Less noise – more conversation.

Der Satanismus und die eigenartige Faszination für das Antichristliche

Um «den» Satanismus ranken sich viele Legenden und Horrorgeschichten. Stephan und Manuel versuchen zuerst (im Anschluss an den Weltanschauungs-Experten Georg Otto Schmid), eine Typologie verschiedener Formen des Satanismus zu skizzieren:

Zunächst kann man einen Protestsatanismus, dem es v.a. um die Schockwirkung und Abgrenzung vom Spiessertum geht, von verschiedenen Spielarten weltanschaulicher Satanismen unterscheiden. Diese wiederum gibt es in einer religiös-theistischen und in einer rationalistisch-atheistischen Variante.

Medienwirksam sind besonders die Anhänger des religiösen Satanismus geworden – sie glauben an die Existenz Satans, vollziehen religiöse Riten und stehen im Verdacht, alle möglichen Grausamkeiten im Namen des Teufels zu begehen. Manuel erzählt von seiner christlichen Sozialisierung, in der die Angst vor dem Satanismus eine grosse Bedeutung hatte und seltsame Blüten trieb.

Auch wenn es innerhalb des religiösen Satanismus tatsächlich auch bedenkliche Entwicklungen gibt und sogar einzelne Mordfälle aktenkundig wurden, die im Namen Satans verübt worden sind, so gehört der Satanismus doch wohl zu den überschätztesten Phänomenen des hochreligiösen Christentums.

Und ganz sicher gibt es kaum gute Grüne, in die «Satanic Panic» einzustimmen, welche in den USA und Europa in den letzten Jahrzehnten mehrmals aufkam und zu einer regelrechten Verschwörungserzählung auswachsen konnte. Also: nein, es werden nicht 60’000 Menschen pro Jahr dem Satan geopfert, es gibt ein unterirdisches Tunnelsystem, in dem Tausende von Kindern gefoltert werden, um das Verjüngungsmittel «Adrenochrom» aus ihren Körpern zu gewinnen, und nein: Hillary Clinton, George Soros und Barak Obama sind nicht Teil einer satanistischen Sekte.

Kurz: Ihr dürft wieder ruhig schlafen!;-)

 

Weiterführende Beiträge

13 Kommentare zu „Der Satanismus und die eigenartige Faszination für das Antichristliche“

  1. Brotherhood of Samael

    Wenn einem als Satanist ein Podcast zum Thema in die Timeline gespült wird, ist man grundsätzlich erstmal skeptisch.
    Zu viele Verschwörungserzählungen haben während der Pandemie ein Revival erlebt.

    Umso erfrischender ist es, einen ausgewogenen Beitrag wie diesen genießen zu dürfen.

    Selbstverständlich könnte zu jedem Thema mehr in die Tiefe gegangen werden.
    Symbolik in der Metalszene, Satanismus als moderne atheistische Weltanschauung, historische Mythologie, die Erzählungen rund um die Satanic Panic, jeder Punkt allein könnte eine ganze Folge füllen.

    Auch wenn man, wie wir, die Materie in- und auswendig kennt, wird der Beitrag zu keinem Zeitpunkt langweilig, gerade persönliche Anekdoten sind unterhaltsam und lockert trockene Passagen auf.

    Der unseres Erachtens wichtigste Abschnitt war wohl über die Satanic Panic und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft. Uns wird meistens vorgeworfen, Opfer zu verhöhnen oder selbst hervorzurufen, wobei wir immer wieder erwähnen, dass auch die Opfer von Falschtherapie Opfer sind und das diese professionelle Unterstützung benötigen, anstatt Verschwörungstheorien in Therapeutenpraxen.

    Danke für diesen Beitrag.

