Dein digitales Lagerfeuer
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Niklaus Brantschen: Um Himmels willen Schamanismus!

«Himmel & Erdung»

«Himmel & Erdung»: Unter diesem Namen läuft mein Podcast weiter!

Den Auftakt von «Himmel & Erdung» bildet ein Gespräch mit dem Bestsellerautor, spirituellen Lehrer und interreligiösen Vermittler Niklaus Brantschen. Der Schweizer Jesuit und Zen-Meister war mein Gast in einer Live-Podcastaufnahme beim zweiten RefLab-Podcastfestivals im Theater Millers in Zürich.

Anlass unseres Gesprächs war Brantschens jüngstes Buch «Du bist die Welt. Schamanischer Weisheit auf der Spur». Der Autor ist der Meinung, dass wir es uns als Christ:innen zu einfach machen, wenn wir Schamanismus als «Neuheidentum» abtun oder in die Esoterikecke drängen. Allenthalben kehre nämlich Verdrängtes wieder.

In vorreligiösen Wurzeln könnten, so meint jedenfalls der Autor, Elemente einer «Religion der Zukunft» zu finden sein.

Die Podcastaufnahme, die ihr nun hören könnt, ist ergänzt um Bonusmaterial; Informationen, die in der Dynamik der Live-Veranstaltung keinen Raum hatten.

Die «TheoLounge»-Folgen mit Gästen wie Peter Sloterdijk, Linda Woodhead oder Anselm Grün bleiben in meinem Kanal erhalten.

In «Himmel & Erdung» möchte ich mit meinen Gästen herausfinden, wie wir in der digitalen Gegenwart spirituell leben können, zeitgemäss, Off- wie auch Online.

Niklaus Brantschen sagte während unserer Live-Veranstaltung spontan einen Satz, den ich als Leitsatz für meinen Podcast «Himmel & Erdung» mitnehme:

🍀 «Wenn du es schaffst, den Himmel unter die Fingernägel zu bekommen, als Erde, als dreckige Erde, dann ist es gut.»

«Du bist die Welt» – worum geht es?

In seinem Buch begibt sich der Autor auf die spannende Spurensuche nach schamanischer Weisheit. Vorurteile von wegen «Aberglaube», «primitive Glaubensvorstellungen» oder «Zauberei» bekümmern ihn nicht. Er will sich verzaubern lassen. Soll er trommeln lernen, über Feuer springen, Ayahuasca nehmen, mit Mitte 80? Nicht unbedingt. Aber eintauchen mit Haut und Haar in alles, «was da kreucht und fleucht» – und sich verwandeln lassen.

Ein alter Mann läuft mit nackten Füssen über Wiesen und durch den Bach nahe seines Hauses. Gehört sich das? Ja! Er will das Leben in Fülle und in der Tiefe kosten und schmecken.

Brantschen entdeckt in Aussagen von Schamanen überraschende Parallelen zu eigenen Haltungen und Erfahrungen: in der Zen-Meditation wie auch als Christ, für den Schmerz, Leid und Mitleid zentrale Erfahrungen auf dem spirituellen Weg sind.

Betrachtung, die uns betrachtet

Tief beeindruckt ihn der Autor Malidoma Patrice Somé aus Burkina Faso, ein Jesuitenzögling, der im Internat Missbrauchserfahrungen machte und, zurückgekehrt in sein Dorf, eine Initiation durchlief. Somé schreibt darüber in seinem Buch: «Vom Geist Afrikas. Das Leben eines afrikanischen Schamanen». Somé notierte:

«Die Macht der Stille ist gross. Sie erzeugt Stille in allen Dingen, denen man begegnet. Sie ist überall und steht jedermann und jederzeit zur Verfügung. Sie ist selbst die Kraft in uns, die uns stark, vertrauens- und liebevoll macht. Sie ist Betrachtung, die uns betrachtet.«

Eine weitere tiefe Lektüreerfahrung ist «Les yeux de ma chèvre» («Die Augen meiner Ziege») von Éric de Rosny, ein Buch eines französischen Anthropologen und Jesuiten. Dieser liess sich Mitte des 20. Jahrhunderts in westafrikanische schamanische Kulte initiieren, voller Neugier, Menschenliebe und frei von Vorurteilen. De Rosny erlebte, angeleitet von einem afrikanischen Schamanen, das «Öffnen der Augen».

Etwas Ähnliches durchlaufen Zen-Meditierende. Erleuchtungserfahrung ist Voraussetzung für die Lehrbefugnis als Zen-Meister.

Seine Nichte, die Schamanin

Der Anstoss zu seinem Buch über schamanische Weisheit aber kam von seiner Nichte aus dem Berner Oberland, einer heil- und kräuterkundigen Frau.

«Bist du eine Hexe?», fragte Niklaus Brantschen seine Nichte. Ihre Antwort: «Vielleicht eine Kräuterhexe oder eine Schamanin». Die Aussage liess den Autor nicht mehr los.

Ich freue mich, wenn ihr mir die Treue hält oder meinen Podcast, wenn ihr das noch nicht getan habt, abonniert: auf Spotify, Apple Podcast und wo es sonst Podcasts gibt. Kommentare, Wünsche, konstruktive Kritik ist willkommen!

Neu in meinem Spiritualitätspodcast ist die Rubrik: Fünf Himmel-und-Erdung-Einsichten.

Fünf Himmel-und-Erdung-Einsichten aus dem Gespräch mit Niklaus Brantschen.

1. Den Himmel unter die Fingernägel bekommen

Spiritualität ohne Erde bleibt eine Luftnummer. Erst wenn Spiritualität den Alltag durchdringt, wird’s echt.

2. Vorreligiöse Wurzeln statt Etikettenkrieg

Schamanisch ist weniger Kostüm als Grundhaltung: Verbundenheit, Respekt, Achtsamkeit. Keine Pose, sondern Praxis.

3. Weisheit schmeckt

Wahrheit erweist sich auch im Sinnlichen. Fasten, Atmen, Schmecken, Riechen – Erkenntnis wird auch gekaut und verdaut.

4. Heilen als Prüfstein

Religion, die nicht heilt, macht sich überflüssig. Mitgefühl ist kein Bonus, sondern der Test.

5. Ökologie als Mit-Leid

Mein Schrei und der Schrei der Erde sind eins. Ökologie heisst: Mitleiden, Rituale neu deuten, Zukunft anders einrichten.

Hier geht es zu einer Rezension von Niklaus Brantschens Buch «Du bist die Welt», die ich für das theologische Feuilleton «feinschwarz» geschrieben habe. 

Hier ein Blogbeitrag bei RefLab: «Unsere Ahnen, die Schamanen»

Foto: Greg Dobrzycki

Covergestaltung: Pascal Tautschnig

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