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Gemeinschaft braucht Grenzen

Grenzen und Gemeinschaft gehen nicht zusammen? Falsch 😡 das sagen nur Menschen, die davon profitieren, wenn du keine Grenzen setzt. Auch in christlichen Gemeinschaften.

KĂŒrzlich sass jemand beim Reden zu nahe zu mir. Ich fĂŒhlte mich einfach nur bedrĂ€ngt, es war aber gleichzeitig ein konstruktives GesprĂ€ch und ich konnte mein Unwohlsein nicht verbal Ă€ussern. Nach einigen Minuten rutschte ich einen Stuhl weiter weg – das hĂ€tte ich von Anfang an tun sollen 😓

Um Beziehungen zu haben und in Gemeinschaft mit anderen sein zu können, sind Grenzen nicht nur okay – sie sind sogar essenziell! Denn wenn ich immer so bin, wie es sich mein GegenĂŒber gerade wĂŒnscht, wenn ich mich selber verbiege und auflöse, dann verliere ich meine eigene IdentitĂ€t. Ich bin austauschbar. Das ist keine Gemeinschaft, keine Beziehung, kein Zeichen fĂŒr Vertrauen – sondern Beliebigkeit, Respektlosigkeit, im schlimmsten Fall sogar Missbrauch.

Damit andere mit mir in Beziehung treten können, mich ĂŒberhaupt als „ich“ wahrnehmen können, muss klar sein und respektiert werden, wer ich bin und wo meine Grenzen sind. In gesunden Beziehungen und Gemeinschaften wird das so gelebt. Keine Zeit, diese Aufgabe zu ĂŒbernehmen? Ist ok. Keine KapazitĂ€t fĂŒr ein persönliches Treffen? Wird respektiert 🌿

Wahrzunehmen, was die eigenen BedĂŒrfnisse sind, ist nicht Egoismus, sondern IdentitĂ€t, IntegritĂ€t. Nimm dir einen Moment Zeit, um in dich hineinzuspĂŒren, auf deine innere Stimme zu hören, herauszufinden, wo deine Grenzen sind, und sie dann auch so zu setzen.

Das klingt einfacher, als es ist. Zwischenmenschlich wĂ€re es hĂ€ufig leichter, man wĂŒrde einfach „ja“ sagen, Augen zu und durch. Es ist kein Scheitern, wenn es dir manchmal nicht gelingt 💜

Aber jedes einzelne Mal, wenn ich bewusst Grenzen setze, fĂŒhle ich mich danach freier und handlungsfĂ€higer. Ich habe mein Gebiet abgesteckt und kann von dort aus handeln und in Beziehung mit anderen treten. Mein „Ja“ ist ein bewusstes „Ja“, ich habe mich selbst respektiert und die Menschen, zu denen ich eine tiefe Verbindung habe, bekommen die Zeit, die sie verdienen.

Was denkst du darĂŒber? Wie ist das bei dir – kennst du auch solche Situationen? Und wie nimmst du das im kirchlichen, christlichen Umfeld wahr? Schreib gerne einen Kommentar! đŸ“©

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4 Kommentare zu „Gemeinschaft braucht Grenzen“

  1. Ein Üben bis zum letzten Atemzug. Ein nie endendes Projekt. Ich persönlich erlebe es so: In „sicheren“ Beziehungen ist die Grenzziehung einfacher als in „unsicheren“. Gelingende und funktionierende Grenzziehung ist unabdingbar und fĂŒr mich ein Übungsfeld. Keine statische Ausgangslage, sondern Dynami(k/t) mit. Meist gelingt es mir, mal gehe ich Kompromisse ein, die fĂŒr mich verhandelbar sind und mal erwischt es mich eiskalt. Manchmal – bei manipulativ herbeigefĂŒhrten GrenzĂŒberschreitungen – spĂŒre ich es schmerzlich im Nachhinein an meinen GefĂŒhlen und dann ist es ganz wichtig – so wie du geschrieben/erwĂ€hnt hast – keine Verurteilung, kein Scheitern. Ich lerne und lerne und lerne. Ich denke weiter in offenen Fragen/Bilder. Ich habe stets das Bild eines Kleinkindes, das sich ĂŒbt in den ersten aufrechten Schritten. Es fĂ€llt wieder hin, es rappelt sich energisch wieder auf die Beine, braucht manchmal eine einladende Hand, ein Sicherheitsgriff, dann wieder ein Üben und so erobert es sich die Welt. Oder stimmiger ausgedrĂŒckt: Wir verantworten unseren eigenen Raum. Verantwortungsbewusst. Das Üben scheint mir essentiell und mit jedem Üben wĂ€chst die Sicherheit. Dann beginnt das Spiel mit: Raum sichern, ĂŒber den Tellerrand aus schauen, Grenzen erweitern, Grenzen neu definieren, Grenzen erkunden, Be-grenzt-sein zulassen, annehmen und jede Grenzziehung abfeiern und die fiesen“Fallen“ entlarven – wo immer möglich. Barmherzigkeit in allem fĂŒr alle! Danke fĂŒr dein Statement und dein mutiges Anteilgeben. Ich bin begeisterte Mithörerin, engagierte Mitdenkerin und dankbare Mitleserin

    1. Evelyne Baumberger

      Liebe Monika, danke fĂŒr deinen Kommentar, ich habe mich darĂŒber gefreut. Ich habe in Bezug auf Meditation mal den Vergleich mit Kniebeugen gelesen: Jedes Mal, wenn ich einen Gedanken ziehen lassen kann, habe ich eine Kniebeuge geschafft und kann stolz darauf sein, denn sie stĂ€rkt mich. So ist es mit jedem Üben… Alles Liebe dir!

  2. Simon Pfeiffer

    Vielleicht könnte man statt „Grenzen“ auch sagen, ich brauche meinen Bereich, mein Hoheitsgebiet, mein „Reich“, wo ich Herr:in bin. Das kann körperlich sein, vor allem gegenĂŒber Menschen, die ĂŒbergriffig auftreten und einem zu nahe treten. Aber auch im ĂŒbertragenen Sinne, wenn ĂŒber mich verfĂŒgt wird, oder ich in die Enge getrieben werde und keinen Ausweg offen habe. Dann kann sich mein Unwohlsein auch mal in einer aggressiven Geste oder Wortwahl Bahn brechen.
    Wenn andere mir meinen Bereich zugestehen, kann ich souverĂ€n auftreten und in meinem Bereich auch mal an den Rand gehen, oder sogar darĂŒber hinaus, wenn ich das will.

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