    Mit freundlichen Grüßen
    Brotherhood of Samael

    1. Wie geil ist das denn – von der im Podcast angesprochenen «Gegenseite» ein eingehendes und würdigendes Feedback zu bekommen: das ist ja eine Adelung von ganz oben, oder besser unten?;-) Vielen Dank an die Brotherhood für die Rückmeldung! Und nächste Woche wird noch eine weitere Folge zum Thema kommen, da werden wir über moderne symbolische Satanismen sprechen, besonders über die «Church of Satan» und den «Satanic Temple» – bin gespannt, was ihr dazu dann meint… 😉

  2. hallo Stephan und Manuel

    mich nimmt es wunder, ob ihr auch über die Freimaurer und deren geheimen Lehren recherchiert habt – die sogenannten Freimaurerlogen – als sehr geheim…. ich habe schon ein schockierendes Zeugnis gehört, jemand der ausgestiegen ist und christ geworden ist, und ja es gibt glaub so 33 Stufen…
    und wie ihr angesprochen glaub habt, kann es da Ritualmorde geben, bei diesem Podcast habe ich so den Eindruck, ihr nehmt das ziemlich easy das mit den bösen Mächten…. ich habe selber solche Mächte an einem indianischen Ritual wo auch der berühmte Sänger Sting bei so einem solchen indianischen Ritual, Teil genommen hat – es heisst „santo daime“ so amazonas blätter ayahuasca, krass erlebt….
    das wird jetzt auch in psychiatrischen Klinik glaub sogar UNI Zürich an schwerst depressiven Menschen getestet, so eine art Psychodelika…
    Ich habe schon den Eindruck ihr verharmlost diese Szene oder redet sie zu schön…
    aso was da abgeht bei diesen Freimaurern, da würde es mich mal wunder nehmen, ob ihr da einen Podcast dazu machen könnt.
    ich bin ansonsten ein begeisterter Zuhörer Eurer aller Podcasts, Ihr macht das grossartig…
    aus eigener Erfahrung jedoch – ich möchte nicht ins Detail gehen, weil ich da selber eine wundervolle Befreiung erleben durfte, damals eben an so einem klar nicht satanisch titulierten Ritual aber schön verpackt in eben diesem Santo daime eine sekte in Brasilien wo auch in europa zb spanien sich verbreitet und auch sehr teure seminare angeboten werden…
    und ja diese bösen mächte gibt es wirklich…
    und sind echt nicht zu unterschätzen!!
    Ich habe aber in Jesus Christus 1 Joh 4 ; 1 bis 4 vor allem der Vers 4 hat mich damals so stark berührt, eine Geschichte für sich damals vor ca 35 Jahren in Rio de Janeiro, wo ich danach echt eine wunderschöne Gottes-Erfahrung machen durfte…
    liebe grüsse
    c…..

  3. Danke für die spannende Podcast-Folge. Was ich nicht ganz rausgehört habe, mich aber sehr interessieren würde, ist eure persönliche Interpretation des biblischen Satans. Oder ist es das, was Stephan Jütte am Schluss noch kurz erwähnt?:
    Dass der Wissensstand bzw. die Bildung und das Weltbild zu biblischen Zeiten noch nicht sehr weit entwickelt war und man deshalb quasi für alles Böse den Satan verantwortlich machte etc., bzw. sagt ihr damit, es gibt den Satan gar nicht, das war nur die „unterentwickelte“ Weltanschauung von damals?
    Wenn ja, warum sollte es dann Gott heute noch geben? Ist er dann nicht auch einfach eine „unterentwickelte“ Weltanschauung von damals, weil er wie Satan „unsichtbar und übernatürlich“ ist? Sprich mit welcher Begründung liesse sich sagen, Satan als personifiziertes Wesen ist nur eine Einbildung, Gott als personifiziertes Wesen aber nicht? (Falls das eure Meinung ist)

      1. Danke für die Links. Habs mir angehört, spannend!
        Von dir, Manuel, höre ich raus, dass du „dämonische Mächte“ nicht völlig ausschliesst.

