Pfannkuchen verbinde ich mit meiner Tante. Wenn meine Mutter gearbeitet hat, hat meine Tante nebenan für uns sechs Kinder Pfannkuchen gebacken. Mit Apfelmus und Zimt und Zucker. Im ganzen Haus roch es nach geschmolzener Butter.
In meiner Examenszeit habe ich dann eine Refluxkrankheit entwickelt. Ich stosse sehr oft auf, mein Magen ist sensibel geworden und findet Koffein und Kohlensäure gar nicht witzig. Zitronenwasser hilft mir morgens, um meinen Magen zu beruhigen.
Wie ich mich ernähre, ist, je älter ich werde, eine bewusste Entscheidung. Für bestimmte Lebensmittel, für meine Gesundheit oder meinen Genuss. Früher habe ich abends manchmal Chips und Frischkäse gegessen. Das ist mittlerweile fast undenkbar.
Erst recht, weil mir Social Media permanent erzählt, wie viel Protein ich zu mir nehmen soll, der Supermarkt mich vor die Wahl bio, vegan und/oder regional stellt und das enorme Angebot und die schier unendlichen Informationsquellen es verunmöglichen sich nicht mit dem Thema Ernährung auseinanderzusetzen.
Nicht nur Chips und Frischkäse
Dass Essen und Ernährung weit mehr sind, als Chips und Frischkäse essen, haben mir die vier Gespräche dieser Staffel von I feel you noch einmal eindrücklich gezeigt. Nach den Gesprächen mit einer Ernährungsberaterin, einem Philosophen, einem Theologen und einer Ayurveda-Therapeutin sehe ich das Thema deutlich komplexer.
Denn Ernährung hat mit Beziehungen zu tun. Mit Kultur, Spiritualität, Genuss. Mit Verantwortung, unserem Körper und manchmal sogar mit der Frage, wie wir leben möchten.
Hier findet ihr die zehn wichtigsten Learnings aus den Gesprächen. Und wer tiefer eintauchen möchte – hört gerne in die Podcastfolgen hinein.
1. Viel mehr als Nährstoffversorgung
Natürlich brauche ich Nahrung, um zu leben. Aber Essen erfüllt gleichzeitig emotionale, soziale und kulturelle Bedürfnisse. Erinnerungen an Gerichte aus der Kindheit, das gemeinsame Abendessen mit Freunden oder der erste Tee am Morgen zeigen: Essen nährt nicht nur meinen Körper, sondern nimmt grossen Einfluss auf viele verschiedene Bereiche meines Lebens.
2. Es gibt nicht eine Ernährung für Alle
Ob Ernährungswissenschaft oder Ayurveda – alle Gesprächspartner*innen waren sich in einem Punkt erstaunlich einig: Der Mensch steht im Mittelpunkt. Jeder Körper reagiert unterschiedlich auf Lebensmittel. Deshalb lohnt es sich mehr, den eigenen Körper kennenzulernen, als jedem neuen Ernährungstrend hinterherzulaufen.
3. Huhu, her mit der Aufmerksamkeit
Wie schmeckt mein Essen eigentlich? Bin ich hungrig? Wann bin ich satt? Wie fühle ich mich nach einer Mahlzeit?
So ganz bewusst stelle ich mir diese Fragen selten. Sollte ich aber vielleicht etwas öfter. Um ein Gefühl dafür zu bekommen, was mir gut tut, und was nicht. Ein bisschen mehr Aufmerksamkeit mit dem Essen kann sinnvoll sein, um einen persönlichen Ernährungsplan aufzustellen.
4. Genauso wichtig wie das Essen selbst
Nicht nur was ich esse, sondern auch wie ich esse, macht einen Unterschied. Langsam essen, ausreichend kauen, Pausen zwischen den Mahlzeiten, eine ruhige Atmosphäre und eine gute Verdauung tragen oft mehr zum Wohlbefinden bei als komplizierte Ernährungspläne.
Oder wie es im Ayurveda heißt: Du bist nicht, was du isst – sondern was du verstoffwechselst.
5. Geniesse es(sen)
Gesunde Ernährung bedeutet nicht, ständig auf alles zu verzichten, was Spass macht. Essen ist so viel mehr als Kalorien zählen und Nährstoffe überprüfen. Essen sollte Spass machen!
Ein Stück Kuchen mit Freunden, ein gutes Glas Wein oder das Lieblingsessen der Kindheit haben genauso ihren Platz wie Gemüse und Vollkorn. Entscheidend ist nicht die Ausnahme, sondern die Gewohnheit.
6. Gemeinsam isst’s besser
Fast alle Gäste haben betont, wie wichtig Gemeinschaft beim Essen ist. Gemeinsame Mahlzeiten schaffen Nähe, Vertrauen und fördern den Austausch von Menschen. Sie erinnern mich daran, dass Essen Menschen verbindet – in Familien genauso wie in Religionen oder Kulturen.
Ein geteiltes Brot schmeckt meistens besser als ein Brot für sich allein. Mindestens beim Abendmahl.
7. Du lebst, wie du isst
Jede Mahlzeit ist auch eine Entscheidung. Woher kommen meine Lebensmittel? Wer hat sie produziert? Wie wurden Tiere, Natur und Menschen dabei behandelt?
Ernährung ist deshalb immer auch ethisch. Nicht im Sinne von Perfektion oder Moral, sondern als Einladung, mich bewusst zu fragen, welche Welt ich mit meinem Einkauf unterstützen möchte.
8. Mehr als nur süss
Ein Gedanke aus dem Gespräch mit dem Theologen Ralph Kunz ist mir besonders hängen geblieben: Ein reifes Leben schmeckt nicht nur süss. Auch Bitteres, Saures und Schweres gehören dazu.
Lebenserfahrungen sind auch nicht nur süss. Alles was herausfordernd, schwer und bitter schmeckt, gehört ebenso dazu. Es ist meine Aufgabe, diese Geschmäcker in mein Menüplan zu integrieren.
9. Kleine Schritte
Alle Expert*innen waren erstaunlich zurückhaltend mit radikalen Empfehlungen. Niemand sagte: Ab morgen musst du alles anders machen.
Stattdessen ging es immer wieder um kleine Schritte: etwas bewusster essen, öfter frisch kochen, sich Zeit nehmen, den eigenen Körper beobachten oder regelmäßige Rituale entwickeln. Nachhaltige Veränderungen entstehen selten durch Perfektion, sondern durch Wiederholung.
10. Dankbar sein
Ich bin abhängig. Von der Natur, von den Menschen, von Zeit und Fürsorge. Mein Essen ist niemals selbstverständlich, weder die Nahrungsmittel die ich zu mir nehme, noch die Menschen mit denen ich das Essen teilen darf. Mich daran zu erinnern, kann helfen, die Perspektive auf die eigene Ernährung neu auszurichten.
Fazit
Ja, was ist nun eigentlich mein Fazit. Mache ich viel anders, nach diesen Gesprächen? Vermutlich nicht. Aber ich entscheide mich ein bisschen bewusster, was ich esse. Das ist vielleicht mal ein Anfang. Und ich geniesse noch ein bisschen mehr.
Die aktuellen Folgen zum Thema Ernährung findet ihr hier!
Meine Gäst*innen in den Gesprächen waren Harald Lemke, Alexandra Krahl, Jana Orb und Ralph Kunz.


1 Kommentar zu „Was ich über Ernährung gelernt habe“
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein…