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Wie soll sich die Kirche verkaufen?

Was verstehen wir unter Marketing im kirchlichen Umfeld? Ist es lediglich die richtige Kommunikation oder vielmehr eine spezifische bedürfnisorientierte Haltung, die auch (aber nicht nur) die Kommunikation beinhaltet?

Frank Worbs, der verschiedene Kampagnen bei der reformierten Kirche begleitet hat, plädiert für die letzte Sicht. Marketing hat nebst den Entscheidungen zum Angebot, zum Preis und zur Platzierung auch eine kulturelle und strukturelle Dimension. Sie setzt voraus, dass man zuerst bei den Leuten anknüpft, ihre Bedürfnisse aufnimmt. Erst am Schluss kommen dann die kommunikativen Massnahmen zum Zug.

Luca teilt Franks Meinung: Die Kirchen gehen insbesondere mit ihren aktiven Mitgliedern wertschätzend um. Die «Passiven», die die Gottesdienste nicht besuchen (aber noch Kirchensteuern zahlen), werden hingegen mit weniger Ressourcen (Zeit, Geld, Aufmerksamkeit, usw.) behandelt.

Alles Unfug oder doch ein Quäntchen Wahrheit? Deine Kommentare gerne an contact@reflab.ch.

 

Bild: Johanna Bossart

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11 Kommentare zu „Wie soll sich die Kirche verkaufen?“

  1. Vorab: Ich muss sagen: Ich bin doch einigermaßen überrascht, was ich hier zu hören bekomme – vielleicht überrascht mich in Wirklichkeit aber auch gar nichts mehr, was ich ‚bei Kirche‘ zu hören bekomme, weil ich inzwischen so unkirchlich geworden bin durch das, was ich ‚bei Kirche‘ höre. (Mein Kommentar bezieht sich auf den Teil bis [06:26]; weiter hab ich nicht mehr zugehört.)

    Ist der Beitrag als Groteske gedacht? Und ich hab das bloß noch nicht kapiert. —
    „Mission ist absenderorientiert. Ich hab ne Botschaft. Ich will sie vermitteln. Egal, was ihr denkt. Egal, was ihr davon haltet. Das müsst ihr jetzt kapieren. Ihr müsst euch bekehren“, so der Sprecher (Worbs?) bei seiner Charakterisierung von Missionieren als „absenderorientiert“ und von Kommunikation als „fast das Gegenteil“ von Missionieren, als „bedürfnisorientiert“. –

    Ist die Mission durch das Bedürfnis alt geworden, so kann sie als alte im Ernst nicht mehr wiederkehren. Wenn sie aber, wie es ja zu sein pflegt, als die alte wiederkehrt, so verliert sie nur noch einmal das bereits verlorene Spiel. In diesem hat das Bedürfnis gesiegt. Nun hat ein ‚Ulrich Parzany 2.0‘, gewandelt von seinem „Alter Ego“, als das er „damals als 17-jähriger in Berlin mit Ulrich Parzany auf der Straße war mit Gitarre und Bibel und den Leuten erklärte, wo Gott hockt, und warum sie ihr Leben Jesus übergeben müssen“, zum „Alter Alter Ego“, das Bedürfnis, höchst persönlich unter die Narren zu gehen, bemerkt nicht den Übergang und vermittelt, freilich, OHNE Botschaft die Botschaft: Egal, was ihr denkt. Egal, was ihr davon haltet. Das müsst ihr jetzt kapieren. SO ist Mission. So ist Mission immer schon gewesen. Ihr müsst euch bekehren – vom alten Parzany zum neuen Parzany. Ich bin einfach Übergang zu einem neuen und anderen Parzany, der, des alten begreiflicherweise überdrüssig, diesen lässt wie er ist. Ich habe die Wahrheit gepachtet, und du musst sie mir jetzt glauben. –
    Aber dass – solange das Bedürfnis die alte Welt und Menschheit regiert und siegt – solche Wahrheit entstehe: dies ist geradewegs unmöglich. Denn unter der Herrschaft des Bedürfnisses ist aller neuer Parzany der alte und bloße Farce. Dies droht natürlich auch der Wahrheit, die, wo immer sie als neuer Parzany in die bisherigen Kräfteverhältnisse eingeführt wird, alsbald die alte ist – verschlungen auch sie. Aus diesem Grund wird hier nochmal gefragt: Ist der Beitrag vielleicht als Groteske gedacht?