        Dann geht meine Frage wohl mehr an Stephan, weil er im aktuellen Podcast damit argumentiert, dass der Wissensstand bzw. die Bildung und das Weltbild zu biblischen Zeiten noch nicht sehr weit entwickelt waren und man deshalb quasi für alles Böse den Satan verantwortlich machte…oder ähnlich.
        Sagst du damit, es gibt den Satan gar nicht, das war nur die „unterentwickelte“ Weltanschauung von damals?
        Wenn ja, warum sollte es dann Gott heute noch geben? Ist er dann nicht auch einfach eine „unterentwickelte“ Weltanschauung von damals, weil er wie Satan „unsichtbar und übernatürlich“ ist?
        Sprich mit welcher Begründung liesse sich sagen, Satan als personifiziertes Wesen ist nur eine Einbildung, Gott als personifiziertes Wesen aber nicht? (Falls das deine Meinung ist)

  4. Lieber Stephan, lieber Manuel.

    Es ist schade, dass ihr auch in dieser Sendung einmal mehr vor allem das Feindbild «Evangelikal» füttert. Sind die Evangelikalen tatsächlich stets diese verblendeten, in antiken Weltbildern verfangenen, irgendwie unterbeleuchten Gestalten, als die ihr sie immer wieder darstellt?

    Eine Tatsache, welche euch bei euren Recherchen entgangen zu sein scheint: Zwei der grössten Fälle von satanistischer Scharlatanerie wurden von einem durch und durch evangelikalen Magazin aufgedeckt. Die Rede ist vom Cornerstone Mag, welches sowohl die Lügen von Mike Warnke entlarvt hat (sein Klassiker «The Satan Seller», 1972), als auch diejenigen von Laurel Rose Willson, auch bekannt unter dem Autorennamen Lauren Stratford (Ihr Buch: «Satan’s Underground»). Cornerstone Mag war das Publikationsorgan der Jesus People USA, Chicago. Ihr hättet Evangelikale also genauso als mutige Kämpfer für die Wahrheit präsentieren können. Zumindest in diesen bedeutenden Fällen waren sie es.

    Zugegeben: Die Diskussion um Okkultismus und Satanismus ist eine anspruchsvolle, geht es doch in vielerlei Hinsicht auch um «Verborgenes». Ich tue mich selbst schwer mit vielem, was medial ‘gehypt’ wird, auch mit Auswüchsen, wo hinter allem gleich Geister und Dämonen gesichtet werden, welche vertrieben werden sollen. Da gibt es zumindest eine kleine Überlappung zwischen euren Wahrnehmungen und meinen eigenen. Doch meines Erachtens fallt ihr auf der anderen Seite von Pferd.

    Was mir zum Beispiel gefehlt hat an eurer Sendung ist der Bezug zur realen Praxis von Seelsorgern und Psychologen, welche in ihren Beratungstätigkeiten tatsächlich mit nicht erklärbaren Phänomenen konfrontiert sind. Das es so etwas wie okkulte Belastungen geben könnte oder gar Formen von Besessenheit scheint für euch – so kommt es bei mir an – nicht in Frage zu kommen. Sie sind aber sowohl eine biblisch bezeugte Realität als auch eine von erfahrenen Seelsorgern und Psychologen/Psychiatern bezeugte Erfahrung.

    Ihr gebt euch ein aufgeklärtes Image. Das hindert euch aber nicht daran, bei euch im RefLab eine Autorin zu beschäftigen, welche sich selbst als «seasoned witch» bezeichnet und eure Leserschaft darüber aufklärt, wie sie mit Geistern kommunizieren können. Möglicherweise liegt sie näher an der Realität als euch lieb ist.

    Hier möchte ich nochmals an die von euch als alt und verstaubt dargestellte Bibel verweisen mit ihrer ausdrücklichen Warnung, sich nicht auf solche ‘geheimen Künste’ einzulassen (3Mo 19:26; 5Mo 18,10; Galater 5:19-20; Vgl. Apg 19:19). Es könnte sein, dass man die Geister, die man ruft, nicht mehr loswird.

    Peter

    1. „Ihr gebt euch ein aufgeklärtes Image.“ — das bringt die Sache auf den Punkt!

