Es geht um einen Jesus-Bot. Also um ein KI-gestützte Programm, das es den Nutzer:innen ermöglicht, interaktive Gespräche mit einem virtuellen Jesus Christus zu führen. Solche Bots gibt es mittlerweile in Hülle und Fülle. Das Besondere unseres Bots ist: Wir wollen ihn nicht nur einsam im persönlichen Chat erleben, sondern gemeinsam mit unseren Hörer:innen Erfahrungen sammeln und darüber reflektieren.
Unser KI-Jesus wurde von Spiro Mavrias erstellt. Du kannst ihn hier ausprobieren und unser Experiment mitgestalten und bereichern.
Um Jesus-Chatbots geht es in dieser Folge mit Christina Aus der Au und Andi Loos. Beide haben sich anlässlich der «Bibel-Genuss-Tage 2025» in Flims getroffen. Sie spüren der spirituellen Sehnsucht nach, die in den unzähligen Apps und Jesus Bots zum Ausdruck kommt. Und die Frage poppt auf, ob etliche Nutzer:innen die Jesus-KI nicht als den besseren Gott erleben?
Ist das eine echte Interaktion, die da zwischen einem Jesus-Bot und uns stattfindet? Oder fühlt sich das nur täuschend echt an? Andi ist hier eher skeptisch, während Christina Aus der Au überraschende Aspekte einspeist, die zeigen, wie eine KI uns tatsächlich als kommunizierendes Du gegenüberstehen kann. Sind wir gerade dabei, etwas ähnliches zu erleben, wie Gott mit uns Menschen? Dass etwas, was wir ursprünglich geschaffen haben, sich von uns emanzipiert und uns in eigener Freiheit gegenübertritt?
Wie und mit welchen Daten sollte eine KI trainiert werden, damit sie einigermassen nach Jesus klingt? Das Gespräch macht klar: So einfach ist das gar nicht. Sollte da wirklich alles herangezogen werden, was im Neuen Testament und darüber hinaus in den Jahrtausenden danach über Jesus geschrieben worden ist? Und damit auch alle fragwürdigen Jesusbilder. Ein KI-Jesus mutet uns zu, seine Antworten kritisch zu bedenken und zu fragen, ob darin Jesus zu uns spricht. Und das gelingt wohl nur gemeinsam.
Alle Infos zum KI-Experiment «Der gemeinsame Jesus» gibt es hier oder hier.
Wer Christina Aus der Au ist, erfährst Du hier.
Das Kloster Kappel bietet vom 5. bis 6. Juli 2026 Klostertage zum Thema KI und Spiritualität an.
Auch sehr lesenswert von Johanna Di Blasi: Wenn der Algorithmus zum Seelsorger wird – Studie von «Digital Religion(s)»








9 Kommentare zu „Christina Aus der Au: Wie würde Jesus seine KI trainieren?“
Lieber Andi
Ich höre gerade parallel zum Schreiben diesen Podcast.
Den Vergleich mit dem Erleben Gottes mit uns Menschen im Paradies finde ich sehr spannend. Wie würdest im Detail die Parallelen ziehen (bei Stichworten wie “Red Flag” & “Systemprompt”)? Und müssen/können wir die KI nicht irgendwie aus dem “Paradies” aussperren, damit sie nicht wird wie wir und ewig lebt/lernt? Meiner Meinung nach isst die KI nämlich gerade vom Baum der Erkenntnis und das macht mir Sorge. In diesem Paradies gibt es mehr als eine Schlange und vertreiben aus dem Paradies können wir weder die KI noch die Schlange.
Ich will den Vergleich mit den Paradiesgeschichte nicht überstrapazieren. Mir ging es lediglich um die Beobachtung, dass der Schöpfer seine Geschöpfe schöpferisch macht. Diese ermächtigende Freiheit scheint so heilig zu sein, dass sie auch dann nicht zurückgenommen wird, wenn sich die Geschöpfe in ihrer Handlungsvollmacht gegen ihren Schöpfer wenden. Vielleicht erleben wir ja was ähnliches mit der von uns geschaffenen KI. Zugleich sind wir zum Glück nicht Gott. Wir kommen wohl nicht umhin, die Freiheiten der KI bewusst und nach ethischen Kriterien einzugrenzen.
Andi, du hast gesagt, dass die KI von Menschen programmiert wurde um auf bestimmte Art mit einem Menschen zu reden.
