Dieser Artikel ist der zweite Teil einer Reihe zum Thema Heterofatalismus, die sowohl auf dem EKS-Blog wie auch hier bei Reflab erscheint. Heterofatalismus bezeichnet die Auffassung, dass heterosexuelle Beziehungen für Frauen nachteilig bis sogar lebensgefährlich sind, und die daraus entstandene Bewegung, dass manche Frauen solche Beziehungen nicht mehr suchen.
Warum weibliches Misstrauen keine Übertreibung ist
Ich traue meinem Mann nicht zu, was Dominique Pelicot nachgewiesen wurde – oder was Christian Ulmen im Fall Fernandes und Patrick Frei von Iwona L. und Paula L. vorgeworfen wird. Natürlich nicht. Aber Iwona L., Gisèle Pelicot und Collien Fernandes haben ihren Partnern und Paula L. dem Lebenspartner ihrer Mutter vermutlich auch vertraut.
Genau in dieser Diskrepanz lebe ich als Frau in einer heterosexuellen Ehe: zwischen konkreter Liebe und gesellschaftlichem Wissen.
Ich vertraue einem einzelnen Mann und weiss gleichzeitig, dass weibliches Vertrauen in Männer nie ganz unschuldig ist.
Manuel Schmid plädiert in seinem Blog «Liebe in Trümmern» dafür, die Liebe nicht den Tätern zu überlassen. Ich verstehe diesen Impuls. Ich teile ihn sogar.
Sein Text leistet daneben wichtige Arbeit zu Recht, Sensibilisierung und der Theologiegeschichte der Ehe – hier greife ich bewusst nur einen Faden heraus: die Frage, wem eigentlich das Vertrauen und die Hoffnung aufgebürdet werden.
Aber Hoffnung darf nicht zur Pflicht für Frauen werden. Wer die Liebe retten will, muss deshalb zuerst fragen, warum weibliches Vertrauen so teuer geworden ist und wer es wieder verdienen muss.
Wenn der Nahbereich gefährlich wird
Im Echo auf Manuels Abschnitt mit dem gleichen Titel, will ich gerne noch auf ein paar Zahlen eingehen.
In den vergangenen Jahren gab es unzählige Berichte über Gewalt gegen Frauen. Die WHO geht davon aus, dass rund jede dritte Frau körperliche und / oder sexualisierte Gewalt durch einen Intimpartner oder sexualisierte Gewalt durch einen Nicht-Partner erlebt. Im Jahr 2025 bezifferte die WHO das auf rund 840 Millionen Frauen weltweit, die im Laufe ihres Lebens Partnergewalt oder sexualisierte Gewalt erlebt haben.
Auch in der Schweiz ist der Nahbereich der gefährlichste Ort: Alle zwei Wochen wird hier eine Frau von ihrem Ehemann, Lebenspartner, Ex-Partner, Bruder oder Sohn getötet, jede Woche überlebt eine weitere einen versuchten Femizid. 2025 fanden deshalb fast 2800 Frauen und Kinder Schutz in Schweizer und liechtensteinischen Frauenhäusern – bei einer Auslastung von 81 Prozent und einem Angebot, das die Empfehlung des Europarats von einem Platz pro 10’000 Einwohnerinnen bei weitem nicht erfüllt (aktuell 0,26).
Das Erschütternde daran ist nicht nur die Gewalt selbst. Es ist ihre Nähe. Die Gefahr kommt nicht primär aus dunklen Gassen, sondern aus Schlafzimmern, Familienchats, gemeinsamen Wohnungen, geteilten Passwörtern, Ehen und Beziehungen.
Genau dort, wo Vertrauen wohnen sollte, kann es gegen Frauen verwendet werden.
Das Misstrauen vieler Frauen ist nicht überempfindlich. Es ist eine Überlebensstrategie, die aus einer gewaltförmigen Wirklichkeit entstanden ist.
Wenn der Bär plausibel wird
Im Internet, vor allem auf Instagram und TikTok, kursierte im Jahr 2024 die Frage an Frauen, ob sie im Wald lieber einem fremden Mann oder einem Bären begegnen würden. Viele wählten den Bären. Eine YouGov-Umfrage in Grossbritannien fand im Mai 2024 heraus, dass von den befragten Frauen zwischen 18 und 29 Jahren 53 % den Bären und nur 31 % den unbekannten Mann wählten.
