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Lesedauer: 10 Minuten

How to schwierige Bibelstellen

Ein Skandal: Männer aus dem biblischen Volk Israel haben Frauen aus anderen Völkern geheiratet. Als der Prophet Esra das hört, ist er absolut entsetzt. Er zerreisst als Zeichen der Trauer seine Kleidung, danach sitzt er wie betäubt da. Bestimmt ist Gott jetzt wieder zornig und will die Israeliten endgültig vernichten. Jemand hat schliesslich eine so einfache wie gloriose Idee, wie sich die Strafe noch abwenden lässt: Man schickt die Frauen mitsamt der Kinder, die inzwischen geboren worden sind, weg. Aus den Augen, aus dem Sinn – und so ist auch Gott wieder friedlich gestimmt. (Erzählt nach Esra, Kapitel 9-10)

Verstörende Geschichte? Keine Frage.

Vor einigen Wochen erreichte mich dieser Tweet:

“Habe beim Lesen von Esra 9-10 gröber Mühe. @evelyne_lynn, wie liest du das? Sieht einfach krass nach nach Rassenkultur, Fremdenfeindlichkeit, etc. aus. Ich vertraue natürlich darauf, dass da mehr dran ist als nur diese erste Schicht. Darauf bin ich jedoch noch nicht gestossen, weswegen ich herumfrage.“

Als Theologiestudentin im 8. Semester bin ich kein Profi in Bibel-Erklärung. Trotzdem teile ich gerne eine kleine „Anleitung“, wie ich versucht habe, diese Bibelstelle zu verstehen und einzuordnen. Denn es gibt so manchen Text in der Bibel, der fremd, unverständlich oder sogar verstörend wirkt.

Die folgenden Schritte sind nicht Theolog*innen vorbehalten, welche die Grundsprachen der Bibel beherrschen, sondern können von allen Leser*innen angewendet werden. Man braucht auch keine Bibliothek mehr dazu: Online sind inzwischen sehr viele “Werkzeuge” verfügbar.

  1. Bibeltext lesen
  2. Parallelstellen recherchieren
  3. Stop and think
  4. Blick in die Sekundärliteratur
  5. Fazit

1. Erst mal in Ruhe nachlesen

Natürlich musste ich zuerst lesen, was in Esra 9-10 überhaupt steht. Und dabei sträubten sich auch mir die Haare. Da stehen Sätze wie: “So hat sich der heilige Same mit den Völkern der Länder vermischt”, oder “Ihr dürft nie wieder ihren (Nachbarvölker) Frieden und ihr Wohl suchen”, und dann “Sie gaben ihre Hand darauf, ihre Frauen fortzuschicken”. Untheologisch ausgedruckt: Wtf?!

Was mir beim ersten Lesen auffällt:

Familien werden auseinandergerissen. Frauen und Kinder werden rücksichtslos weggeschickt. Viele von ihnen werden damit vermutlich zum zweiten Mal Opfer, weil sie und ohne grosses Mitspracherecht verheiratet wurden und sehr jung ihre Familie und ihre Heimat verloren haben. Die Frau zog bei der Heirat traditionell zum Ehemann (was der Bibeltext auch so bestätigt, sonst hätten sie ja nicht weggeschickt werden können). Mit der Wegweisung verlieren sie beides nochmals – dazu jeglichen Schutz, den ihnen Ehemann und Familie vorher gaben (oder zumindest geben sollten).

Es ist von “Untreue” des Volkes gegenüber Gott die Rede. Es gibt also zur Ebene der zwischenmenschlichen Heiraten auch die Metaebene der “Ehe” des Volkes Israel mit Gott. Dieses Bild wird in der Bibel häufig verwendet, und im Alten Testament ist damit tatsächlich eine Art “Volks-Monotheismus” gemeint: Jedes Volk hat verschiedene Götter, im Falle Israels ist es Jahwe. Wenn das Volk andere Götter anbetet, geht es sozusagen fremd. Hier erhält diese Metapher durch die menschlichen “Fremdheiraten” eine doppelte Bedeutung.