Ist es mit einem menschlichen Berater nicht genauso? Er hat eine Ausbildung genossen in einer bestimmten Ausbildungsstätte. Wird man nicht immer erkennen können, wenn Menschen in einer bestimmten Ausbildungsstätte gelernt haben? Werden Pastor:innen von St. Chrischona oder Wiedenest oder der Uni Tübingen oder… nicht immer wieder besondere Merkmal haben, die ihnen Menschen aufgeprägt haben? Natürlich ist der einzelne “Ausgebildete” natürlich noch ein Individuum, aber ist die grundlegende Betrachtung nicht vergleichbar?
Ich fand die Ähnlichkeiten, die Christina zwischen der Mensch-Mensch und der Mensch-KI Kommunikation andeutete, auch überzeugend. Und doch: Das zwischenmenschliche Gespräch lebt von einer Freiheit, die der KI so nicht zu eigen ist. Ja, wenn ich mit einem Menschen rede, dann tue ich das in gewisser Weise auch so, wie man es mir beigebracht hat. Und ich höre hoffentlich wirklich zu und lassen mich auf mein Gegenüber ein. Aber eben: Ich tue das, weil ich es will. Und die Resonanz bleibt unverfügbar.
Etwa ab Minute 35 redet ihr über das Training eines “Jesus-Bots”. Zusätzlich zur Kirchengeschichte und allen Gedanken, die jemals gedacht wurden, müsste man auch die gesamte Gesellschaft mit erfassen, weil die Gemeinde sich immer im Miteinander und Gegeneinander der jeweiligen Gesellschaft entwickelt hat. Nur dann könnte so ein Bot das NT “weiterschreiben”.
Danke, dass Du das noch mal ausdrücklich ausweitest. Ich hatte das auch so gemeint, dass bis in unsere Gegenwartskultur über Jesus nachgedacht, geschrieben, geredet, geschauspielert, gesungen und musiziert wird. Eine Jesus KI kann darauf nicht verzichten. Ich bin da wahrlich kein Experte, aber dieses Weiterschreiben ist ganz stark teil jüdischer Theologie und Umgangsweise mit heiligen Schriften.
Meine Frau hat den Bot gleich ausprobiert. Und sie war in jeglicher Hinsicht positiv überrascht. Bei der Antwort auf deine Frage, ob Schweigen für den Bot eine Option sei meinte sie – nicht ich! – es sei klar, dass dies nicht ginge, es sei schliesslich DIE KI und somit weiblich 😉
LG
Freut mich, dass sich anscheinend mehrere Personen einmal eingelassen haben auf den KI-Jesus und sich überraschen liessen. Und das alles noch mit ein wenig Selbstironie.
Hi, ich habe sie auch ausprobiert. Mit 2 Fragen, mit denen ich mich schon lange beschäftige. Die Antworten waren super, auch immer gleich eine passende Rückfrage. ich glaube schon, dass sie auch das Kernstück von Jesu abbilden. Mit Rückfragen, und es hat sich wie ein sehr kluger, emphatischer, bestätigender Mensch angehört und ging dann schnell von der Sachfrage ins Seelsorgerliche über.
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Dann habe ich mich gefragt, wenn nun jemand aus der anderen Seite des Spektrums (z.b. eine bekannte Christfluencerin) jetzt ihre Fragen stellen würde, ob auch sie so viel Bestätigung kriegen würde? Ich habe die KI gefragt, ob sie auch mal widersprichst, worauf sie mir punke gesagt hat, bei denen sie widersprechen würde. Es kommt bestimmt auch darauf an, mit welchem Material sie gefüttert wird und auch, mit welchem nicht. Das ganz konservative Material – hat sie auch dieses “Futter” und sortiert es dann nach den Maßstäben: “Liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst”? Oder bekommt sie das erst gar nicht?
Ich würde als Fazit geben: Es ist toll. Die Einschränkung ist,, das der Lernweg fehlt, und wenn das nicht mehr passiert, dass jemand für sich selber mit Gott Fragen bewegt, oder dass sich eine Gruppe zusammen mit einem Thema auseinander setzt, und man sich gegenseitig die Rückfragen stellt, dann würde was wichtiges fehlen, was ich glaube, für die Zukunft viel Bedeutung hat:: eine Gottesbeziehung, ein trainiertes Gewissen, und eine Gemeinschaft von Leuten, die zusammen Nachfolgen wollen…Leute, die zusammen überlegen, was richtig und jesusmäßig ist.
Aber vielleicht würde die KI das sogar selber empfehlen 😉