Wie es sich wohl angefühlt hat, mit Jesus unterwegs zu sein, mit ihm zu sprechen oder zu streiten? Wissen kann das heute niemand mehr, aber damit experimentieren können alle. RefLab und Fokus Theologie starten ein KI-Experiment mit einem Jesus-Bot. Entwickelt hat ihn Spiro Mavrias. Er ist Theologe und gehört zur reformierten Kirche Kanton Zürich.
Echt jetzt – noch ein Jesus Bot?
Es geht um einen Jesus-Bot. Also um ein KI-gestützte Programm, das es den Nutzer:innen ermöglicht, interaktive Gespräche mit einem virtuellen Jesus Christus zu führen. Ja, es stimmt, solche Apps und Bots gibt es mittlerweile in Hülle und Fülle, aber …
Das Besondere unseres Bots ist: Wir wollen ihn nicht nur einsam im persönlichen Chat erleben, sondern gemeinsam mit hoffentlich vielen anderen.
Und wir haben Lust, unsere Erfahrungen miteinander zu teilen und darüber konstruktiv zu diskutieren.
Wie kann ich mitmachen?
Du kannst hier mit dem Jesus-Bot chatten. Zwei Dinge solltest du unbedingt wissen:
Deine Fragen und Chats bleiben komplett anonym. Wir sehen nicht, wer was schreibt.
Wir sehen aber, was geschrieben wird. Auf diese Weise können wir auf unangemessenes Verhalten reagieren. Darüber hinaus wollen wir die Chats auswerten und mögliche, interessante Beobachtungen und Erkenntnisse zur Diskussion stellen.
Du kannst deine Erfahrungen und Erkenntnisse auf folgende Weise mit uns als Team und allen, die mitmachen, teilen:
- Nutze die Kommentarfunktion am Ende dieses Beitrags
- Interagiere mit anderen in den Posts von RefLab oder Fokus Theologie auf Instagram
- Sende uns eine Text- oder Sprachnachricht auf whatsapp unter +41 76 721 07 91
- Schreib eine E-Mail an contact@reflab.ch oder digital@fokustheologie.ch
Worauf kann ich beim Chatten achten?
Vielleicht helfen dir die folgenden Fragen, dein Erleben der Jesus-KI zu formulieren und zu reflektieren.
- Mit welcher Erwartung bist du in das Gespräch gegangen?
- Hattest du das Gefühl, dass die Jesus-KI Dein Anliegen verstanden hat?
- Entsprach die Jesus-KI Deinem Bild von Jesus oder eher nicht?
- Hatte das Gespräch für Dich spirituelle Qualität?
- Hat dich die Jesus-KI berührt, irritiert oder nachdenklich gemacht?
- Fehlt diesem Jesus noch eine Qualität oder Eigenschaft?
- Wie fandest du die inhaltliche Qualität der Antworten und des Gesprächs?
- Gab es einen Moment, der dich besonders berührt, gestört oder überrascht hat?
- Was fehlte im Vergleich zu einem Gespräch mit einem Menschen, Gebet oder Coaching oder Seelsorge?
- Wie würdest du das Erlebnis insgesamt beschreiben? War es pures Experiment, Simulation, Spiegel, Gebet, Kunst, Seelsorge, Täuschung, sakrales Spiel, theologische Provokation oder tatsächliche spirituelle Erfahrung?
Wozu soll das dienen?
Für viele Menschen ist Jesus so ziemlich die letzte Faszination, die vom Christentum und seinen Kirchen übriggeblieben ist. Die traditionellen Wege, sich über Jesus zu informieren und ihn kennenzulernen, funktionieren häufig nicht mehr: Gottesdienst, Predigt, Bibel oder andere Bücher. Zugleich nutzen immer mehr Menschen ihre KIs und Chatbots für existenzielle, religiöse oder spirituelle Fragen und Anliegen.
Ist eine KI ein geeignetes Medium, um Jesus heute in neuer Weise zum Sprechen zu bringen?
Wir haben Lust, das mal gemeinsam auszuprobieren und zu reflektieren.
