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Was ist eigentlich Mystik?

Zum ausführlichen Artikel «Was ist Mystik?» geht’s hier – das Folgende ist eine schriftliche Kurzfassung des Videos.

«Mystik» klingt geheimnisvoll, undogmatisch, spirituell. Eine mystische Spiritualität passt zu Meditation und Achtsamkeit und ist zudem auch interreligiös kompatibel.

Aber was ist Mystik eigentlich? 🤔 So faszinierend der Begriff klingt, so schwer ist er festzumachen.

Im Kern von mystischer Spiritualität steht die Erfahrung unmittelbarer Nähe zu #Gott, oder sogar Einheit mit Gott. Diese Erfahrung nimmt für einen Moment vorweg, was im Jenseits, im Himmel sein wird. Es ist eine innerliche, geistige Begegnung. 😇

Die meisten Mystiker:innen pflegten und pflegen eine bestimmte spirituelle Praxis, um sie zu ermöglichen. Manche gingen dafür bis ins Extreme.

Der Wüstenvater Antonius, Hildegard von Bingen, Meister Eckhart oder die Philosophin Edith Stein: Mystiker:innen des Christentums haben immer wieder versucht zu beschreiben, was sie erlebt haben. Geborgenheit, Ruhen in Gott. Manchmal wurden sie auf dem Weg dorthin aber auch von Dämonen geplagt. Andere haben ihre Erfahrung sehr körperlich, intensiv, ja erotisch erlebt.

Mystik hat Sprengkraft: Das Christentum hat durch sie immer wieder neue Impulse erhalten. Die Möglichkeit einer persönlichen Gotteserfahrung, ohne die Vermittlung durch Priester oder andere geweihte Personen, hat aber auch Machtstrukturen bedroht. Einige Mystiker:innen bezahlten dafür sogar mit dem Leben. 💀

Wegen ihrer Vieldeutigkeit hat sich diese Art von Spiritualität bis heute gehalten. Noch drei andere Faktoren scheinen die Mystik für die heutige Zeit besonders anschlussfähig zu machen:

⚡️ Mystik fokussiert auf individuelle Spiritualität
⚡️ Mystische Spiritualität findet sich in vielen Religionen
⚡️ Mystik passt zu aktuellen Trends: Achtsamkeit, Meditation, Selbstoptimierung

Es geht in einer mystischen Glaubenspraxis also nicht um eine Kraftquelle zur Bewältigung für den Alltagsstress, sondern um die Hinwendung zu dem, was wirklich zählt. Aus der Mystik kam immer auch Aktivität, Dienst am/an der Nächsten. Dennoch haben viele Menschen gerade während der Pandemie in dieser Art der Spiritualität Halt gefunden.

📕 Als wichtige Quelle für dieses Video diente das Buch «Ruhen in Gott. Geschichte der christlichen Mystik» von Volker Leppin, 2021.

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3 Kommentare zu „Was ist eigentlich Mystik?“

  1. Viele Mystiker*innen sind gerade aufgrund ihrer tiefen inneren Bewegtheit nicht bei einer „individuellen“ Spiritualität stehen geblieben, sondern waren hochaktive Menschen – Dorothy Day zum Beispiel; oder Dag Hammarskjöld.
    Auch das ist interreligiös gut anschlussfähig. Schön beschreibt diese Perspektive Dorothe Sölle in „Mystik und Widerstand“ – da ist Mystik deutlich mehr als #achtsamkeit und #mediation und hat mit #selbstoptimierung überhaupt nichts zu tun.

  2. Kurt Dressler

    Interessant und informativ zur Frage was Mystiker erleben:
    Ekstatische Konfessionen. Gesammelt von Martin Buber.
    Verlag Eugen Diederichs 1909. / Sammlung Weltliteratur, Verlag Lambert Schneider, Heidelberg, 5. Auflage 1984.

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