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Tipps gegen Hoffnungslosigkeit, Zynismus und Anschiss

Hab ich schon erwähnt, dass dieses Unterfangen gar nicht so einfach ist? Simpel, aber nicht einfach? Lass es mich an der Stelle nach- oder wiederholen: Isch imfa nöd so eifach. Gerade der Anfang einer solchen Reise in die Dating-Welt ist ziemlich überwältigend. Gefühle wie Ohnmacht, Hoffnungslosigkeit und Frustration verursachen Chaos und Verwirrung.

Um nicht abzurutschen in Zynismus oder Verschlossenheit, will das Gefühlschaos sorgfältig aufgefangen und gesehen werden. Nicht gefrönt, nein das bestimmt nicht, aber gesehen.

Wie oft habe ich von anderen auf den Dating-Apps gehört: «Ich möchte so schnell wie möglich hier weg» oder «dating sucks». Beides Ausdruck der erwähnten Gefühle. So muss es nicht sein und Frust nicht im stillen Kämmerlein allein erduldet werden.

Meine vier hilfreichsten Entdeckungen teile ich zum Abschluss der Dating-Blogserie gerne mit euch allen:

1. Austausch mit Freund:innen und Expert:innen.

Ehrlich erzählen, was gerade ist und zu meinen Unzulänglichkeiten stehen. Mit einer Freundin zusammen etwa kam die Idee auf, dass wir gerne mit einem Fragebogen von verflossenen Datingpartner gerne Feedback erhalten würden. Nicht weil wir das Gefühl hätten, wir müssten uns verbessern, damit wir besser ankommen oder so. Doch ein offener und ehrlicher Umgang entkrampft einfach alles – niemand verliert irgendetwas, es wird bloss klarer, wo im Gewirr eine nicht so optimale Abzweigung genommen wurde.

Es ist etwas irritierend, durfte ich beobachten, wenn jemand nicht wütend wird über das Ende einer solchen losen Beziehung.

«Bist du nicht hässig?», fragte mich jemand, als er mir offenlegte, er sei nicht mehr interessiert an mir. Nö, weshalb auch?

Es ist keine persönliche Angelegenheit im Sinn von, «ich bin nicht gut genug» oder so etwas. Sondern ein Ende bedeutet lediglich, das sich etwas verändert, nicht mehr und nicht weniger. (Bisher haben wir die Feedbackformular Idee jedoch nicht umgesetzt, vielleicht kommt das noch.).

Eine andere Freundin war zeitgleich ebenfalls auf verschiedenen Apps unterwegs und wir konnten uns gegenseitig auffangen, wenn sich mal wieder ein Stück Verletzung zeigte. Es ist so wertvoll, sich ungeschönt und schamlos mitteilen zu können, ohne dass dabei ein grosses Drama um den Fakt von zum Beispiel Ghosting gemacht wird.

Ich weiss noch, wie sie mich weinend angerufen hat, weil ein Typ sie ent-matched hat. Natürlich ging es dabei nicht um den Typ, sondern um was ganz anderes. Ich habe ihr zugehört, sie gebäbelet und dann wars wieder gut. Oder umgekehrt, ich rief sie an, entnervt weil der Typ die Frechheit hatte, sich ein paar Tage nicht zu melden. Sie hörte zu, schätzelete mich – dann lachten wir über uns selber und gingen zu etwas anderem über. So simpel und undramatisch. So gut.

2. Freund:innen das Dating-Profil zeigen

Einer meiner Freunde etwa zerpflückte mein Profil gründlich, was zwar unangenehm, aber letztlich hilfreich war. Er wies mich darauf hin, wie wenig ich wirklich von mir preisgebe. Kein Wunder ziehe ich ebensolche Kandidaten an.

Stell anderen die Fragen: Wie werde ich gesehen? Was zeige ich? Was nicht? Und wenn möglich, hab keine Angst vor ehrlichem Feedback!

3. Eigene Verhaltensmuster durchschauen

Die Sexualtherapeutin Maggie Tapert ist eine wunderbare Gesprächspartnerin, um ungefiltert und schamlos über Dating und Sexualität zu sprechen. Gerne weist sie darauf hin, wie wenig Frauen bereit sind, in diesem Bereich dominant und bestimmt aufzutreten. «Damsel in distress» oder «Fräulein in Not» ist immer noch das vorherrschende Muster in Beziehungen, vor allem in heterosexuellen, aber auch in allen anderen. (Darüber haben wir auch schon in einem Podcast gesprochen.)