Die Ausschaffung der Frauen und Kinder ist nur vorgeblich eine göttliche Anweisung. Gott ist keine handelnde oder sprechende Person in diesem Text, im Unterschied zu anderen Stellen des Alten Testaments, wo direkt Taten und Worte Gottes geschildert werden. Den Entschluss und die Umsetzung, die Frauen wegzuschicken, verantworten einzig und allein die Männer im Text.

Neben der Erzählebene gibt es im Text eine umfangreiche Liste mit Namen und Verwandtschaftsbeziehungen. Die Priestersöhne, die nicht-jüdische Frauen geheiratet hatten, werden namentlich genannt und damit ihr Vergehen für die Zukunft (bisher satte 2500 Jahre!) festgehalten. Die Frauen und Kinder hingegen bleiben namenlos – wie leider in so manchen Texten der Bibel.

2. Was steht da sonst noch?

Bei gedruckten Bibeln stehen am Rand der Textspalten jeweils Verweise auf andere Bibelstellen. Diese “Parallelstellen” können bei Schlüsselsätzen aufschlussreich darüber sein, ob es Ähnlichkeiten oder Widersprüche gibt, oder wo zum Beispiel ein Name oder ein biblisches Gesetz an anderen Orten noch vorkommt.

In diesem Fall:

  • Das Verbot von „Mischehen“ steht schon in viel älteren Bibeltexten (5. Mose 7,1-6 beispielsweise), ist also keine neue Idee damals.
  • Im Buch Nehemia wird ebenfalls geschildert, wie Ehefrauen aus anderen Völkern verstossen werden.
  • In anderen biblischen Geschichten wird erzählt, welche Probleme Ehen mit ausländischen Partnerinnen gebracht haben: Simson wird von seiner Geliebten an seine Mörder ausgeliefert, Salomo baut für die Götter seiner Ehefrauen Tempel und verliert damit die Gunst Gottes (und nicht etwa darum, weil er überhaupt so viele Ehefrauen hat!), König Ahab heiratet Isebel, eine Prinzessin aus einem anderen Volk, die Gottes Propheten verfolgt und dafür einen grässlichen Tod stirbt.
  • Mir kommen aber auch biblische Geschichten in den Sinn, wo Israeliten ausländische Frauen heiraten und es gutgeheissen wird. Ruth aus dem Volk der Moabiter (eine Verbindung, die Esra in unserem Text explizit verurteilt) und die Kaananiterin Rahab gründen mit israelitischen Männern eine Familie und werden sogar zu Vorfahrinnen von Jesus. Umgekehrt heiratet die Jüdin Esther den persischen König Ahasveros und erhält dadurch die Gelegenheit, heldenhaft ihr Volk vor dem Genozid zu retten.

Diese Geschichten sind nicht als Parallelstellen zu Esra 9-10 angegeben, sondern kamen mir beim Lesen in den Sinn. Insofern hilft es, die Bibel einigermassen zu kennen. Wo eine Geschichte, zum Beispiel die von Ahab und Isebel, ganz genau zu finden ist, muss ich selber jeweils googeln. Es gibt aber auch sogenannte “Konkordanzen“, welche Bibelstellen zu einem bestimmten Thema auflisten.

3. Nachdenken und kombinieren

An dieser Stelle mache ich einen Break in der Recherche und ziehe ein Zwischenfazit.

Ein entscheidender Unterschied besteht zwischen den genannten Geschichten: Ruth und Rahab glauben nicht an „fremde Götter“, sondern an den Gott Israels, wie explizit erwähnt wird. Es kristallisiert sich deshalb der Verdacht heraus, dass das Problem nicht die ausländischen Ehepartner*innen an sich sind. Sondern dass diese (in diesem Fall ausschliesslich Frauen) aus einer anderen Kultur stammen und andere Götter anbeten. Dies kann die israelitischen Männer dazu verleiten, neben ihrem eigenen Gott noch andere Götter zu verehren. Zudem droht die Gefahr eines Kulturverlusts aus Sicht der Israeliten: Kinder aus Mischehen konnten die Sprache Israels nicht mehr, steht woanders im gleichen Kontext.

