Erst letzte Woche ist wieder ein neues Buch zum Thema Sexkauf erschienen. An seiner scharfen Rhetorik lässt sich gut ablesen, entlang welcher Linien das feministische Lager bei dieser Frage gespalten ist.
Die einen sprechen konsequent von «Sexarbeit», weil sie entstigmatisieren und den Beruf normalisieren möchten. Unter den Begriff fallen für sie Online-Inhalte, Escort-Services, der Strassenstrich, aber auch die Sexualbegleitung von Menschen mit Behinderung. Sie betonen die Würde und Selbstbestimmung der Frauen, die in diesem Bereich arbeiten, und unterscheiden dabei klar zwischen Sexarbeit und Menschenhandel.
Die anderen sprechen lieber von «Prostitution», weil sie im Begriff «Sexarbeit» eine Verharmlosung der Umstände sehen, unter denen die meisten Frauen in der klassischen Prostitution leben. Das Bild der gut bezahlten, selbstbestimmten Edelprostituierten halten sie für irreführend, weil es nur auf einen kleinen Teil der Frauen im Sexgewerbe zutreffe. Die meisten arbeiteten aus einer Notlage heraus, wegen einer Sucht oder unter Zwang.
Eines verbindet beide Lager: Sie wollen die Lebenssituation der Frauen im Sexgewerbe verbessern, ohne sie zu verurteilen oder zu beschämen. Uneinig sind sie sich darin, was hilft und was die Lage nur verschlimmert. Die Diskussion dreht sich also weniger um die Frage, ob Sex gegen Geld richtig oder falsch ist, sondern geht vom Leiden aus, das man wahrnimmt.
Für Noe orientiert sich eine theologische Position an der Würde des Gegenübers, die es nach dem höchsten Gebot, «Liebe deinen Nächsten wie dich selbst», immer zu wahren gilt. Damit ist man sofort beim springenden Punkt: Lässt es sich auf würdevolle Art gestalten, den Körper einer anderen Person zu mieten? Man kann diese Frage von den jeweiligen Umständen abhängig machen oder sie grundsätzlich beantworten. Zumindest in der klassischen Prostitution, wo eine fremde Frau häufig in einer Notlage ihren Körper vermietet, sieht Noe diese Würde verletzt.
Was denkst du dazu?
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
Ein Beitrag geteilt von RefLab – Podcasts, Vlogs & Blogs (@reflab.ch)