    1. Sehr geehrter Herr Engel, nein, der Beitrag ist nicht als Groteske gedacht. Schade, dass Sie die Folge beurteilen, obwohl Sie nur ein paar Minuten gehört haben. Können Sie mir bitte aufzeigen, wo das Missionieren heutzutage erfolgreich ist? Was funktioniert gut und was könnten wir übernehmen und kopieren? In meinem Umfeld (das ist ein klitzekleiner Ausschnitt der religiösen Realität in der Schweiz) finden die meisten Leute ihre Antworten auf spirituelle Fragen nicht in der traditionellen Kirche. Sie gehen zum Psychologen, praktizieren Yoga, Wandern oder Meditieren. Das können wir als Zerfall betrachten oder als Wandlung kultischer Lebensentwürfe. Viel wichtiger ist die Frage: Wie soll sich die Kirche verändern? Welche Rolle soll sie annehmen? Wie kann sie gleichzeitig authentisch bleiben? Welche Beziehungen möchte sie noch aufrechterhalten und welche abbrechen? Welche Sprache soll sie einsetzen, um die Leute zu erreichen? Freundlich grüsst, Luca Zacchei

      1. Lieber Herr Zacchei, tut mir leid, wenn ich habe durch meinen Kommentar den Eindruck entstehen lassen können, dass ich die Folge BEURTEILT habe. Das lag nicht in meiner Absicht. Nachdem ich mir vom Beitrag eine Art Transskript der ersten ca. 6 Minuten erstellt habe, wollte ich versuchen, einen einzigen, mir wichtig erscheinenden Punkt daraus zu beleuchten. (Ich lese lieber in Ruhe Text, als dass ich zig-mal eine Tonspur vor- und zurückspule.) Der Folge bis zum Ende zuzuhören, und sie für mich in Schriftform umzusetzen, erschien mir dann doch irgendwie zu aufwendig – und für meine Belange irgendwann auch überflüssig. Gut möglich, dass das ein Fehler war.

        Nun aber zu Ihren Fragen:
        Das Missionieren ist heutzutage überall dort erfolgreich, wo man selber zuallererst Fragen stellt, anstelle primär – Pardon! – die Rolle des Antwortspenders zu spielen, Antwortspender z.B. für so eine überaus schwierige spirituelle Frage wie die nach dem Sinn des Lebens („Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst. Punkt. Ende. Aus. Mickymaus.“ – das könnte man u.a. doch z.B. über jedes Kirchenportal schreiben, oder?) oder für die nach der Identität („Wer bin ich?“ – „Du bist der Gerhard, der Luca, …“) oder für die nach dem Wozu-bin-ich-eigentlich-auf-dieser-Welt („Zum Fröhlich-Sein und zum Fröhlich-Machen“ – „Always be on the bright side of life“).

        Gut funktioniert, den Einzelnen (in der Gruppe oder als Einzelnen) im doppelten Sinne buchstäblich in Frage zu stellen: Woher weißt du, was du weißt? Woher weißt du, was du meinst, zu wissen? Wer sagt das? Was willst du wirklich? Warum ist das so und nicht anders? Hast du schon mal gezweifelt an dem, was du glaubst? Wonach schmeckt die Scheiße? … – Es kommt alles und entscheidend darauf an, dass die Fragen offen sind, also das heißt: dass der Fragende die Antwort des Gefragten nicht schon kennt oder meint, sie schon zu kennen, weil er ja immer schon die Antwort weiß („Jesus liebt dich!“ – „Was war die Frage?“). In Wirklichkeit sind alle Fragen, die die Antwort schon kennen, Fragen der lieblosen Art. Aber das nur nebenbei.