      Was unseren ‚Satanisten‘ anlangt (1. Kommentator oben BOS), so darf um der ganzen Wahrheit willen hier nicht verschwiegen werden, dass es sich bei ihm, wir unterstellen: er ist von einer Frau, nicht von einem Algorithmus geboren worden, tatsächlich aber blöderweise doch wieder ’nur‘ um einen Möchtegern-Satanisten handelt!

      Hmmmh…, ob er mich für diese Enttarnung kreuzigen (lassen) will?

      Gerhard

    2. Danke Peter für die Reaktion und die differenzierenden Beobachtungen. Ein Feindbild entwerfen ist nicht unser Ziel. Es ging um Erfahrungen, die ich in meiner evangelikalen Sozialisierung erlebt habe, und die nach allem, was ich mitbekommen habe, durchaus repräsentativ sind für den Umgang evangelikaler und pfingstlicher Gemeinden dieser Zeit mit allem, was irgendwie okkult, dämonisch, satanistisch anmutete. Da wurden tiefe Ängste geschürt und hanebüchene Geschichten in Umlauf gebracht, die vielen jungen Menschen Alpträume bereiteten.
      Und was unsere «seasoned witch» betrifft: Ja, so etwas hätte in einer evangelikalen Einrichtung sicher keinen Platz, und tatsächlich gibt es viele Beitragende bei RefLab, die mich selbst herausfordern und über das hinausgehen, was in meiner Wahrnehmung unter «christliche Spiritualität» oder Theologie fällt. Aber das schätze ich an RefLab auch sehr: dass es weiter und tiefer ist als der Glaube und die Theologie der einzelnen Mitarbeitenden.

  5. Brotherhood of Samael

    Der logische Trugschluss, dem der drollige „Gerhard“ hier aufsitzt, nennt sich im übrigen „Kein wahrer Schotte“ (englisch no true scotsman).

    Im Grunde funktioniert diese wie folgt:

    Behauptung: „Satanistengruppen begehen schlimme Verbrechen“

    Antwort: „Keiner Satanistengruppe wurde dies je nachgewiesen.“

    Wutanfall: „Das waren eben keine ECHTEN/WAHREN Satanisten“.

    Im Original ging es um Schoten die Zucker auf Porridge streuen 🙂

    „Diese Form der Argumentation führt zu einem Trugschluss, da die Menge, die in der Voraussetzung zugrunde gelegt wurde (hier Schotten), in der Schlussfolgerung (hier wahre Schotten) neu definiert wird (hier als Teilmenge). Dabei wird ausgenutzt, dass sich die Argumentationsparteien zuvor nicht auf eine eindeutige Definition (egal, ob gesellschaftlich, legislativ oder wissenschaftlich verankert) für das Subjekt der These (Schotten) geeinigt haben. Das führt zu dem Trugschluss, dass das angebrachte Gegenbeispiel nur scheinbar oder „uneigentlich“ unter den Subjektbegriff falle.“

    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Kein_wahrer_Schotte

    Wir hoffen doch, die Gerhards dieser Welt umgehen von nun an diesen recht possierlichen Fettnapf und setzen sich stattdessen mit entsprechenden Studienergebnissen und Abschlussberichten von Staatsanwaltschaften aus einander, welche klar darlegen, was Satanistengruppen tun und was ins Land der Mythen gehört.

    Wir freuen uns bereits auf den zweiten Teil des Podcasts.

    1. Danke für die Rückmeldung – und ja, ich glaub ihr dürft euch auf die nächste Folge freuen, da erwägen wir einen Beitritt zum «Satanic Temple»…;-)

  6. In charismatischen Gemeinden wurden Homosexuelle zum Befreiungsgebet geschickt.HS wurde vom Teufel gesehen.Später haben die Betroffenen schwere Depressionen, dadurch bekommen.Ich gebe Stephan recht, es steht oft eine Persönlichkeitsstörung oder ein Traumata oder eine genetische Disposition dahinter. Leider denken viele Gemeinden wie z.B. das ICF Zürich heute noch so.

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