Die Stärke des kleinen biblischen Volkes Israel lag in seinem Zusammenhalt. Dieser war fragil: Es gab damals (seit 586 v.Chr.) keinen König mehr, um den wie in anderen Kulturen ein aufwändiger Kult betrieben worden wäre, der das Volk geeint hätte, oder der durch geschickte Herrschaft den Zusammenhalt hätte sichern können. Dazu kam, dass der Gott des Volkes Israel bildliche Statuen und lokale Altäre verboten hatte und nur im Tempel in Jerusalem angebetet werden wollte (und dieser war zu diesem Zeitpunkt zerstört und noch nicht wieder aufgebaut). Götterfigürchen und Hausaltäre, welche man hätte berühren können und die dadurch den Bezug zur eigenen Religion vereinfacht hätten, gab es also offiziell nicht.

Wegen dieser Fragilität wurde Multikulturalismus nicht als Bereicherung, sondern als Bedrohung wahrgenommen. Und das ist auch der Grund, warum in der Erzählung mit der Ausschaffung der Frauen das Problem als gelöst betrachtet wird.

4. Ein Blick in die Sekundärliteratur

Manche Bibeln haben vor den einzelnen Büchern (also in diesem Fall “Esra”) ein paar Seiten mit Erläuterungen zu Kontext und Entstehung des jeweiligen Buches. Man kann den Kontext aber auch auf Wikipedia nachlesen oder z.B. beim bibelwissenschaftlichen Portal Wibilex.de.

Im Fall von Esra 9-10: Die Geschichte spielt um das Jahr 520 v.Chr. Die gesellschaftliche Elite des Volkes Israel war zuvor rund 70 Jahre lang im Exil in Babylon. Danach bekamen sie die Erlaubnis, zurückzukehren und Jerusalem und den Tempel wieder aufzubauen. Die Propheten Esra und Nehemia waren wichtige Männer in dieser Zeit. Ursprünglich waren die beiden biblischen Bücher, die nach ihnen benannt sind, in einem einzigen Buch zusammengefasst. Es geht darin um die gleichen Ereignisse.

Esra aktualisiert das Gesetz, das Gott dem Volk 700 Jahre zuvor auf der legendären Wüstenwanderung durch Moses gegeben hatte, für die nachexilische Zeit. Esra tut dies, indem er es dem Volk erneut predigt, es also wieder in Erinnerung ruft und auch dafür sorgt, dass es eingehalten wird. Inhaltlich werden aber keine neuen Regeln eingeführt, sondern an die ursprünglichen angeknüpft. Esra ist damit der Nachfolger von Mose. Er ist die starke Figur für das königslose Israel und wird auch literarisch so überliefert: Es gibt noch mehr Esra-Bücher als das in unserer Bibel (z.B. die Esra-Apokalypse), die von Visionen und Aussagen dieses Propheten schreiben. Für das nachexilische Israel ist er die massgebliche Figur zur moralischen Orientierung.

Wibilex sowie das Buch “Bibelkunde des Alten Testaments”, das ich hinzuziehe, schreiben, dass das Buch Esra redaktionell gewachsen sei. Das heisst, ältere Texte (z.B. die Listen) bildeten den Kern, der später noch ergänzt und aus Sicht der Redaktoren vervollständigt wurde. Der Abschluss dieser Überlieferung sei im 4. Jh.v.Chr. zu datieren, heisst es. Damit fällt das Esrabuch in die frühhellenistische Zeit, also in die Zeit, in der Alexander der Grosse und später die römischen Kaiser den heutigen “Nahen Osten” kolonialisieren. Wieder kommt das Volk Israel unter fremde Herrschaft, erneut wird es mit einer anderen Kultur konfrontiert.

5. Fazit: Jetzt ergibt es mehr Sinn

Jetzt ist die Auslegeordnung gemacht. Es ist Zeit, mein Vorwissen mit dem Bibeltext und der Sekundärliteratur zu kombinieren.