        Das funktioniert außerordentlich gut – auch und gerade in einem Umfeld, in dem, auf dem Papier, über 80% der Bevölkerung keiner Kirche (mehr) angehören, sich für ‚ungläubig‘ oder für ‚religiös unmusikalisch‘ halten oder behaupten, dass sie mit Gott in der Gegenwart nichts (mehr) anfangen können, in der Vergangenheit noch nie etwas anfangen konnten und in der Zukunft nichts (mehr) anfangen werden können. Verblüffen, verwundern, befragen, lassen sich Menschen immer noch. Und die Frage danach, ob Gott selbst ‚christlichen Bluff‘ verwirft, ist theologisch meines Wissens noch nicht endgültig geklärt.

        Derartige Fragen zu ‚finden‘, ist nicht einfach. Das steht außer Frage. Formal wäre es allemal besser, davon zu sprechen, dass solche Fragen gefunden werden wollen. Nötigenfalls auch erfunden werden wollen. Entdeckt werden wollen. Aufgedeckt werden wollen. Aufgefunden werden wollen. Aufgelesen werden wollen. Usw. usf. – Die Kunst, richtig zu fragen, steht nicht hoch im Kurs. Früher wurde diese Kunst mal Dialektik genannt. In dieser Kunst wird kaum noch unterrichtet. Wenn überhaupt, dann findet diese Unterrichtung in aller Regel effektiv vorzugsweise nur noch im ‚Selbsttraining‘ statt. Von der grundlegenden Bedeutung von Dialektik haben 101% der Leute, die zum Psychologen gehen, Yoga praktizieren, Wandern und Meditieren, keine Ahnung. Was kein Nachteil für die Kirche ist, und was ich weder als Zerfall noch als Wandlung kultischer Lebensentwürfe betrachten würde. (Fragen Sie mal konkret Leute, die diese Dinge tun, ob sie „einen kultischen Lebensentwurf“ haben. – das wäre noch so eine offene Frage.)

        Wie soll sich die Kirche verändern? Die Kirche soll sich so verändern, dass sie lernt und einübt, atheistisch (sic!) zu glauben.

        Welche Rolle soll sie annehmen? Sie soll die Rolle annehmen, die sie immer schon hat: nicht die Rolle von Leuten, die keine Rolle spielen – oder vielleicht nur die Rolle von Leuten, die keine Rolle spielen: Sondern die Rolle eines Chamäleons, die Rolle eines Regisseurs, die Rolle eines Produzenten, die Rolle eines Dramatikers, die Rolle des Henkers [des sedierten Gewissens] und seines Richters (in dieser Reihenfolge! Gruß an Friedrich, den Dürrenmatt!), die Rolle des Hofnarrens, die Rolle des Schachspielers („ich spiele mit Weiß und mache den ersten Zug“), die Rolle derjenigen Schwalbe, die einen Sommer macht, die Rolle eines Lustmolches („Ich habe Lust am Gesetz des Herrn.“), die Rolle eines Erotikers („Was Sie schon immer [nicht über Sex, sondern] über Gott wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten“), die Rolle eines Verführers („Ich verführe dich im Namen Gottes zum Überschreiten einer Grenze – und lasse dich dann fallen“ [in die Hände des lebendigen Gottes]), die Rolle eines Unterhalters („Ich unterhalte gute Beziehungen zu dir“), die Rolle eines Sven Glückspilz („Wir fallen immer wieder durch unsere Tollpatschigkeit und besonders unser unfassbares Pech auf. Eigentlich heißen wir Zampano, Zufall. Wir stammen eigentlich aus Jerusalem, wohnen aber in Iskariot, im gleichen Dorf wie Judas und dessen Familie.“), die Rolle eines Trainers („Wir trainieren den aufrechten Gang“), die Rolle eines Politikers („Haltung nicht nur haben, sondern auch zeigen“), die Rolle einer Wirbelsäule („Leben mit Rückgrat“), die Rolle des auf Gott hoffenden Menschen, der als solcher – dem Theologen E. Jüngel zufolge – zumindest über sich selbst lachen kann. Das sind nur einige der Rollen, die der Kirche gut anstehen. Mir fallen dutzende weitere gute, richtige und brauchbare ein.