Die Bär-Frage sagt nicht: Jeder Mann ist gefährlicher als ein wildes Tier. Sie sagt:
Viele Frauen haben gelernt, dass sie den Preis einer falschen Einschätzung männlicher Harmlosigkeit selbst bezahlen.
Auch Bewegungen wie 4B lassen sich so verstehen. Die südkoreanische Bewegung steht für vier Verweigerungen: keine Ehe, keine Geburt, kein Dating und kein Sex mit Männern.
Die Journalistin Nele Sophie Karsten hat für diese Erschöpfung kürzlich den Begriff «Heterofatalismus» geprägt – sichtbar auch in Hashtags wie #boysober oder #manrepellentoutfits. Man muss diese Antwort nicht teilen, um sie ernst zu nehmen. Sie ist eine radikale Reaktion auf dasselbe Problem: Was, wenn die vertrauten Formen von Liebe, Sex, Ehe und Familie für Frauen nicht nur Schutz bedeuten, sondern auch Risiko?
Die Ehe hebt diese Angst nicht einfach auf
Als verheiratete Frau ist dieses Wissen besonders schwer auszuhalten. Denn Ehe lebt von Vertrauen. Ich kann nicht jeden Tag neben meinem Mann sitzen und ihn zugleich unter Generalverdacht stellen. Ich will das auch nicht. Eine Beziehung braucht die Möglichkeit, einander zu glauben.
Aber mein persönliches Vertrauen löscht das gesellschaftliche Wissen nicht aus. Ich kann meinem Mann vertrauen und trotzdem wissen, dass andere Frauen ihren Männern auch vertraut haben. Ich kann eine gute Ehe führen und trotzdem sehen, dass Ehe für Frauen nicht automatisch Schutzraum ist.
Ich kann lieben und trotzdem wütend sein darüber, dass Frauen immer wieder lernen müssen, vorsichtig zu bleiben.
Genau dieses Spannungsfeld ist die Zumutung: Frauen sollen lieben, vertrauen, offenbleiben, nicht verbittern, nicht pauschalisieren, nicht unfair sein. Gleichzeitig sollen sie wachsam sein, Risiken erkennen, Grenzen schützen, Warnzeichen lesen und sich im Zweifel rechtzeitig entziehen. Das ist eine unmögliche Doppelanforderung.
«Nicht alle Männer» verschiebt den Diskurs
Der Aufschrei lässt jeweils nicht lange auf sich warten. Unter dem Hashtag #notallmen versuchen – meist Männer – darauf aufmerksam zu machen, dass nicht alle so sind. Dem stimme ich zu. Auch Manuel hält in seinem Text fest, dass der Satz «alle Männer» kein blanker Unsinn ist – darin sind wir uns einig.
Aber woher sollen Frauen wissen, welche Männer harmlos sind? Gerade der Schrei nach «nicht alle Männer» lässt vermuten, dass das eigentliche Problem nicht erkannt wurde, sondern der Diskurs verschoben wird auf ein Nebengleis.
Für Frauen ist diese Unterscheidung keine theoretische Fairnessfrage, sondern eine Sicherheitsfrage.
Auch Dieter Nuhr hat sich vor kurzem sehr prominent über die Femizide lustig gemacht. Nach seinem Auftritt gingen beim RBB rund 325 Beschwerden ein. Er gab den Frauen den Tipp mit, die Person, mit der sie schlafen doch erst mal kennen zu lernen. Klassischer Fall von: das Problem nicht verstanden.
Erstens ist es Täter-Opfer-Umkehr, wenn die Frau verantwortlich gemacht wird für die Tat eines Mannes. Es ist auch nur eine andere Art zu fragen: «Was hattest du denn an?» und zweitens wird mit dieser Aussage verkannt, dass die meisten Täter aus dem intimsten Umfeld der Frauen kommen. Also nicht der Fremde auf dem Nachhauseweg oder der One-Night-Stand aus dem Club ist statistisch gesehen die grösste Gefahr für eine Frau – sondern ihr Partner / Vater / Stiefvater. Einer aus dem direkten Umfeld also.
Nicht mein Vertrauensproblem
Wie sehr sich Gefahr und Fremdheit gegenseitig ausschliessen, zeigt ein Fall, der im Sommer 2026 in der Schweiz Schlagzeilen machte: Der frühere Aargauer SVP-Grossrat Patrick Frei wetterte im Aargauer Parlament gegen ausländische Täter und unterzeichnete kurz vor seiner Verhaftung noch einen Vorstoss für härteres Vorgehen gegen Pädosexuelle. Laut Anklage soll er zur gleichen Zeit die 14-jährige Tochter seiner Partnerin über Monate mit K.-o.-Tropfen betäubt und mehr als 40-mal missbraucht haben.