Zielpublikum des Textes, wie er uns heute vorliegt, sind Juden und Jüdinnen im 4. Jh. und später. Denn dann wurde die Redaktion des Textes wahrscheinlich abgeschlossen. Diese Menschen begegnen mit den Besatzern jeden Tag fremden Kulturen und faszinierenden Götterkulten. Deshalb muss ihnen in Erinnerung gerufen werden, dass die Stärke Israels in seiner Einheit liegt: Es ist für sein Überleben unabdingbar, dass das Volk zusammenhält.

Am Ende des 6. vorchristlichen Jahrhunderts baute das Volk Israel eine Mauer rund um Jerusalem, um sich zu schützen. Mit dem Wachstum der Stadt und der Wirtschaft ist diese Mauer zwar nicht obsolet geworden, sie bildet aber keine hermetische Abschottung mehr. Jetzt wird die innere Sicherheit noch wichtiger: Und dafür sorgt der bereits erwähnte Monotheismus, der sich inzwischen theologisch durchgesetzt hat und der Israel von anderen Völkern unterscheidet. Die Religion (fromm ausgedrückt: “Gott treu zu bleiben”) stiftet den Zusammenhalt.

Deswegen erinnert der Text nochmals daran, wie schädlich und in Gottes Augen verwerflich Mischehen sind. Sie bedrohen diese Einheit, und zwar nicht wegen der Frauen und der entstehenden Kinder, sondern wegen der Kulturvermischung bzw. dem Kulturverlust (von Israel her gesehen).

Die Erzählung in Esra 9-10 überliefert also einerseits Geschichte. Ob alles genau so passiert ist bzw. getan wurde, kann wie bei allen anderen biblischen Texten nicht mehr mit Sicherheit gesagt werden. Andererseits gibt sie Handlungsanweisungen für die “heutige” Zeit (aus Leser*innen-Sicht also im 4. Jh. v.Chr. und später). Damit ist der Text im historischen und kulturellen Kontext eingeordnet – was aber nicht heisst, dass das Verhalten der Männer darin von uns wirklich nachvollzogen und verstanden werden muss. Herleitung und Umsetzung der vermeintlich göttlichen Anweisungen bleiben mir zumindest fremd und fragwürdig.

Und jetzt?

Die Bibel ist nicht nur ein historisches Buch. Weil Christ*innen an den gleichen Gott glauben, von dem die Bibel berichtet, suchen viele darin auch eine Relevanz für heute. Nicht jeder Text bietet das. Gerade bei solchen wie Esra 9-10 ist die Ausgangslage der damaligen intendierten Leserschaft eine ganz andere als unsere. Um nur zwei Punkte zu nennen: Frauen werden bei uns glücklicherweise nicht mehr als “Ware” gesehen, die man sich beliebig holen und wieder fortschicken kann. Und das Christentum ist über viele Nationalitäten und über die ganze Welt verteilt, es besteht nicht mehr die Kongruenz zwischen Religion und Volkszugehörigkeit wie bei den Juden im 4. Jh.v.Chr.

Hingegen kann man als heutige Leserin durchaus zu einem solchen Text Position beziehen oder ihn als Diskussionsgrundlage nehmen. Konkret zum Beispiel zur Frage, wie wir in unserer Zeit Beziehungen schliessen und welche Gemeinsamkeiten dabei für uns wichtig sind. Wie wir mit Dingen umgehen, die wir getan haben, und die uns aus unserer Sicht vor Gott schuldig dastehen lassen. Oder ob es Entscheidungen gibt, die wir treffen, bei denen andere schlussendlich die negativen Konsequenzen tragen.

