. Ich glaube aber, viele erleben tatsächlich eine Dekonstruktion. Bei mir warens 4-5 Jahre, in denen ich gar nicht glaubte und keine religiöse Praxis hatte. Als junge Frau ist das eine lange Zeit 🙂 Logisch begann ich danach nur „gefühlt“ bei 0 und nahm vieles wieder auf von vorher. Aber es war definitiv kein blosses Übertünchen.

  2. Bei dem ganzen Thema der Dekonstruktion erscheint der Glaube der anderen, die nicht durch eine solche Phase gegangen sind, als ein unangefochtener Spaziergang. Das ist keineswegs der Fall. „Glauben ist Bestandgewinnung in einer grausamen Welt“. Ein permanentes tamen-dennoch (Zitat aus G.Rohrmoser „Höher als alle Vernunft“ nach Marting Luther). Ich ergänze: Ein sich nicht mit dem augenscheinlichen Zustand der Welt als letztgültig abzufinden. Als eine Grundsatzhaltung.

    1. Evelyne Baumberger

      Danke für den Kommentar. Das wollte ich nicht unterstellen. Ein schöner Satz am Schluss – total wichtig. Ich denke, Glaube darf nie nur selbstreflexiv sein, sondern muss sich immer wieder hauptsächlich dem Leben (dem eigenen und dem der anderen) zuwenden.

  3. Liebe Freundinnen und Freunde,

    ich habe eine Weile überlegt….. und möchte nun ergänzend unbedingt auf bisher drei sensationelle bewußtseinserweiternde Transaktionen hinweisen für wenigstens Eine:n, der:die noch nichts davon kennt.

    https://www.youtube.com/watch?v=ApOA8fcxQ7c

    https://www.youtube.com/watch?v=mv5M3pmc_Tg&t=23s

    https://www.youtube.com/watch?v=ApOA8fcxQ7c

    Macht hoch die Tür`‘, die Tor‘ macht weit und bringt es allen Zerknirschten.

    Merci vilmal den Aktivist:innen.

  4. Schöner Dialog hier. Ich glaube an euch. Ich traue euch zu, dass ihr aus dem euch Vorliegenden das Beste macht, was ihr könnt. Und ich mute euch zu, dass es noch besser kommt.

  5. Giorgio Girardet

    Meinen Glauben musste ich nie vollends dekonstruieren. Mir half – nebst der Erkenntnis, das mein Studium der Geschichte, nur als theologische Hülfswissenschaft Sinn macht – Calvins Erkenntnis, dass unser menschliches Gehirn eine Götzenfabrik ist. Im Fleisch verfallen wir stets irdischen Götzen (Fitnesswahn, dem Motorrad, dem Haustier, dem Geld, dem Fitnesstracker, einem Idol oder Guru), die Absurdität des Kreuzes schultern und die Nachfolge Christi als 0-Punkt des eigenen Koordinatensystems zu wählen, setzt einen symbolisch mächtigen Herrn uns ins Herz, der uns gegen alle Götzen immunisieren soll, er macht uns frei, der logischen Wissenschaft zu folgen, ins Yoga zu gehen und die Evolutionslehre als „neuesten Stand des Irrtums“ stehen zu lassen und weiterhin die Bibel vertrauensvoll kritisch zu befragen. Wir kommen so in Kommunion und Kommunikation mit allen „Homini bonae voluntatis“ aller Religionen der Vergangenheit und der Zukunft bis ans Ender der Tage: Froue und Manne und wes Geschlechts*:* auch immer. Aber wir gewinnen auch einen kritischen Standpunkt wieder alle zeitgeistig hypostasierte Ideologie: Verschwörungstheorien, Genderismus, Wokeness, Vulgärrationalismus, banaler Atheismus, bornierte Scheinaufklärung, brachiales Menschrechtsdenken und dem von dessen rabiaten Anhängern wider alle Religion verbreiteten säkularen Vernunftlärm. Hier schon einmal öffentlich dargelegt: https://www.zeit.de/2012/52/Glaube-Religion-Schweiz

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.