Als der Fall aufflog, kürzten die Behörden nicht ihm, sondern Mutter und Tochter die Sozialhilfe und drohten ihnen mit Abschiebung, ihre Erfahrung sexueller Gewalt begründe keinen «schwerwiegenden persönlichen Härtefall».
Nicht der Fremde war die Gefahr. Und als sie es aussprachen, war es wieder an ihnen, dafür zu bezahlen.
Deshalb liegt die Lösung nicht darin, dass Frauen sich mehr Mühe geben, wieder zu vertrauen. Das Vertrauensproblem ist nicht von Frauen geschaffen worden. Also kann es auch nicht ihre Aufgabe sein, es allein zu lösen.
Männer sind hier nicht Zuschauer, Kommentatoren oder potenziell Missverstandene. Sie sind in der Pflicht. Nicht erst dann, wenn sie selbst Gewalt ausüben, sondern dort, wo sie Gewalt ermöglichen, verharmlosen, überhören oder aus Bequemlichkeit nicht widersprechen. Wer sexistische Witze stehen lässt, wer übergriffiges Verhalten relativiert, wer Täter schützt (zum Beispiel durch Schweigen), weil sie Freunde, Kollegen, Brüder oder Parteifreunde sind, macht sich zum Teil des Problems.
Es reicht nicht, kein Täter zu sein. Männer müssen aktiv dafür sorgen, dass Täter weniger Schutzräume haben: in Chatgruppen, Garderoben, Vereinen, Kirchen, Parteien, Büros, Familien und Freundeskreisen. Sie müssen einander widersprechen, bevor Frauen verletzt werden. Sie müssen Grenzen benennen, bevor Gerichte zuständig werden. Und sie müssen die emotionale, soziale und politische Arbeit übernehmen, die sie zu lange an Frauen delegiert haben.
Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass Männer gekränkt erklären, sie seien doch anders. Vertrauen entsteht, wenn Männer zeigen, dass sie bereit sind, Kosten zu tragen: Freundschaften zu riskieren, Macht zu teilen, Privilegien aufzugeben, unangenehme Gespräche zu führen und Betroffenen zu glauben. Solange Frauen die Hauptlast der Vorsicht tragen, sind Männer ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden.
Nicht Frauen schulden Männern Vertrauen. Männer schulden Frauen eine Welt, in der Vertrauen wieder vernünftig sein kann.
Der männliche Ehebonus
Wer nun einwendet, Ehe und feste heterosexuelle Beziehungen seien doch nachweislich gesund und stabilisierend, hat nicht ganz Unrecht. Aber auch hier lohnt sich der zweite Blick.
Viele Statistiken zeigen, dass Verheiratete im Durchschnitt gesünder sind und länger leben. Dieser Befund ist aber ungleich auf die Geschlechter verteilt. Der sogenannte Ehebonus ist häufig ein Männerbonus. Auch jenseits von Emilia Roigs institutioneller Kritik an der Ehe, wie Manuel sie in seinem Text aufgreift, zeigt sich dieses Ungleichgewicht sehr konkret in den Gesundheitsdaten.
Der Verhaltensökonom Paul Dolan bringt es in «Happy Ever After» auf den Punkt: Männer leben länger, wenn sie heiraten – Frauen leben länger, wenn sie es nicht tun. Für Männer wirkt die Ehe statistisch oft schon als soziale Infrastruktur. Sie leben länger und sind gesünder. Für Frauen entscheidet viel stärker, ob diese Ehe tatsächlich gut, sicher, gerecht und entlastend ist.
Wenn Ehe Männer gesünder macht, muss man fragen: Wer produziert diese Gesundheit? Wer erinnert an Vorsorgeuntersuchungen, hält soziale Beziehungen am Leben, organisiert Ernährung, Pflege, Geburtstage, Kinder, Konfliktarbeit und emotionale Stabilität?
Der männliche Ehebonus fällt nicht vom Himmel. Er wird oft von Frauen erarbeitet.