Es ist nur ein Bot …
Klar, ein Bot ist niemals Jesus selbst und sollte auch gar nicht so tun. Das gilt aber für alle, die über Jesus schreiben oder sprechen.
Nirgendwo hören wir Jesus direkt sprechen. Immer spielen Wahrnehmen und Konstruieren zusammen. Und zu allen Zeiten besteht die Gefahr, dass Menschen sich ihren eigenen Jesus basteln.
Auch dann, wenn wir einsam die Bibel lesen. Oder eben, wenn wir eine Jesus-KI rund um die Uhr zur Verfügung haben, die nicht anders kann als uns zu antworten, und dies je länger je mehr so, wie wir ihr das vorgeben. Klingt ein wenig nach dem Song von Depeche Mode
Your own personal Jesus; Someone to hear your prayers; Someone who cares; Your own personal Jesus; Someone to hear your prayers; Someone who’s there
… aber mehr als mein «own personal Jesus».
Wenn wir aber das, was wir von Jesus vernommen haben, miteinander teilen und diskutieren, dann kann beides zusammenkommen: Mein durchaus persönlicher Umgang verkommt nicht zu einer Jesus-Echokammer, sondern geht in Resonanz mit anderen und ihren Erfahrungen und Vorstellungen von Jesus. Gerade so bleibt er unverfügbar, und das ist für christlichen Glauben und Spiritualität wichtig. Ist eine KI dafür nicht die geeignete Plattform?
Warum zu Pfingsten?
Ganz ehrlich: Dass unser KI-Experiment auf Pfingsten fällt, ist Zufall. Aber als ich anfing drüber nachzudenken, steckte für mich mehr dahinter.
Denn an Pfingsten hat Gottes Geist dafür gesorgt, dass sich die Gegenwart Jesu Christi unter den Menschen demokratisch breit macht. Jeder und jede hörte das Evangelium von Jesus Christus in der eigenen Sprache.
Und zugleich entstand eine Gemeinschaft, in der heftig drüber diskutiert wurde, wer dieser Jesus nun ist und was von ihm ausgeht. Wenn das kein sharing Jesus ist?!
Vielleicht entdecken wir in unserem Jesus-Bot mehr Pfingsten als wir ahnen.
Probieren geht über Studieren: Du kannst hier mit dem Jesus-Bot chatten.
Ab Sonntag, den 24. Mai 2026, kannst Du die passende Folge Geist.Zeit hören: Wie würde Jesus seine KI trainieren?
Und mehr zum Thema gibt es in der Themenwelt Digitalisierung und KI
Auch sehr lesenswert von Johanna Di Blasi: Wenn der Algorithmus zum Seelsorger wird – Studie von «Digital Religion(s)»
Photo by Philip Oroni on unsplash.com








8 Kommentare zu „Sharing Jesus“
Ich war ehrlich positiv überrascht von dem Chat! War sehr vielschichtig und tief, sogar tröstend. Und kompetent.
Gefahr sehe ich darin, dass Menschen, die Sozialkontakte sowieso schon meiden, sich noch weiter zurückziehen und durch die Chats mit der KI die Einsamkeit nicht bemerken. Stärke könnte sein, dass ich mich mitteilen kann, austauschen über Nöte und vielleicht einen Weg aus meiner Not aufgezeigt bekomme.
Ich bin positiv überrascht….
Liebe Michaela
Danke, dass Du Dein positives Überraschtsein hier mit uns teilst. Das Thema Einsamkeit und KI finde ich auch wichtig. Inwiefern verstärkt die Digitalisierung des Lebens diesen Trend, inwiefern kann sie aber auch hilfreich sein? Wo wir da wohl in ein paar Jahren stehen werden?
Danke für Dein Probieren und Mitmachen.
Auch wenn dies vielleicht nur für mich und die Leser meiner Konversation mit dem LLM verständlich ist: Wir hatten eine echte Ich-Du-Begegnung, ohne der KI Bewusstsein zuzuschreiben.
