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Ausgeglaubt: Gott will nicht, dass wir heiraten.

Und noch einmal bewegen sich Stephan und Manuel in spannungsvolle Gefielde: Heute geht’s um die These, dass Gott gar nicht will, dass wir heiraten. Immerhin war Jesus – nach allem was wir wissen – nicht verheiratet, und Paulus hat die Ehe nur denjenigen empfohlen, die ihren Sexualtrieb sonst nicht unter Kontrolle kriegen… Wieviel ist an der bürgerlich-christlichen Hochachtung für das geregelte Ehe- und Familienleben also überhaupt dran? Ist es nicht höchste Zeit für eine theologische Rehabilitierung des Single-Daseins? Und müssten wir nicht auch im Blick auf unser Bild der Ehe entschieden über Paulus hinaus (oder an ihm vorbei…) gehen?

Eine angeregte und persönliche Diskussion – an welche wir das Q&A zur Folge »Gott interessiert sich nicht für unser Sexleben« anschliessen.

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6 Kommentare zu „Ausgeglaubt: Gott will nicht, dass wir heiraten.“

  1. Hm, ihr nennt die Folge „Gott will nicht, dass wir heiraten“ und im Grunde sagt ihr nicht viel Anderes als das, was man in konservativen Gemeinden hört, vielleicht noch ein bisschen mehr in Richtung „geht gut miteinander um!“ Ich hatte gehofft, als Single mehr vorzukommen und fühle mich jetzt wieder in der Position, mich irgendwie eigentlich rechtfertigen zu müssen. LG

    1. Liebe Bithya,
      das tut mir sehr leid! Die Paulusstelle bringt ja eher diejenigen mit Heiratswunsch in Rechtfertigungszwang 😉 Und wir haben beide Scheidung als legitimen und möglicherweise guten Weg bezeichnet. Was hat dir gefehlt?
      Lieber Gruss! Stephan

  2. Roland Portmann

    Lieber Manuel und lieber Stephan
    Vielen Dank für die beiden Podcast zum Thema Sex und Ehe: Ich hab‘ vieles gelernt und nehme auch den einen oder anderen Gedanken in meine zukünftigen Trauungen als Pfarrer mit- wenn ich darf (SMILE).
    Ein paar Anmerkungen hab ich aber natürlich auch: Mir scheint, dass ihr euch vor allem an evangelikalen Positionen abarbeitet und Manu da nur zögerlich mitgeht, wenn Stephan prononciert auftritt (Paulus heute: Benutzt Kondome!).
    Auch das Paulus wegen seiner Missionstätigkeit auf die Ehe verzichtet, weil zu viel Stress und zu wenig Zeit finde ich eigentlich eine schöne Deutung der Paulusstelle- steht aber wohl eher nicht so da; er hat wohl doch ein „Problem“ mit der Ehe genereller Natur… ich hab‘ da so eine eigene Theorie…
    Und es gibt ja auch andere christliche Positionen wie die Ehe als Sakrament oder die von Luther (die Ehe ist ein weltlich Ding…)…
    Ich hab‘ das Gefühl, ihr traut auch da irgendwie nicht richtig an die heissen Eisen ran: Wie steht’s aus christlicher Sicht mit Polyamorie, Selbstbefriedigung oder gar Gruppensex?
    Darf man sich gegenseitig auch einfach nur sexuell „konsumieren“? Darf man als Christ tindern etc.? Darf ich als ChristIn Sexarbeiterin sein?
    Was ist jetzt genau die Position von Manu zu Homosexualität?

    Das hier nur so als Anfragen- eure Meinung würde mich interessieren!