Auch deshalb ist die Frage nicht, ob Ehe gut oder schlecht ist. Die Frage ist: Für wen ist sie gut, unter welchen Bedingungen, mit welcher Machtverteilung — und wer bezahlt den Preis dafür?
Liebe ohne Vertrauensvorschuss
Ich will die Liebe nicht den Tätern überlassen. Aber ich will auch nicht, dass Frauen die Liebe retten müssen, indem sie ihre Angst verschweigen und verdrängen. Frauen, die lieben, sind nicht naiv. Frauen, die vorsichtig bleiben, sind nicht verbittert.
Und Frauen, die sich entziehen, nicht heiraten, nicht daten oder Männern grundsätzlich misstrauen, verweigern nicht die Liebe.
Sie verweigern eine Ordnung, die zu lange von ihnen verlangt hat, Verwundbarkeit für Normalität zu halten.
Auch Gisèle Pelicot, die Manuel am Ende seines Textes zitiert, sagt, sie sei bereit, das Risiko der Liebe erneut einzugehen, das ist ihre freie Entscheidung als Überlebende, kein Massstab für andere Frauen. Das widerspricht Manuels Hoffnung nicht. Es schärft sie: Liebe kann möglich bleiben.
Aber nicht als Pflicht zur Versöhnung. Nicht als weibliche Vorleistung. Nicht als Beweis, dass man «nicht alle Männer» verstanden hat. Und nicht als Vertrauensvorschuss für Männer.
Ich vertraue meinem Mann. Aber dass dieses Vertrauen heute nicht mehr unschuldig ist, ist nicht meine Schuld.
Es ist Aufgabe der Männer, eine Welt zu schaffen, in der weibliches Vertrauen wieder vernünftig sein kann.
Stefanie Fischer-Lüthi ist Fachassistentin am Kompetenzzentrum Theologie und Ethik der Evangelischen Kirche Schweiz (EKS).
Bild: Pexels/Ivan Mudruk






22 Kommentare zu „Frauen schulden Männern kein Vertrauen“
Ich habe diesen Beitrag sehr aufmerksam gelesen und mir fiel dabei das Wechselspiel allgemeiner und individueller Schuld auf. Sie haben ganz grundsätzlich recht. Wir Männer haben die Bringschuld, nicht unbedingt weil von uns generell Gefahr ausgeht sondern das größere Potential für unrechtes Handeln, die Möglichkeiten mehr bei Männern liegen.
Wenn die Gewalt gegen Frauen nun konkret geschieht ist es jedoch zumeist kein Massenphänomen sondern einelne Personen handeln.
Mal ganz abgesehen von meiner Befindlichkeit dabei, mit Mördern, Kinderschändern und Vergewaltigern einfach so aufgrund meines Geschlechts unter Generalverdacht gestellt zu sein frage ich mich auch, was die Gesellschaft als ganzes zur gegenseitigen Wiederherstellung des Vertrauens tun kann.
Denn wir alle gehen doch schon lange nicht mehr davon aus, dass „der Andere“ es grundsätzlich erstmal nicht böse mit uns meint. Was einmal Common Sense war um vertrauenswürdig zu sein oder zu werden wie Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, das Wort oder einen Vertrag halten, Höflichkeit, Zuvorkommen ob am Arbeitsplatz, im Geschäft oder im Verein, wird doch nicht mehr als Interesse am Wohlergehen der Gemeinschaft oder des Einzelnen verstanden sondern als Manipulationsversuch zur Durchsetzung meiner eigenen Ziele.
Was muss die Gesellschaft tun damit das gegenseitige Vertrauen wieder wächst?
Danke für die aufmerksame und ehrliche Rückmeldung, ich merke, dass Sie sich wirklich mit dem Text auseinandergesetzt haben, und das schätze ich.
Trotzdem möchte ich an einem Punkt widersprechen. Sie schreiben, es handle bei konkreter Gewalt „zumeist“ nicht um ein Massenphänomen, sondern um einzelne Personen – und fragen dann, was „die Gesellschaft als Ganzes“ für die Wiederherstellung von Vertrauen tun könne. Das ist im Kern die gleiche Bewegung wie „not all men“, nur eine Ebene abstrakter verpackt: Erst wird die individuelle Tat von der Gruppe der Männer gelöst („es sind ja einzelne“), dann wird die Verantwortung an eine anonyme Instanz namens „Gesellschaft“ delegiert. Damit sind in derselben Bewegung sowohl der einzelne Mann als auch Sie als Mann fein raus.
