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Gibt es ein Wesen der Dinge? (Platon, Teil 2)

Nach islamistischen Anschlägen gehört es zum guten Ton, klarzustellen, dass das mit dem «wahren» Islam natürlich nichts zu tun hat. Manche Christen wiederum sind überzeugt, dass weite Teile der Kirche das «wahre» Evangelium verfehlen. Und in den Gender-Debatten jüngerer Zeit wird die Frage diskutiert, was «den» Mann oder «die» Frau «eigentlich» auszeichnet.

Manuel spricht in dieser Folge mit Peter über die Idee einer Wesensschau, die auf Platon zurückgeht – die Überzeugung also, dass es eine Essenz z.B. des Islam, des Christentums, der Geschlechter gibt. Platon geht davon aus, dass sich im philosophischen Dialog die «Sache an sich» freilegt – oder besser noch: dass sie sich dem Wahrheitssuchenden offenbart. Das berühmte platonische «Höhlengleichnis» macht deutlich, dass nur tugendhafte Philosophen diese Erkenntnis gewinnen.

Ist das aber nicht eine sehr elitäre Sicht? Und gibt es ein «Wesen der Dinge» wirklich?

Zu den Beitragenden

Manuel Schmid ist Mitarbeiter bei www.reflab.ch. Er wurde mit einer religionsphilosophischen Arbeit promoviert und liebt es, unsere Zeit und Gesellschaft durch vertieftes Nachdenken und angeregtes Diskutieren besser verstehen zu lernen.  

Heinzpeter Hempelmann ist Professor für Systematische Theologie und Religionsphilosophie, Autor von über 40 Büchern und 500 Aufsätzen (viele davon sind hier kostenlos abrufbar). Er ist ausgewiesener Experte in Fragen der Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie sowie der Lebensweltforschung – und er hat eine Leidenschaft für die verständliche Vermittlung komplexer philosophischer und theologischer Sachverhalte.

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4 Kommentare zu „Gibt es ein Wesen der Dinge? (Platon, Teil 2)“

  1. Herzlichen Dank für dieses wiederum spannende und anregende Gespräch. Meines Erachtens sind Platons Gedanken für moderne Menschen oft schwer nachvollziehbar, und seine Texte empfinde ich als stellenweise kaum lesbar, nicht zuletzt, weil er bisweilen zum Fabulieren neigt. Ihr schafft es, diese Konzepte in einen zeitgenössischen Kontext zu stellen und damit für uns relevant zu machen.
    Ich bin gespannt, wie Ihr in der nächsten Folge den wohl vielfältigen Einfluss Platons aufs Christentum nachzeichnet. Auch meinerseits muss ich zugeben: Je mehr ich mich mit theistischer Ontologie befasse und mich dadurch gedanklich dem Idealismus nähere, umso mehr tauchen Aspekte von Platons Philosophie (die ja auch gleichzeitig eine Theologie ist) wieder auf…

  2. „… Platon … bei einer seiner vielen Reisen nach Indien…“ Über den Austausch indischer und griechischer Philosophie würde ich gerne mehr erfahren. Habt ihr Literaturtipps dazu? Oder macht ihr sogar einen Podcast dazu?

  3. Martin Welters

    Erneut vielen Dank für Euren Podcast!

    Ich hatte eine schlechte letzte Nacht, konnte wegen zu spätem Kaffeegenuss auf einer Geburtstagsfeier am Nachmittag einfach nicht einschlafen. Um 1:30 Uhr wurde es mir zu bunt: Kopfhörer auf und Podcast angeschaltet. Normalerweise bin ich damit im Bett spätestens nach 10 Minuten weg.

    So haben mich aber Platon Teil 1, 2 und 3, sowie noch einmal Aristoteles Teil 1 wach gehalten. Ins Land der Träume ging es erst gegen 4:15 Uhr. 🙂 Der Arbeitstag heute war natürlich im Eimer…

    Super, meine Frage von letzter Woche an anderer Stelle, ob Ihr in späteren Folgen auch Popper besprechen werdet, hattet Ihr im Januar 2022 mit in Platon Teil 2 mit Poppers Kritik an Platons Anschauung („Totalitarismusvorwurf“) längst erübrigt! Ich es vermute jetzt, Ihr werdet Karl Popper eine eigene Folge spendieren!? Ich habe mittlerweile gesehen, das Peter in seiner Dissertation den kritischen Rationalismus behandelt hat.

    Apropos Totalitarismusvorwurf: Ich bin gespannt, ob Ihr die Kritik daran besprechen werdet (s. z.B. https://www.budrich-journals.de/index.php/zpth/article/download/5114/4270 ).

    Der eine Grund für meine Schlaflosigkeit, Eure sehr erfrischenden und interessanten Diskussionen (ich lerne so viel!), wurde aber wieder einmal durch Eure Formulierungen über Wahrheit, „Zugang zu Wahrheit“, Wahrheitsanspruch, etc. getoppt! Offenbar gibt es enttäuschender Weise in der Philosophie selbst in 2022 immer noch keine Klarheit über Wahrheit!?

    Wie soll man denn da schlafen? 🙂

    Wie schon vorher geschrieben, bin ich der Ansicht, dass ein neutraler Monismus mehr Klarheit bringen kann. Ein Monismus, der die menschliche Überheblichkeit, die klar im Idealismus und verborgen sogar im Physikalismus steckt, durch absolute Bescheidenheit ersetzt. Dieser neutrale „Realitäts-“ Monismus wie ich ihn mir vorstelle, baut dann auf den Prinzipien des kritischen Rationalismus auf.

    Bin gespannt, ob wir mal Gelegenheit finden, meine Vorstellungen zu kritisieren.

    Grüße aus HH

    PS: Muss jetzt schlafen gehen 🙂

    1. Manuel Schmid

      Lieber Martin, vielen Dank für deine erneute Rückmeldung – und ja: Popper darf in der Reihe natürlich nicht fehlen, Peter ist ja ein Popper-Spezialist… Es könnte einfach noch eine Weile dauern, bis wir in der Neuzeit landen mit dem Podcast;-)
      Was deine nächtlichen Hörerlebnisse betrifft: Das ehrt uns natürlich, dass du dir die Nacht mit dem mindmaps-Podcast um die Ohren schlägst… ich hoffe aber, dass du nächste Nacht etwas mehr selige Ruhe erfährst…;-)

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