Ein Knackpunkt betrifft die Balance zwischen historischem Verstehen und persönlicher Anverwandlung biblischer Texte. Dass die Bibel durch wissenschaftliche und historische Auslegung erst einmal fremd und kompliziert wird, ist nötig. Wie aber kommt es zu einer Dynamik, in der uns die Texte wieder nahe kommen, uns berühren und zu Herzen gehen? Andi und Thorsten berichten von persönlichen Erfahrungen und sprechen über gelungene Beispiele, in denen Dekonstruktion und Rekonstruktion zusammenspielen.
Als nächstes gibt es einen Nachschlag zur Podcast-Folge mit Sonja Ammann über die Gewalttexte des Alten Testaments. Andi macht klar, wie brutal manche Gottesbilder der Bibel sind. Er stellt die einflussreichsten theologischen Strategien zum Umgang mit Gottesbildern der Gewalt dar und diskutiert dann mit Thorsten jeweils die Schwächen und Stärken. Auch wenn lange nicht alles zu diesem schwierigen Thema gesagt werden kann, so bleibt am Ende die begründete Überzeugung: Die Texte hatten damals eine wichtige Funktion, auf die wir in unserer gewalthaltigen Zeit nicht verzichten sollten: Sie eröffnen einen Raum, in dem Betroffene einen guten Umgang mit Erfahrungen von Gewalt entwickeln können.
Als dritte Herausforderung nehmen die beiden Podcaster das aktuelle Buch von Michael Roth auf und fragen, ob die Bibel wirklich so gefährlich für die Ethik ist, wie er behauptet. Ist eine Ethik ohne Bezug zur Bibel noch eine theologische Ethik? Welche Rolle kann die Bibel in ethischen Problemen unserer Zeit spielen, die in biblischen Zeiten noch gar nicht da waren? Thorsten plädiert dafür, die Bibel als Ausgangs- und Bezugspunkt zu nehmen und sich von ihr in unserer ethischen Arbeit irritieren und inspirieren zu lassen.
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2 Kommentare zu „Wo uns die Bibel immer noch herausfordert“
Die Bibel als Schule der Wahrnehmung und als Irritation unserer Überzeugungen sind bleibende Eigenschaften für Christinnen und Christen.
Wieder mal ein großartiger Podcast. Vielen Dank dafür und erholt euch gut. Ich freue mich darauf, wenn ihr wieder zurück seid.
Danke für das ermutigende Lob und die wohlwollenden Feriengrüsse, die ich direkt mal gerne zurückgebe.
Für mich war das Bibel-Dossier eine mehrfache Weiterbildung. Hinsichtlich der ganzen Entstehung der Bibel – so mein Eindruck – habe ich wohl noch nie so offen und aufrichtig auf den Stand der historischen Forschung aber auch auf die Bibel selbst gehört. Und kurioserweise hat das mein Interesse an ihr nicht noch weiter gelöscht, sondern erweckt. Auch die Auseinandersetzung mit der historischen Funktion von Gewalttexten – etwa als Texte zum Umgang mit Gewalterfahrungen – hat meine Fixierung auf Apologetik gelockert: Es gab und gibt Menschen, für die diese Texte wichtig sind. Ich wünsche mir sehr, dass etliche unserer Hörer:innen ähnliche Erfahrungen gemacht haben.