Genau das beschreibe ich im Text als Teil des Problems: Es reicht nicht, kein Täter zu sein. Wer fragt „was muss die Gesellschaft tun“, ohne zu fragen „was mache ich als Mann in meinem Umfeld“, nimmt sich selbst aus der Verantwortung – auch wenn das nicht die Absicht ist. „Die Gesellschaft“ sind ja keine Fremden. Das sind Sie, Ihre Freunde, Ihre Kollegen, Ihre Vereine.
Ihr Unbehagen, unter Generalverdacht gestellt zu werden, verstehe ich, und es ist ein reales Gefühl. Aber es beantwortet die eigentliche Frage nicht: Was tun Sie konkret dort, wo Sie tatsächlich Einfluss haben – wenn ein Kollege einen sexistischen Witz macht, wenn jemand übergriffiges Verhalten kleinredet, wenn ein Freund geschützt wird, „weil er’s ja nicht so gemeint hat“? Dort, nicht in der abstrakten Gesellschaft, entscheidet sich, ob Vertrauen wieder wachsen kann.
Das Problem, dass ich zu beschreiben versuchte, liegt ja darin, das mein Verhalten im Alltag offensichtlich nicht ausreicht um mich von dem Generalverdacht zu befreien. Es genügt nicht, dass ich mich von unmoralischen Menschen und Umständen fern halte, mich anständig benehme, der Generalverdacht bleibt bestehen. Sie nehmen quasi die (männliche) Allgemeinheit in die moralische Sippenhaft und wollen den einzelnen nur wieder herauslassen wenn er, ich weiß nicht wie, bewiesen hat, dass er zu Unrecht bei ihnen „einsitzt“. Es wäre gut, auch einen Weg aufzuzeigen, wie diese Sippenhaft als solche wieder aufgehoben werden kann.
Es geht nicht darum, Einzelne aus einer Sippenhaft „herauszulassen“. Es geht darum, in die Pflicht zu nehmen. „Einer der Guten“ zu sein reicht nicht – das steht so im Text. Erst aktives Handeln zählt: widersprechen, Täter nicht schützen, Grenzen benennen.
So und nicht anders!
Voll und ganz einverstanden!
Danke für diesen wichtigen Artikel.
Danke dir!
Frau Fischer Lüthi, das Problem ist doch, das sie mit ihrer Kritik die jenigen treffen, die eh schon auf ihrer Seite sind. Die nicht auf ihrer Seite sind, lesen ihren Blog höchstwahrscheinlich auch nicht. Männer wie Frei sind ja offensichtlich nicht die, welche in der Frühstückspause dumme Sprüche über die letzte Nacht machen und wenn doch, dann wird auch ein beherzter Widerspruch einen Menschen mit dieser kriminellen Energie nicht zum Einhalt bringen. #notallmen ist kein männliches Missverständnis des Problems, es scheint mir die Replik auf ungerechtfertigte Schuldzuweisungen.
Männer wie Frei will ich mit diesem Text gar nicht erreichen. Es geht mir um all jene, die sich heute darauf ausruhen, dass es reicht, kein Täter zu sein.
Und ja: Die meisten Männer sind Teil des Problems, auch wenn sie selbst nie eine Frau schlagen. Es reicht schlicht nicht, keine Frau zu vergewaltigen. Es braucht aktiven Widerspruch gegen die Normen, die Gewalt möglich machen – nicht nur bei Sprüchen, sondern bei allem, was zur Vergewaltigungskultur gehört. Wir leben in einer Gesellschaft, die Täter schützt. Wer mehr dazu lesen will: „Jede_ Frau“ von Agota Lavoyer.
Vielen Dank vorweg einmal für ihre prompten Antworten, das echt mal einen Dialog.
Ich will jetzt nicht weiter drauf rumreiten, nur noch mal soviel: Das aktive Aus- und Vorleben ist kein nichts tun, die von ihnen angesprochene Vergewaltigungskultur ist keine Kultur, allenfalls eine kriminelle Subkultur und das Grundproblem, nämlich die Verrohung der Gesellschaft in Verbindung mit dem Desinteresse am Wohlergehen des Nächsten lässt sich mit mit einer Aufforderung an alle Männer auf der ganzen Welt das jeder Einzelne doch jetzt mal was machen soll nicht lösen. Der Heterofatalismus schiesst komplett an seinem Ziel vorbei.