        Wie kann sie gleichzeitig authentisch bleiben? Sie kann gleichzeitig SO authentisch bleiben, indem sie sich vom Druck, authentisch bleiben zu müssen, vom Zwang, authentisch bleiben zu wollen, von der Last, authentisch bleiben zu sollen, befreien lässt. Das klingt zwar paradox, ist aber nicht so. Kirche ist dann authentisch, wenn und soweit sie sich an die Frage erinnern lässt: Wer ist Herr der Lage? (Ulrich Parzany? Gerhard Engel? N.N.?) Und an die zugehörige Antwort: Gott gebiert sich seine Kirche selbst.

        Welche Beziehungen möchte sie noch aufrechterhalten und welche abbrechen? Sie möchte Beziehungen zur eigenen Gottvergessenheit noch aufrechterhalten und Beziehungen zur Selbstvergottung abbrechen.

        Welche Sprache soll sie einsetzen, um die Leute zu erreichen? Sie soll die Sprache einsetzen, die sie immer schon einsetzen soll, um die Leute zu erreichen: Sie soll den Leuten aufs Maul schauen und zugleich den Leuten nicht nach dem Mund reden.

        Das sind jetzt, freilich, nur ein paar skizzenhaft dahingeworfene Stichpunkte. Ich wollte die von Ihnen aufgeworfenen Fragen hier aber erst einmal nur so knapp wie möglich und so ausführlich wie nötig beantworten. Auf Wunsch oder bei Bedarf bin ich gerne bereit, hierüber weiter im Austausch zu bleiben. Freundlichst grüßt, Gerhard Engel

        1. Sehr geehrter Herr Engel, ich musste Ihre Zeilen zweimal lesen, habe mich echt und ganz doll angestrengt (und musste nicht einmal transkribieren, war somit eindeutig im Vorteil). Mit Wikipedia ging‘s dann einigermassen. Aber ich war intellektuell überfordert, gebe ich neidlos zu (ein bisschen neidisch bin ich schon). Ich schaffe es einfach nicht, bin erschlagen von Ihren Ideen, die zu einer Neuen Kirche führen könnten. Es tönt, als wäre es ziemlich einfach, wenn man es dann auch verstehen würde. Bin auf alle Fälle auf Ihre Projekte gespannt und hoffe, dass Sie mich auf dem Laufenden halten. Falls Sie aber die angesprochene Kot-Degustation (copyright: Dekotastion) irgendwie voraussetzen, dann müssen Sie es mir nicht übel nehmen: da mache ich nicht mit, selbst unter Androhung der Erlangung von Erleuchtung. Hochachtungsvoll, Luca

          1. Lieber Luca Zacchei: Träume wollen ausgesprochen UND hinausgesungen werden. (Was zumindest Martin Luther King wusste.)

            Ja. Irren wäre menschlich. Dass Gott, wenn er redet, auch nur EINmal nicht wahr redet, wäre teuflisch. Ein echtes Problem hätte hingegen nicht der Engel, sondern der Teufel, wenn man mit ihm harmlose Dinge treibt. Beißen, fest anpacken, leichtes Schlagen, Fisten, sanfte Atemkontrolle und unheimliche Zärtlichkeit („caress your devil“). – und ihm zugleich einen guten Witz ins Ohr flüstert („Es lohnt sich und kann sogar Spaß machen, sich ganz auf Gott einzulassen“). Ob Gott ein echtes Problem hätte, wenn man mit ihm harmlose Dinge treibt: In der Begegnung im Wort und in der Begegnung im Leben: das menschliche Gegenüber charmant Beißen, fest anpacken, leichtes Schlagen, Fisten, sanfte Atemkontrolle und unheimliche Zärtlichkeit („caress your love“) – und ihm zugleich einen guten Witz ins Ohr flüstert („Siehe ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennst du’s denn nicht?“) … ?

            Vielleicht tue ich es eines Tages ja doch Ulrich Parzany gleich und stelle mich in Berlin oder anderswo auf einen Platz in der Öffentlichkeit und singe meine Träume hinaus. Bloß: Ich kann nicht gut Gitarre spielen. Wer kann mir helfen? Woher kommt mir Hilfe? Verzweifelt, Gerhard

