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Ausmisten

Ich habe diesen Sommer so viele Urlaubstage an schönen Orten verbracht, dass die eine oder andere Kollegin schon nachgefragt hat, wo es solche Arbeitsbedingungen gäbe und ob man dort noch Personal suche. Wir waren mit der Familie am Meer, in Rom, am Neuenburgersee und schliesslich auch noch in den Bergen. Es war heiss, das Essen war fantastisch und die Familienzeit sehr wertvoll. Und auf Instagram schaut alles noch besser aus.

Nachhaltig ent-sorgend

Für mich selbst am nachhaltigsten sind aber nicht die Strandtage oder die römischen Aperitivos, das Schnorcheln im See oder die Bergwanderungen. Heute, ein paar Tage nach diesem langen Sommer, zehre ich vor allem von einer Aktion:

Ich habe unser Zuhause entrümpelt.

Zuerst das Schlafzimmer, das Wohnzimmer, die Küche, die Kinderzimmer und die Bäder. Den Vorratsschrank, den Keller und dann den Estrich. Es war mühsam und immer wieder beschämend: Was haben wir alles angesammelt? Total verrückt! Über 80kg «Zeugs» habe ich entsorgt.

Was brauchen wir?

Ich bin dabei anders vorgegangen als die letzten Male. Ich habe mich nicht von der Frage leiten lassen, ob es irgendein auch noch so unwahrscheinliches Zukunftsszenario gibt, unter dem ich oder eine mit mir verwandte oder bekannte Person dieses Objekt vielleicht gebrauchen könnte. Stattdessen habe ich alles aussortiert, was wir nicht brauchen. (Das klingt einfacher als es ist. Denn nicht immer lag «ich» mit meiner Annahme für das «Wir» richtig…) Und das ist eine Menge!

Über und unter und in mir

Jedenfalls hatten diese mühsamen Tage eine regelrecht entsorgende Wirkung auf mich. Über mir trohnt nicht mehr das Chaos eines unzugänglich gewordenen Estrichs, sondern wieder der Sternenhimmel und dicht darunter aufgeräumte Regale mit Küchenutenilien und Winterkleidern.Unter mir brodelt nicht die Kellerhölle, sondern ein Lager voller leckerer Getränke.

Und in mir ist das Bedürfnis nach neuen Kleidern ganz still geworden.

Wer je den eigenen Kleiderberg wirklich als Berg vor sich gesehen hat, will da nie wieder hoch! Kleider ersetzen ist oke, einfach so dazukaufen steigert nur das Chaos…

Summer is coming

Ob es mir wirklich eine Lehre war? Das sehe ich spätestens nächsten Sommer. Aber dann entsorge ich gleich in den ersten Ferientagen. Weil danach alles noch leichter ist und ich es besser geniessen kann.

 

Foto von Jan Kopřiva.

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1 Kommentar zu „Ausmisten“

  1. Ein Hoch auf diese entrümpelte Leichtigkeit. Der Umzug meines Büros hat ähnlich therapeutische Effekte gehabt. Vor allem bei den Büchern tat ich mich lange Jahre schwer. Hier mein Kniff, der sich schon einige Zeit bewährt: Ich stelle mich vor die Regale und kalkuliere schnell, wie viele Bücher ich im letzten Jahr gelesen habe. Diese Zahl multipliziere ich mit der Anzahl der Jahre, die ich noch intensiv zu arbeiten hoffe. Daraus ergibt sich die Zahl der Bücher, die ich als ungelesene Bücher behalten darf minus die Neuanschaffungen. Nun beginne ich die Bücher auszusortieren, bei denen ich mir schon seit mehr als zehn Jahren sage: „Behalt es noch, Du wirst es sicher irgendwann mal lesen wollen.“

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