Agree to disagree. Danke für diesen angeregten Austausch!
Liebe Stefanie Fischer
Von Herzen Danke für diesen Artikel!
Es bestätigt genau mein Innenleben, da ich es Leid bin, weiterhin an mir zu arbeiten, dass Vertrauen zu Männer wieder möglich ist! Dieser Artike zeigt endlich auf, dass es an der Zeit ist, dass Männer, jeder Mann, endlich seine Privilegien in dieser Welt ehrlich hinterfragt und nicht ständig auf Abwehr geht und nach weiteren Argumentationen sucht, nur um ein fragiles Ego zu schützen und weiterhin auf „was kann die Gesellschaft tun“ ausweicht, nur um nicht selbst Eier beweisen zu müssen und Kollegen auf schädliches Verhalten hinzuweisen.
Es liegt in der Verantwortung jedes Mannes, seinen Beitrag dazu zu leisten. Wenn ihr nicht wisst wie, ratlose seid, lest Bücher, hört Podcast’s, informiert euch! Es gibt genügend Material und wenn ihr euch genau davon getriggert fühlt, haltet einen Moment inne und reflektiert. Eine Fähigkeit, welche nicht nur Frauen in sich tragen.
Nein, es genügt nicht „einer von den guten zu sein“, beweist Mut, echte Verantwortung, eure Spezies darauf aufmerksam zu machen. Dann und erst dann, leistet ihr wahrhaftig euren Beitrag und könnt das Vertrauen der Frauen wieder gewinnen!
Spannend wäre hier mal wieder das Beispiel vorzubringen, wie würdet ihr euch verhalten, wenn in eurem Beisein eure Tochter, Frau, Mutter, Schwester, einen sexistischen Witz über sich ergehen lassen muss? Lacht ihr mit, um vor euren Bros nicht als schwach dazustehen oder macht ihr eure Klappe auf? Denkt daran, jede Frau ist eine Tochter, Mutter, Schwester etc.!
Liebe Jennifer, Danke für diese wichtigen Ergänzungen und die Wertschätzung!
Es gibt einen gemeinsamen Weg zur Überwindung aller Schranken, eine Frau hat ihn beschrieben – Elisabeth Haich in „Sexuelle Kraft und Yoga“: Es gibt nur eine schöpferische Energie – Logos – , die sich von ihrer niedrigsten Offenbarungsform, der sexuellen Kraft, bis zur allerhöchsten, geistig-göttlichen Kraft, bis zum Allbewusstsein durch die ganze Schöpfungskala auf allen Stufen der grossen Jakobsleiter, im Malrokosmos, im Weltall, wie im Mikrokosmos, im Menschen offenbart.
Das irdische Leben drängt den Menschen auch normalerweise dazu, sein Bewusstsein immer höher, auf immer geistigere Stufen zu heben, immer bewusster zu werden, bis er das göttliche Allbewusstsein erlangt. Das ist der Zweck seines Lebens. Dieser normale Ablauf dauert jedoch sehr lang, ist mühsam und voll Schmerzen und Leiden. Der Mensch trägt aber in sich, in seinem Körper ein Geheimnis.
Die sexuelle Kraft trägt in sich die Möglichkeit der beschleunigten Entwicklung des menschlichen Bewusstseins zur Auferstehung, zur Unsterblichkeit bis zum göttlichen Allbewusstsein – als ICH BIN.
Ja, es gibt einen Weg, es ist kein einfacher Weg, lang und holprig, aber wir müssen ihn gehen, wenn wir uns nicht weiter im „normalen“ Leben verlieren wollen. Wachet – genug geplappert und gejammert – brechen wir auf 😉
Auch eine wunderbare Variante des Spiritual Bypassing’s.
Wie aus dem Bilderbuch.
Danke dafür.
Während meiner HeteroEhe gab es einigen Diskurs über notAllMen/ dem Status des GutenMannes. Immer schwierig, weil Täter-Opferumkehr, bzw Verschiebung inhärent war.
Nachdem ich mich, aus div. Gründen zur Trennung durchgerungen habe, nutzte der Noch-Ehemann/ ExMann bis über die 3j spätere Scheidung hinweg, konkrete Drohungen oder im Nebensatz hingeworfe Andeutungen,um mich mittels Angst & Erinnerung an bereits Erlebtes, an meinen Platz zu verweisen. Motto: ich Mann bin zwar notAllMen aber ich könnte jederzeit, wenn Du Frau nicht liebst/vertraust / bleibst Täter sein& Gewalt anweden.