    Liebe Grüsse

    Roland

    1. Stephan Juette

      Lieber Roland,
      herzlichen Dank! Mit Polyamorie, Selbstbefriedigung und allen einvernehmlichen Sexualpraktiken unter erwachsenen Menschen habe ich gar kein Problem. Das haben wir z.T. angeschnitten und z.T. diskutiert in der Folge „Ich glaube nicht, dass sich Gott für unser Sexualleben interessiert.“
      Das Thema „Sexarbeit“ finde ich schwierig. Also nicht die Frage, ob man als Christ*in Sexarbeiter*in sein kann. Das ist ja sicher möglich. Aber die politische Frage. Ich finde, dass die eine Seite ggü. allen Sexarbeiter*innen zu einer sehr paternalistischen Haltung neigt und die andere Seite in einem grenzenlosen Liberalismus die persönlichen Notlagen und Ausbeutungsverhältnisse von vielen Sexarbeiter*innen nicht ernst genug nimmt.
      Wenn ich mich recht erinnere, hat Manu über seinen Weg zum Thema Homosexualität ebenfalls in der „Sexualleben“-Folge gesprochen.
      Danke für dein Mitdenken!
      Herzlich!
      Stephan

  3. Ihr wolltet wissen, wie es ist, als Christ in meinem Fall noch dazu als evangelischer Theologe polyamourös zu leben.
    Es ist auf jeden Fall eine große Herausforderung, aber für mich weniger eine Entscheidung als eine Orientierung (deswegen ist es nicht unsinnvoll sich als polymouröse Person auch als „queer“ zu bezeichnen, was man sonst eher mit Homosexualität assoziiert). Ungeachtet meiner Biografie, wie es dazu kam, dass ich jetzt polyamourös lebe, begründe ich das ebenfalls aus einer verantwortungsethischen Perspektive: entscheidend ist, sich als verantwortungsvoll und treu zu erweisen. Dass man es dabei leichter hätte als in einer Ehe, kann ich zwar nicht beurteilen, da ich nie verheiratet war, aber so pauschal würde ich dem nicht zustimmen. Das Wachstum, dass ihr als großen Schatz der Ehe identifiziert habt, ist unumgänglich in polyamourösen Beziehungen. Wenn ihr sagen könnt, ihr wärt andere Menschen ohne eure Ehen, würde ich sagen, ich wäre ein anderer ohne die vielen emotionalen und bewegenden Erfahrungen, die ich in Liebesbeziehungen mit mehreren Menschen gemacht habe – auch im Glauben und meiner Theologie. In polyamourösen Beziehungen lernt man besonders Ehrlichkeit, Großzügigkeit und Nachsicht, auf die eigenen Bedürfnisse zu hören und immer wieder neu zu verhandeln, was Partner*innen brauchen und sich wünschen. Es hörte sich an einigen Stellen so an, als wäre die Ehe für euch das Siegel, dass ein Kompromiss gelingen muss. Das ist meiner Erfahrung nach in der Polyamorie ähnlich, auch wenn das überraschen mag. Denn Beziehungen sind für mich von vornherein nicht mit einem Zweck definiert, sondern beruhen auf Freundschaften und tiefer Verbundenheit. Während wir in einer Kultur leben, in der wir gelernt haben, mehrere Beziehungen aneinanderzuhängen (serielle Monogamie) und uns zu trennen, wenn es nicht mehr zu passen scheint, tun wir das bei Freundschaften ja in der Regel nicht. Man muss, wenn sich Wege trennen oder neue Partner*innen in das Leben treten eben hinsetzen und schauen, wohin es mit der Beziehung geht. Wie man sich seine Liebe und Treue füreinander bewahrt, auch wenn man bspw. keine sexuelle Beziehung mehr führen kann oder will.
    So viel in der gebotenen Kürze. Ich kann, falls euch das mehr interessiert, auf eine Folge meines Podcasts verweisen, den ich mit einer Jugendsexualpädagogin mache, und wo wir uns die Verbindung von Sexualtiät und Glaube zum Thema gemacht haben. Dort stelle ich das etwas ausführlicher dar:
    https://open.spotify.com/episode/1oY7MIlO1pXRS81s7GrtEh
    Liebe Grüße aus Deutschland
    Jonas

    1. Stephan Juette

      Lieber Jonas,
      herzlichen Dank für dein mega interessantes Statement! Ich glaube auch, dass Freundschaften und ehelose Beziehungen genau so intensiv, andauernd und ernsthaft sein können, wie Ehen – und umgekehrt. Dein Beziehungsverständnis gefällt mir sehr und ich würde dir voll zustimmen. In den Podcast höre ich am Nachmittag gleich rein, danke! Herzlich!
      Stephan

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