  2. @DEKOTASTION: Ich bin sicher, Luca, Sie werden Ihr Versprechen („da mache ich nicht mit“) nicht einhalten können: Wenn Sie das nächste Mal mit der Schweizer Bimmelbahn unterwegs sind, und Sie einen Deutschen „Scheiße!“ rufen hören, weil z.B. die Klimaanlage nicht funktioniert – Schweizer tun nie „Scheiße!“ rufen. So was passiert in der Schweiz nicht. Allein schon aus Gründen, die in der Sprache zu suchen und zu finden sind, ist das schlechthin unmöglich. – … Wenn Ihnen also dieses Malheur einmal zugestoßen ist, werden Sie – Ruck! Zuck! – Ihr Versprechen vergessen haben: Und Sie werden den Deutschen charmant zurückfragen: Wonach schmeckt die Scheiße? Und schon sind Sie in ein Gespräch über Glaubensfragen verwickelt! … – Ob Sie aus dieser Begegnung im Leben dann auch wieder glaubend rauskommen, das kann ich Ihnen allerdings nicht garantieren. Erleuchtungsvoll, Gerhard

  3. ADDENDUM/NACHZUTRAGENDES: In meinem letzten Kommentar muss hinter den Satz „Und schon sind Sie in ein Glaubensgespräch verwickelt.“ hinzugefügt werden: SO einfach ist das. – Ich hoffe, mir wird diese Überheblichkeit nicht nachgetragen. Freundlichst, Gerhard

  4. @NEUEKIRCHE: Neue Kirche? Nö! Die Neue Kirche ist die Alte Kirche. – „Es geht auch ohne Wort und Sakrament“, ist nicht die Äußerung eines Häretikers.
    @ATHEISTISCHGLAUBEN: Das Buch mit dem Titel „Atheistisch glauben“ von Hartmut von Sass ist laut Verlagsangaben noch nicht erschienen. Hartmut von Sass versteht sich, das gebe ich neidlos zu, besser als ich ‚aufs‘ Verständlich-Schreiben.
    @AUTHENTISCHBLEIBEN: Ursprünglich-Bleiben, das ist ein Geschehen: Hier wäre nach so etwas wie dem Ursprung von Theologie zu fragen.
    @LUSTMOLCH-EROTIKER-VERFÜHRER-GLÜCKSPILZ-UNTERHALTUNG: „Leider hört offenbar bei vielen Christen beim Sex der Spaß auf [wie schön, dass das in der Schweiz anders ist]. Es sind daher neue Theologien zu entwickeln, die sich durchaus auf herkömmliche Theologien beziehen lassen: Theologien der Lust, der Erotik, der Verführung, des Glücks und der Unterhaltung“ (H. Schroeter-Wittke. In: Evangelischer Taschenkatechismus, hrsg. von M. Meyer-Blanck u. J. Gerhardt, Rheinbach 4. Aufl. 2013, S. 243).
    @GOTTVERGESSENHEIT: Gottvergessenheit ‚in den eigenen Reihen‘ ist, wo ich lebe, mit Händen zu greifen.
    Dass dem Protestantismus die Kategorien „Gottesverfinsterung“ und „Gottverlassenheit“ abhanden gekommen sind, dieser Gedanke stammt nicht von mir. Für die Realität, dass Gottverlassenheit sich bei z.B. schreienden Menschen in Psychiatrien manifestiert, sind nicht nur Psychologen, Yoga-Anbeter, Wanderer und Meditationswillige in der Regel blind.
    @SELBSTVERGOTTUNG: Wie gut, dass es die in der Schweiz nicht gibt.

    @Luca: Ich hoffe, Sie sind diesmal nicht wieder intellektuell überfordert … 🙂 !!! Den Partner oder die Partnerin echt und ganz doll angestrengt drücken. Harmlose Dinge. Beißen, fest anpacken, leichtes Schlagen, Fisten, sanfte Atemkontrolle und unheimliche Zärtlichkeit. Dann fällt der Groschen schon von ganz alleine.

  5. Super Ausgabe!
    Ich werde sie kirchenintern weiterempfehlen, weil viel zu oft höre ich „Karteileichen“, „REAKTIVIEREN!!!“ statt den Gönner-Mitgliedern einfach nur einmal dankbar zu sein.
    Jeder Verein würde sich bei so vielen Passiv- oder Gönner-Mitgliedern auf Knien bedanken!

