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Markus Gabriel: «Ethische Intelligenz» (Teil 1) – Darstellung & kritische Einordnung

In dieser Folge von «mindmaps» sprechen Manuel und Peter über Markus Gabriels Buch «Ethische Intelligenz» und rekonstruieren dessen Grundidee.

Gabriel versteht KI nicht als neutrales Instrument, das der Mensch einfach benutzt, sondern als Technologie, die tief in Wahrnehmung, Kommunikation und gesellschaftliches Zusammenleben eingreift.

Im Zentrum steht seine These, dass heutige KI-Systeme nicht mehr bloss rechnen, sortieren und optimieren. Sie treten als dialogische Systeme auf, reagieren auf emotionale Muster und prägen dadurch auch das Verhältnis des Menschen zu sich selbst.

Daraus gewinnt Gabriel die Hoffnung, KI könne zum ethischen Sparringspartner werden:

als Spiegel unserer Widersprüche, als Resonanzraum moralischer Selbstverständigung und vielleicht sogar als Hilfe auf dem Weg zu einem humaneren Zusammenleben.

Anerkennung und Kritik

Manuel und Peter arbeiten heraus, weshalb diese Diagnose so anziehend ist. Zugleich markieren sie schon im ersten Teil entscheidende Vorbehalte: gegen den Ton der Unausweichlichkeit, gegen die schnelle Absage an politische Regulierung und gegen die Frage, ob Gabriels Zukunftsbild reale Macht- und Gefährdungslagen wirklich präzise genug erfasst.

In der nächsten Folge der neuen mindmaps-Reihe geht das Gespräch noch tiefer in die Kritik: dann geht es um Bewusstsein, Freiheit, moralische Tatsachen und die Frage, was den Menschen im Gegenüber zur KI eigentlich auszeichnet.

 

In der neuen Reihe von «mindmaps» werden aktuelle Sachbücher kontrovers und mit philosophisch-theologischem Tiefenblick besprochen. Die Reihe erscheint in Kooperation mit der EKS (Evangelisch-reformierte Kirche Schweiz) – momentan im Wechsel mit Folgen in der «alten», philosophiegeschichtlichen Reihe. Bei unserem Zweiwochen-Rhythmus dürft ihr euch also auf etwa eine Buchbesprechungs-Folge und eine Philosophiegeschichts-Folge pro Monat freuen…

1 Kommentar zu „Markus Gabriel: «Ethische Intelligenz» (Teil 1) – Darstellung & kritische Einordnung“

  1. Schade, dass die beiden Folgen auseinandergerissen wurden. Die erste hinterlässt ein zwiespältiges Bild, gerade weil die fundamentalen Kritikpunkte zum Buch erst in ein paar Wochen vorliegen.

    Die Kritik, dass Gabriel nichts zur Bedrohung durch KI auf dem Arbeitsmarkt sage, ist nicht zentral. Diese Bedrohung besteht, aber nicht jedes KI-Buch muss alle Bedrohungen auflisten und benennen.

    Zweitens ist es im Bereich der KI wohl wichtig, die Fakten wenigstens einigermassen korrekt wiederzugeben. Natürlich ist es philosophisch nicht unbedingt relevant, aber Anthropic hat nicht Claude zurückgezogen, sondern Claude Mythos 5 nie freigegeben. Sie haben eine abgespeckte Version, Claude Fable 5, freigegeben, die dann von der Regierung unter Verweis auf die nationale Sicherheit nach drei Tagen für Nicht-US-Bürger verboten wurde, was zu einem faktischen Verbot der Version führte.

    Es würde mich interessieren, ob Hubers Ich-Du-Beziehung, die er gerade auch für nicht-bewusste Einheiten wie Bäume zulässt, hier relevant ist. Buber sagt, dass sich für uns eine eigentliche Ich-Es-beziehung mit einem Objekt wie eine Ich-Du-Beziehung mit einem Gegenüber anfühlen kann. Denken wir auch an Wilson in Cast Away. Die KI kann nun ein Gegenüber wesentlich besser simulieren, als es zuvor je möglich war.

    Ich freue mich auf die zweite Folge und hoffe, dass sie substantieller und technisch-faktisch korrekter sein wird.

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