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Ist die Liebe zwischen Frau und Mann am Ende?

Wir fragen, wo die Verantwortung für diese Beziehungskrise liegt – und welche Rolle das Christentum dabei spielt. Ist es mit seinen Geschlechterbildern und seiner Sexualmoral Teil des Problems? Oder verfügt es mit Vorstellungen wie Gleichheit und einem unverdienten Vertrauensvorschuss auch über Ressourcen, die Beziehungen verändern können? Dabei nehmen wir besonders Kirchen und Theologien in die Pflicht: Wo haben sie Ungleichheit legitimiert, Verletzungen religiös überhöht und Frauen zum Aushalten ermahnt? Und was müssten sie heute anders erzählen?

 

Triggerwarnung: In dieser Folge sprechen wir über sexualisierte Gewalt, Missbrauch, Vergewaltigung und Suizid. Bitte entscheidet selbst, ob ihr die Folge gerade hören möchtet.

Weiterführend: Die erwähnten Blogbeiträge zum «Heterofatalismus» sind parallel bei RefLab und im Blog der EKS (Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz) erschienen:

Thematisch schliessen auch folgende RefLab-Beiträge an der Folge an:

  • «Sex in der Ehe ist Pflicht» – Christian Walti, 3. März 2026. Angie und Christian Walti setzen sich mit religiösen Vorstellungen auseinander, die Sexualität innerhalb der Ehe als Pflicht verstehen. Dabei geht es um Intimität, Lust, biblische Deutungen und patriarchale Strukturen – also auch um die Frage, wie christliche Sexualmoral Beziehungen prägen kann.
  • «Die Krise der Männlichkeit» – Noe Ziegler, 23. April 2026. Der Beitrag untersucht die Orientierungskrise junger Männer, die Manosphere sowie antifeministische und traditionelle Männlichkeitsbilder. Er ergänzt die Heterofatalismus-Debatte um die Frage, welche Männerbilder heute entstehen und warum sie für Beziehungen und Geschlechterverhältnisse relevant sind.
  • «Schluss mit Mythen zu sexualisierter Gewalt!» – Fabienne Iff, 15. August 2024. Ausgehend von Agota Lavoyers Buch «Jede_ Frau» beschreibt der Beitrag sexualisierte Gewalt als strukturelles Phänomen und kritisiert die Vorstellung vom tragischen Einzelfall. Er zeigt, wie patriarchale Muster Gewalt ermöglichen und normalisieren.

3 Kommentare zu „Ist die Liebe zwischen Frau und Mann am Ende?“

  1. Eure Folge hat bei mir einiges angestossen. Vielleicht ist nicht die Liebe zwischen Frau und Mann am Ende – vielleicht ist vielmehr unser traditionelles Modell der Ehe langsam ausgeglaubt und darf es auch sein.

    Ich frage mich, wie viel von dem, was wir heute als «christliche Ehe» verstehen, tatsächlich christlich ist. Historisch stecken darin sehr viel wirtschaftliche, gesellschaftliche und emotionale Abhängigkeit der Frau vom Mann. Carel van Schaik und Kai Michel haben mich mit ihren Überlegungen dazu sehr beschäftigt: Mit Sesshaftwerdung, Landwirtschaft, Besitz und Vererbung veränderte sich auch das Zusammenleben der Geschlechter grundlegend.

    Mein Eindruck: Die Kirche hat dieses Modell nicht erfunden, sondern sich über bereits bestehende gesellschaftliche Strukturen gelegt, sie religiös gedeutet und damit teilweise auch legitimiert.

    Vielleicht ist deshalb gar nicht Bindung ausgeglaubt. Liebe, Treue, Verantwortung, Verbindlichkeit und die freiwillige Entscheidung füreinander haben für mich nicht ausgedient. Vielleicht ist lediglich eine bestimmte institutionalisierte Form dieser Bindung ausgeglaubt.

    Und dann wäre für mich die spannende theologische Frage: Was bleibt übrig, wenn wir diese historisch gewachsene Hülle abstreifen? Vielleicht zwei gleichwertige Menschen, die sich in Freiheit füreinander entscheiden.

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  2. Lieber Manuel Schmid
    Ich würde mich sehr über eine Serie zu Heterofatalismus freuen. Vielleicht zusammen mit Thorsten Dietz. Mir war dieser Begriff nicht bekannt, aber ich war sofort sehr interessiert mehr zu erfahren. In meinem Umfeld begegnet mir ein anderer Aspekt von Heterofatalismus: die Frustration, dass zu viele Männer der Generation X sich immer noch so verhalten, als hätten wir das Jahr 1980 statt 2026. Z.B. dem neuen Arbeitskollegen konsequent vermitteln zu müssen, dass ich nicht seine Assistentin spiele obwohl ich ein hilfsbereiter Mensch bin. Mir geht einfach die Geduld aus (bin selber Generation X). Ich befinde mich in guter Gesellschaft: es geht vielen Freundinnen und Bekannten so. Und in unserem Alter fällt mir eine weitere erschreckend verbreitete Zumutung auf: die (Ehe)männer kümmern sich nicht, wenn ihre Frauen krank sind. Es scheint ihnen schlicht nicht einzufallen in regelmässigen Abständen nachzufragen oder nachzuschauen wie es ihren kranken Partnerinnen geht und ob sie etwas brauchen. Ich muss leider davon ausgehen, dass sehr viele Frauen unterversorgt sind, weil im Gesundheitswesen davon ausgegangen wird, dass sich Lebenspartner umeinander kümmern. Dazu kommt noch die Scham, dass es in der eigenen Partnerschaft eben nicht so ist. Man will ja nicht jedem auf die Nase binden wie dysfunktional die Beziehung in diesem Punkt ist. Für viele Frauen in meinem Umfeld ist klar: eine weitere Liebesbeziehung käme nicht infrage. Eher eine Frauen-WG. Ein passenderes Wort als Heterofatalismus fällt mir in diesem Zusammenhang nicht ein. Danke, Manuel Schmid, für die sorgfältigen Formulierungen und dass Sie sich diesem doch unangenehmen Thema widmen. Suchen Sie sich bitte eine*n Gesprächspartner*in, der sich ebenso interessiert und nicht gut 10 Min. Zeit schindet und sich auch sonst hörbar windet. Es macht vieles gut, wenn Männer sensibel und empathisch über dieses Thema sprechen.
    Ich habe lange gezögert bis ich geschrieben habe. Bitte veröffentlichen Sie meinen Beitrag nur unter meinem Kürzel Vero. Falls Sie meinen vollen Namen verwenden wollen, verzichte ich auf die Veröffentlichung – genau: wegen der Scham.

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