  6. Interessante Ausgabe…
    Ich wurde als Gemeindepfarrer auch schon gefragt, wo ich denn noch „missioniere“: Meine Antwort war: „Eigentlich immer und überall; bei allem was ich tue und bei jeder Begegnung; aktiv wie passiv verweise ich wie Johannes der Täufer beim Isenheimer Altar auf Christus…“ Reicht doch, oder?

  7. Mit dem Gedanken, dass Spiritualität sich nicht nur innerhalb der Kirche entfaltet kann ich sehr mitgehen. Ich habe 11 Jahre in einem Hospiz als Sterbebegleiterin in Übersee gearbeitet und habe Gott am Werk gesehen, auch bei ‚kirchenfernen‘ Menschen. Und schon vor 25 Jahren hat Pfarrer Peter Schulthess in der Tageszeitung seiner Region Aufrufe geschaltet dass Menschen, die Begegnungen mit Engeln hatten ihn kontaktieren können, um das Erlebte zu berichten, oder auch zu verarbeiten. Aus den Berichten der Menschen sind mehrere Bücher entstanden. Das war Mitte der 90er Jahre (und im Züribiet). Pioniere sind also schon länger unterwegs.
    Ich habe in meiner Gemeinde (Baselbiet) unabhängig von Peter vor vier Jahren was ähnliches lanciert. Der Rücklauf war enttäuschend. Die paar Berichte die bei mir eingegangen waren, atmeten jedoch eine Schönheit und Kraft, die weit über das hinausgeht was man sonst so im Festzelt an Gemeindeanlässen hört. Ich erfahre die ländliche Bevölkerung in meiner Region als konservativer als in den anderen Settings in denen ich schon tätig war. Manchmal habe ich das Gefühl dass ‚wir‘ die Menschen zur Passivität ‚erzogen‘ haben – und zwar schon seit 500 Jahren (jedenfalls im reformierten Kontext). Wir bilden Fachleute aus, die dann in der Gemeinde alles Mögliche ‚auf die Beine stellen‘ sollen. Dann rennt eine einzige Person mit Teilzeitpensum herum, um in mehreren Altersheimen und im Spital Besuche zu machen und Gottesdienste zu feiern. Die Person gibt Unterricht, macht die Sonntagsgottesdienste, organisiert die Belegung der öffentlichen Räume im Pfarrhaus, macht das Sekretariat, nimmt an Konventen und Kapiteln teil, sucht sich die Organisten zusammen, hilft dem alternden Sigristen, schreibt Gottesdienstpläne und Artikel für den Kirchenboten, kauft Material ein für die Kinderaktivitäten, hat das Telefon Tag und Nacht auf Empfang, hält den Hauskreis am Leben, sitzt bei dörflichen Aktivitäten an langen Bänken und bemüht sich, mit möglichst Vielen ein nettes Wort auszutauschen.
    Wenn bei dem Pensum die Lust am ‚Denken in neuen Wegen‘ abhanden kommt und sich Überdruss einstellt ist das nicht verwunderlich. Viele der Teilzeiter (und wohl auch Vollzeiter) drehen am Rad und jonglieren hundert Ansprüche und Erwartungen. Zum Glück habe ich keine Kinder – ich frage mich, wie das die Jungen machen die noch zwei Kids zuhause haben?
    Es heisst immer dass das Pfarramt ‚vielfältig‘ sei. Positiv ausgedrückt ist das auch so. Nur nehme ich es anders wahr: das Pfarramt ist ein bisschen zum Überlaufgefäss verkommen, wo alles reinläuft was so anfällt in einer Gemeinde und sonst keiner machen will.
    Das war ein bisschen aus der Schule geplaudert, doch ich weiss, dass ich bei Weitem nicht die Einzige bin, der das so geht. PfarrerInnen-Burnout ist durchaus ein Thema zu dem man im deutschsprachigen Raum so gut wie gar nichts findet. Warum eigentlich nicht? Im englischsprachigen Raum wird das schon lange thematisiert und als Folge davon sind in einigen Regionen Südcaliforniens (jedenfalls ist das die Region die ich so beobachte) erfrischende Neuerungen am Entstehen, die dem was im Gespräch thematisiert wurde, schon sehr nahe kommen.
    Vielen Dank für Euren erfrischenden Beitrag.

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