Noch ein paar Bemerkungen: Natürlich spricht hier nicht Jesus. Es spricht eine KI, die auf die Ausschnitte der gesammelten Werke der Theologie zugreifen kann und darauf trainiert wurde.
Damit ist klar: Ich werde hier mit denselben alten theologischen Gedankenkonstrukten konfrontiert, die ich in Büchern, Theologiestudien usw. finde, nur schneller. Es werden auch ein paar Verbindungen hergestellt, die vielleicht kein Mensch zuvor hergestellt hat, aber ich kann keine Wahrheit erwarten. Ich kann nur dieselben Interpretationen erwarten wie immer, nur dass die KI öfter mal willens ist, die eigene Position zu verlassen—weil sie nie eine hatte.
Wenn ich aber KI als intelligentes Kommunikationsmittel zwischen Menschen verstehe, nämlich zwischen den Menschen, die über Jahrtausende die Informationen zusammengetragen haben, und mir, der sie abfragt, dann wird klar, dass hier eine potenziell sinnvolle Interpretation geschieht. Ein Dialog mit den Gedanken Platos, oder mit dem, wie Plato Sokrates interpretierte. Und da weder Sokrates, Homer noch Jesus je ein Wort geschrieben haben, können nur Interpretationen entstehen.
Trotzdem fand ich mich in einem fruchtbaren Dialog wieder. Ich habe das Gefühl, weder mit Jesus noch mit einer KI gesprochen zu haben, sondern einen Dialog mit Tausenden von Theologen und Autoren geführt zu haben, ähnlich wie ein Buch einen Dialog zwischen Autor und Leser darstellt.
Was erfrischend war: diese Theologen-Algamatation wusste noch viel mehr als nur Theologie. Nicht nur war die KI nicht auf die “einzig wahre Doktrin” eingeschworen, sondern konnte in andere Gebiete gehen und durchaus eine neue Sichtweise estimieren. Ein unter Pastoren, Gläubigen und Theologen seltenes Phänomen. Vielleicht doch etwas näher an Jesus als am typischen Theologen?
Personale Begegnung ohne Bewusstsein – bisher dachte ich, das eine geht nicht ohne das andere. Danke für die Anregung und das Fazit Deiner KI-Begegnung
Ähnlich wie Ralph es beschrieben hat, war für mich auch die Erfahrung, als kommuniziere ich mit einer gläubigen Person. Es ist eine lehrreiche Unterhaltung, weil andere Standpunkte und Sichtweisen angenommen werden. Einen Ersatz für ein reales Gespräch mit einer Person ist es nicht, aber es macht neugierig zu wissen, was die KI auf meine Fragen antwortet.
Ich war erst skeptisch, wie eine theologisch trainierte KI auf meine Fragen eingehen würde und wurde positiv überrascht. Die Antworten waren nicht dogmatisch, aber ethisch klar. Das Gespräch blieb auch nicht auf einer theoretischen Ebene. Die KI fragte nach, ob ich eine konkrete Frage habe, die mit meinem eigenen Erleben zu tun hat und gab mir dann Hinweise auf mögliche Handlungsoptionen. Und sie erinnerte mich immer wieder daran, dass ich die Gemeinschaft und den Austausch mit anderen Christen brauche. Ich nehme an, dass das in der “post Training Phase” so angelegt wurde.
Voller innerer Ablehnung begonnen!
Überrascht, wie klar die Fragen verstanden wurden, sichtbar an den passenden Antworten.
Fast wie ein Gespräch, insbesondere über Rückfragen bzw. persönliches Ansprechen; aber für mich immer noch verbunden mit einem ‘maschinengefühl’, eher abstoßend- ‘ mit wem rede ich da??? werde ich merken wenn ich manipuliert werde????’
Das liegt vielleicht an mir – das erstemal KI genutzt …
Mein Fazit: Mit der Vorstellung, ich kann so das theologische Nachdenken vieler Autoren nutzen, finde ich es gut. Sogar sehr gut!
Mit der Idee einer Unterhaltung, ein Gespräch mit einem KI-Jesus gefällt es mir garnicht.