Bei Maggie besuchte ich einige Workshops und Einzelsitzungen, die mir halfen, Klarheit auch in diesem Lebensbereich zu bringen. Was «man» macht oder nicht, all diese übertragenen Verhaltensmuster, die sind wenig interessant, weil sehr unfrei. Viel spannender sind doch echte Begegnungen, ohne dass die Gleise schon gelegt wären, sozusagen. Das wirkt in erster Linie sehr befreiend, darum möchte ich allen Mut machen, weniger Angst zu haben vor Feedback oder davon was ein Gegenüber von einem hält.

Was kann mir schon geschehen, wenn mich jemand, den ich wahrscheinlich nie wieder sehen werde, doof findet? Was kann mir schon geschehen, wenn ich eine Spur frecher und freier in dieser Welt unterwegs bin? Nüüt! Rein gar nichts.

4. Ballast abwerfen

Natürlich war und ist auch hier Kiran Trace, meine Mentorin in allen Belangen, eine Quelle für Weisheit. Aus unserem Experiment sind zwei wundervolle Blogbeiträge entstanden, einer über Online-Dating Verhaltenstipps und einer über Dating in dieser Welt generell.

Es liegt unglaubliches Potential in der ständigen Auseinandersetzung mit dem eigenen Ballast, unbewussten Verhaltensweisen. Ohne dass dabei freud- und lustvolles Spielen keinen Platz hätte, en contraire!

Je unbelasteter sich zwei Menschen begegnen können, desto freudvoller wird es.

Wie weiter?

Wie meine Reise mit diesem Thema weitergeht? Keine Ahnung! Mein Aufbruch ans andere Ende der Schweiz wird sicher vieles verändern. Ob mich meine verbindlich-unverbindlichen Gefährten auf die eine oder andere Art begleiten werden, weiss ich nicht.

Diese Frage hat auch nicht oberste Priorität, um ehrlich zu sein. Zuoberst steht da eine grosse Freude über die Veränderung (und auch Pragmatisches, leicht Stressiges, wie etwa: «Wo kann der Umzugstransporter parkieren in einem Dorf, dessen Strassen zu eng sind für Autos?»). Dieser Umzug geschieht mit einer grossen Neugier; Neugier auf dieses neue Leben, auf die Begegnungen mit neuen Nachbar:innen und Dorfbewohner:innen, auf die Ruhe dort, auf die reduzierte Ablenkung und darauf, wie sich meine Arbeit dadurch verändern wird.

Ich habe das Gefühl, meine Arbeit kann nur profitieren davon – eine Stadt ist ein wunderbarer Ort, sich jederzeit mit irgendwas oder irgendwem vom Eigentlichen abzulenken. Zum Beispiel mit Dating-Apps;) Es fühlt sich an, als hätte ich nun genug damit gespielt und kann weitergehen. Weitergehen ins Unbekannte, wo niemand weiss, was als nächstes kommt. Komischerweise beunruhigt mich das für einmal nicht*.

*«Mal abgesehen vom Parkplatz-Problem», wendet der Kopf ein.

 

Photo by Uby Yanes on Unsplash

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1 Kommentar zu „Tipps gegen Hoffnungslosigkeit, Zynismus und Anschiss“

  1. Möglicherweise war „Tina“ nur ein Pseudonym, hinter dem sich Maggie Tapert oder Kirian Trace verbarg (oder beide?). Tapert wollte meine Bereitschaft testen, mich zum Preis von rund 3000 € ungefiltert und schamlos und für sie unverbindlich an eine Expertin in Fragen Dating und Sexualität zu verkaufen. Bis sie dann irgendwann richtig böse wurde, weil ich sie mit Gott, mit Jesus und mit meinem Glauben ‚anbaggerte‘ („Ich will keinen Prediger!“). Trace muss es gewesen sein, die, weil sie „es spontan und unkompliziert“ mochte, mir in gefühlt 1001 Nächten, in denen ich sie 1001 mal nicht berührte und also auch 1001 mal nix passierte, etwas von dem „unglaublichen Potential“ vermittelte, dass in der „ständigen Auseinandersetzung mit dem eigenen Ballast“, mit „unbewussten Verhaltensweisen“ liegt. Was für ein unglaubliches Potential! Selbsteinweisung in die Psychiatrie. Psychopillenschlucken. Aufblähen des Körpers auf 120 Kilo. Das Begehren, sich des Ballasts durch Sprung von einem 91 Meter hohen Denkmal zu entledigen. Mein lieber Herr Gesangsverein! Aber das hatten wir doch schon alles, oder? Was ist denn das wahrhaft Neue am Neuen Leben, das Jesus zusagt?

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