Dazu auch der RefLab-Podcast: “Mit der Bibel lässt sich keine Ethik machen”

Hilfreich: Das wissenschaftliche Bibellexikon im Internet

Bild: Emily Morter/Unsplash

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12 Kommentare zu „How to schwierige Bibelstellen“

  1. Waow, Evelyne, mich beeindrucken deine Texte immer wieder. Dieser folglich auch. Und das Gendersternchen finde ich absolut richtig und nötig. 😃

  2. Vielen Dank für Deine Erklärungen. Ich habe aber noch eine Frage. Du schreibst, es habe bei “den Juden” im 4. Jahrhundert vor Christus eine “Kongruenz zwischen Religion und Volkszugehörigkeit” gegeben. Ich habe aber gelesen, dass es im 4. Jahrhundert vor Christus gar kein einheitliches Judentum gegeben hat. Man spricht in der neueren Forschung deshalb für diese Zeit von “Judentümern” (vgl. z.B. Konrad Schmid, Theologie des Alten Testaments, oder Thomas Römer, Die Erfindung Gottes). Die Juden in Jerusalem, in Elephantine, in Samaria, in Mesopotamien usw. haben ganz verschiedene und zum Teil widersprüchliche Vorstellungen von Gott und vom Judentum gehabt. Auch in Esra 9-10 gibt es Leute, die gegen die Ausschaffung der ausländischen Frauen sind. Wenn man genau liest, ist es auch überhaupt nicht klar, ob diese Ausschaffung am Ende überhaupt stattgefunden hat. Manche Bibelübersetzungen mogeln das hinein (z.B. Luther), aber im Urtext steht nichts davon (siehe Zürcher).
    In der Hebräischen Bibel gibt es fremdenfreundliche und fremdenfeindliche Texte, und nach der Apostelgeschichte gab es im frühen Christentum auch einen Konflikt zwischen fremdenfeindlichen und fremdenfreundlichen Positionen.
    Machst Du es Dir nicht vielleicht ein bisschen zu leicht, wenn Du sagst, es sei immer der gleiche Gott, von dem in diesen Texten die Rede ist. Hat der gleiche Gott verlangt, dass die Israelit*innen bei der Einnahme des verheissenen Landes alle Einwohner abschlachten, Männer, Frauen, Kinder, Schwangere, Alte … (heute nennt man so etwas Kriegsverbrechen) und dass sie die Fremden lieben sollen? Ich finde das schwierig. Haben nicht eher die Verfasser*innen des Alten und des Neuen Testaments manchmal aus Gott einen Götzen gemacht?

    1. Evelyne Baumberger

      Lieber Thomas (der Prof oder ein Namensvetter? Ich duze jetzt einfach zurück)

      food for thought, danke 🙂

      Deine Einwände sind natürlich berechtigt. Sie entlarven eine gewisse Komplexitätsreduktion, die ich in meinem Artikel und Video vorgenommen habe. Diese ist einerseits meinen erst 7 Semestern Studium geschuldet, andererseits dem intendierten Zielpublikum dieses Posts, das keine akademische theologische Bildung besitzt und “Elephantine” oder “jüdische Kolonien im 4. Jh.” erst googeln müsste. Danke für die Hinweise!

      Auf den letzten Abschnitt deines Kommentars möchte ich gerne kurz eingehen, obwohl ich auch dort mit dir einverstanden bin: Für mich war es eine Erleichterung, als ich vor und im Studium festgestellt habe, dass sich viele dieser Dilemmata zwischen meinem und dem in biblischen Texten übertragenen Gottesbild mit historisch-kritischer Lektüre lösen lassen (wie etwa in Esra 9-10: Gott ist gar nicht als Handelnder im Text präsent). Andererseits bleibt für mich Religion im Allgemeinen, aber auch die biblischen Texte, eine Annäherung an die ewige, personale Realität, die Gott m.E. ist – wie es Paulus mit dem “trüben Spiegel” umschreibt. So finden wir ja auch innerhalb der Bibel Korrekturen oder Präzisierungen dieser Annäherung, etwa in der Entwicklung von Henotheismus/Monolatrie zum strikten Monotheismus. Ich würde behaupten, dass Theologie und Kirche im besten Fall auch heute Teil dieser Bewegung und Entwicklung sein können. Inwiefern diese Annäherung “von beiden Seiten” stattfindet, d.h. in welchem Mass biblische Texte “verbalinspiriert” sind, ist wohl Glaubenssache.

      Danke nochmals für den interessanten Kommentar, und liebe Grüsse, Evelyne

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