Danke fürs Teilen. Genau das ist der Punkt: Gewalt zeigt sich nicht nur in einer Form, und gerade die Trennung ist für Frauen statistisch die gefährlichste Phase. Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft und Mut.
Es reicht eben wirklich nicht zu “ den Guten“ zu gehören, oder zu meinen man(n) gehöre dazu.
In meiner Erfahrungswelt wirkt
insbesondere das Betonen der eigenen #notAllMen- Zugehörigkeit ist immer wieder verräterisch. Es hat jedenfalls so gar nichts mit geäusseter authentischer Selbstreflexion zu tun, sondern meist mehr mit der Selbstdarstellung als “ Opfer“. Und das widerum ist nicht nur ein Nebengeleise oder Ablenkung vom Wesentlichen, es ist im Grunde, in der Verdrehung der Tatsachen, verletzend respektlos und ignorant zugleich.
Es hat den Geschmack von “ übertreibt mal nicht, alles halb so wild, und wundert euch nicht, wenn ihr gemein & ungerecht seid…das wird zur selbsterfüllenden Prophezeiungen.
Ich wünschte ich könnte in meinem Erleben/ Leben nur ein Bruchteil von Einmischung und Reflexion dem gegenüber stellen. Das wäre viel wert.
Danke, dass du das so klar benennst. Diese Verschiebung des Diskurses auf #notallmen trifft genau den wunden Punkt. Wer wirklich reflektiert, muss das nicht betonen, sondern zeigt es im Verhalten.
Danke für diesen Text. Der spricht mich total an! Vor allem auch der Punkt, dass der „Ehe-Gesundheitsbonus“ oft ein Bonus für den Mann ist, welchen meist Frauen auf ihre eigenen Kosten „erwirtschaften“. Das kenne ich so doll aus früheren Beziehungen und aus Beziehungen in meinem Umfeld, die ich miterlebe! Und dafür braucht es noch nicht mal Partnerschaftsgewalt oben drauf, um Fatalismus auszulösen.
Ich konnte die Reflab Folge nicht fertig hören, weil mich der Vibe ganz schön gestresst hat, dass zwei männliche Personen jetzt darüber ihre Meinung austauschen, ob sie die Reaktion von (einigen) Frauen auf männliche Partnerschaftsgewalt und andere männlich/weibliche Beziehungsdynamiken angemessen finden oder nicht.
Vielleicht sind sie ja noch zu sehr wertvollen Punkten gekommen, aber das war zu „close to home“, um es mir freiwillig fertig anzuhören.
Ein Vergleich der mir einfiel, auch zur Diskussion hier in der Kommentarspalte (vielleicht ist er auch nicht hilfreich, dann meldet mir das gerne zurück): Wenn ich als weiße Person mitkriege, dass viele People of Color keine Beziehungen mit weißen Personen eingehen wollen, weil sich das für sie nicht sicher anfühlt, ist meine Reaktion doch nicht: „Wie gemein, ich selbst diskriminiere ja niemanden aufgrund der Hautfarbe/ethnischen Herkunft, die stellen ja alle Weißen unter Generalverdacht…“.
Meine Reaktion als weiße Person, die in einem gewissen Maß empathisch mitfühlen kann, ist doch „Wie traurig, dass so viele People of Color in so großer Unsicherheit und Diskriminierung leben, voll verständlich, dass man sich diese Dynamik nicht auch noch zu Hause antun will! Ich muss mir echt mal selbst in den Hintern treten und mich mehr informieren und engagieren, um die Freunde und Kollegen, die davon selbst betroffen sind, mehr zu unterstützen!“
Liebe Olivia
Das Beispiel mit dem Gesundheits-Bonus finde ich auch immer wieder passend, um den Unterschied aufzuzeigen.
Deine Analogie zum Umgang mit Rassismuserfahrungen trifft das Prinzip gut – auch wenn sich Erfahrungen von Rassismus und die hier beschriebene Dynamik nicht 1:1 vergleichen lassen. Ich verstehe, was du meinst, aber es gibt leider eine starke Gegenseite, die genau dabei „Rassismus gegen Weisse“ schreit. Vermutlich würde dieser Schlag Menschen ohnehin jede Erfahrung, die nicht der eigenen entspricht, als unwahr oder übertrieben abtun.