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„Das ist ja wie in der DDR!“

Dass es jetzt schon wieder so sei, wie damals in der DDR – dieser Auffassung begegnet man gegenwärtig erschreckend häufig. Nicht nur Politiker, von denen man es erwarten würde, vertreten sie, sondern auch Schriftsteller, Intellektuelle, ganz normale Menschen mit DDR-Geschichte und auch Pastoren.

Was steckt dahinter? Wie kann man es als Westdeutscher verstehen? Wie kann man zwischen West und Ost darüber verständigen?

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4 Kommentare zu „„Das ist ja wie in der DDR!““

  1. Bettina Zarneckow

    Einen Menschen darauf aufmerksam zu machen, seine Maske über die Nase zu ziehen zählt also schon zum Denunziantentum – interessant?! Ich übe Solidarität in einer für alle sensiblen Situation und der andere mit unkorrekter Maske zieht egoistisch seine Bahnen, empfängt die Solidarität von anderen und ist selbst rücksichtslos. Das darf man doch wohl ansprechen. Ist man nicht sonst ein Duckmäuser?! Jedenfalls jein Denunziant!
    Bettina Zarneckow

  2. Ich kann die Argumente von Herrn Maaz und jenen, deren Sichtweise er schildert, überhaupt nicht nachvollziehen. Das, was er als “Mitläufertum” bezeichnet, hat doch mit einer Angst vor der Regierung nichts zu tun. Dass menschenverachtende Aussagen von der Zivilgesellschaft kritisiert und abgelehnt werden, liegt doch nicht daran, dass man sich mit der Politik gutstellen will, sondern dass man sich an den Menschenrechten orientiert! Dass man andere auf das Tragen von Masken hinweist, macht doch niemand, weil er vor der Regierung kuscht, sondern weil er begriffen hat, wie medizinisch sinnvoll das ist.
    Und dass Menschen als Covidioten in die rechte Ecke gesteckt werden, hat hauptsächlich damit zu tun, dass sie unfundierte, verschwörerische Behauptungen verbreiten, sich auf rechten Kanälen informieren und ohne Scheu mit Nazis und Reichsbürgern demonstrieren (so zumindest das Fazit aus meinen Kontakten mit Menschen, die sich selbst als “kritisch” und “nachdenkend” bezeichnen oder sich der Querdenkerbewegung angeschlossen haben). Ich lese und höre sehr viel Kritisches über die Coronamaßnahmen in den etablierten Medien – das, was die als “Covidioten” bezeichneten machen, ist aber keine Kritik, sondern das sind haltlose Vorwürfe von “Diktatur”, “Verschwörung”, “Gleichschaltung der Medien”, das ist Gehässigkeit, Beschuldigungen und geschmacklose Holocaust- und DDR-Vergleiche.

  3. Eine Frage habe ich noch, da Herr Maaz darauf zu sprechen kam, dass es jeweils Gruppen gibt, die für sich die Wahrheit beanspruchen: Hinsichtlich der Zahlen der Querdenker- Demonstranten macht er das selbst ja sehr scharf und nimmt hinsichtlich der Medien harte Kritik vor. Ich wüsste gerne, wie faktisch fundiert diese harten Vorwürfe der Fälschung sind. woher hat er die Zahl der mehreren Hunderttausend? Hat er nachgezählt oder selbst Luftaufnahmen gemacht?

  4. Zwei Aspekte bewegen mich auch noch (danke an dieser Stelle an das Reflab-Team für das Lesen der langen Kommentare!!):
    Zum einen die Forderung von Herrn Maaz, das Virus nicht so in den Vordergrund zu stellen und sich stattdessen wichtigeren Themen wie dem Klimawandel zu widmen: Ich meine, dem Virus ist das herzlich egal, welche anderen Probleme wir gerade auf der Welt haben. Und welche Auswirkungen es auf Menschenleben und das Gesundheitssystem hat, wenn man das Virus kleinredet oder ignoriert, wird ja gerade in Ländern wie Großbritannien, den USA oder Schweden deutlich.

    Zum anderen die Analyse von Herrn Maaz zu den tieferliegenden Motiven des Maskentragens. Mir scheint, dass da (ideologische?) Vorannahmen seinerseits diesen Ergebnissen zugrunde liegen. Wenn man lange genug suggestiv fragt, bekommt man eben auch die Antworten, die man gerne hören möchte und die ja sehr gut in das Bild der Querdenker hinsichtlich der Diktatur, des Mitläufertums usw. passen.
    Mir hat sich in der Betrachtung zweier Personengruppen ein anderes Bild gezeigt, nämlich einerseits post-evangelikaler/post-christlicher und andererseits konservativer Christen. Die erste Gruppe hat sich aus einem engen Umfeld herausentwickelt, in dem stark auf Gehorsam und Hierarchien in den Gemeinden gesetzt wird. Die zweite betont eben diesen Gehorsam, das Einhalten von Regeln und die Hierarchien (im theologischen Bereich; das „Weltliche“, darunter auch die Politik, wird hingegen kritisch beäugt, den „man soll Gott mehr gehorchen als den Menschen“). Gerade in der ersten Gruppe ist zu beobachten, dass dort bereitwillig Masken getragen werden und „Verantwortung“ ein starkes Motiv ist – in der zweiten findet sich eher ein Pochen auf die individuelle „Freiheit“. Nach Herrn Maaz‘ Theorie müsste es ja gerade umgekehrt sein. Meine Beobachtung war nun, dass nicht das Kriterium der Neigung zu Gehorsam und zum Einhalten strenger Gesetze entscheidend ist, sondern die Frage, wie altruistisch oder egoistisch ein Mensch veranlagt ist und wie stark er akademisch sozialisiert ist. Insbesondere unter den Post-Evangelikalen finden sich viele akademisch gebildete sowie altruistisch und gemeinwohlorientierte Menschen, bei den Konservativen, die ja von ihrer Theologie her eher darauf ausgerichtet sind, dass sie „Recht haben“ und „die Wahrheit haben“ (also ein eher egoistischer Glaube), finden sich auch eher Maskenverweigerer. Hierfür werden egoistische Gründe angeführt (mich engt das ein, mir fällt das Atmen schwer, ich finde das unangenehm, Masken kosten Geld… etc.), die dann dazu führen, dass der Regierung eine Unterjochung/Diktatur vorgeworfen wird oder dazu, dass man das Virus als eher ungefährlich betrachtet. Interessant ist hier meine Beobachtung, dass altruistisch veranlagte und akademisch gebildete Konservative hingegen das Maskentragen befürworten und das Virus ernst nehmen.
    Ich vermute auch, dass sich bei einer empirischen Untersuchung von medizinischem Personal wie etwa Chirurgen, die im OP selbstverständlich Masken und Schutzkleidung tragen, zeigen wird, dass dort nicht eine im Unterbewusstsein vorhandene Obrigkeitshörigkeit dazu führt, dass sie das Maskentragen nicht infrage stellen, sondern ihr medizinisches Fachwissen und ihre tendenziell altruistische Haltung, die ja bei vielen ein zentraler Faktor dafür war, dass sie im medizinischen Bereich tätig sein wollten.

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