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Wie soll sich die Kirche verkaufen?

Was verstehen wir unter Marketing im kirchlichen Umfeld? Ist es lediglich die richtige Kommunikation oder vielmehr eine spezifische bedürfnisorientierte Haltung, die auch (aber nicht nur) die Kommunikation beinhaltet?

Frank Worbs, der verschiedene Kampagnen bei der reformierten Kirche begleitet hat, plädiert für die letzte Sicht. Marketing hat nebst den Entscheidungen zum Angebot, zum Preis und zur Platzierung auch eine kulturelle und strukturelle Dimension. Sie setzt voraus, dass man zuerst bei den Leuten anknüpft, ihre Bedürfnisse aufnimmt. Erst am Schluss kommen dann die kommunikativen Massnahmen zum Zug.

Luca teilt Franks Meinung: Die Kirchen gehen insbesondere mit ihren aktiven Mitgliedern wertschätzend um. Die «Passiven», die die Gottesdienste nicht besuchen (aber noch Kirchensteuern zahlen), werden hingegen mit weniger Ressourcen (Zeit, Geld, Aufmerksamkeit, usw.) behandelt.

Alles Unfug oder doch ein Quäntchen Wahrheit? Deine Kommentare gerne an contact@reflab.ch.

 

Bild: Johanna Bossart

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5 Kommentare zu „Wie soll sich die Kirche verkaufen?“

  1. Sehr geehrter Herr Engel, nein, der Beitrag ist nicht als Groteske gedacht. Schade, dass Sie die Folge beurteilen, obwohl Sie nur ein paar Minuten gehört haben. Können Sie mir bitte aufzeigen, wo das Missionieren heutzutage erfolgreich ist? Was funktioniert gut und was könnten wir übernehmen und kopieren? In meinem Umfeld (das ist ein klitzekleiner Ausschnitt der religiösen Realität in der Schweiz) finden die meisten Leute ihre Antworten auf spirituelle Fragen nicht in der traditionellen Kirche. Sie gehen zum Psychologen, praktizieren Yoga, Wandern oder Meditieren. Das können wir als Zerfall betrachten oder als Wandlung kultischer Lebensentwürfe. Viel wichtiger ist die Frage: Wie soll sich die Kirche verändern? Welche Rolle soll sie annehmen? Wie kann sie gleichzeitig authentisch bleiben? Welche Beziehungen möchte sie noch aufrechterhalten und welche abbrechen? Welche Sprache soll sie einsetzen, um die Leute zu erreichen? Freundlich grüsst, Luca Zacchei

    1. Sehr geehrter Herr Engel, ich musste Ihre Zeilen zweimal lesen, habe mich echt und ganz doll angestrengt (und musste nicht einmal transkribieren, war somit eindeutig im Vorteil). Mit Wikipedia ging‘s dann einigermassen. Aber ich war intellektuell überfordert, gebe ich neidlos zu (ein bisschen neidisch bin ich schon). Ich schaffe es einfach nicht, bin erschlagen von Ihren Ideen, die zu einer Neuen Kirche führen könnten. Es tönt, als wäre es ziemlich einfach, wenn man es dann auch verstehen würde. Bin auf alle Fälle auf Ihre Projekte gespannt und hoffe, dass Sie mich auf dem Laufenden halten. Falls Sie aber die angesprochene Kot-Degustation (copyright: Dekotastion) irgendwie voraussetzen, dann müssen Sie es mir nicht übel nehmen: da mache ich nicht mit, selbst unter Androhung der Erlangung von Erleuchtung. Hochachtungsvoll, Luca

  2. Super Ausgabe!
    Ich werde sie kirchenintern weiterempfehlen, weil viel zu oft höre ich „Karteileichen“, „REAKTIVIEREN!!!“ statt den Gönner-Mitgliedern einfach nur einmal dankbar zu sein.
    Jeder Verein würde sich bei so vielen Passiv- oder Gönner-Mitgliedern auf Knien bedanken!

  3. Interessante Ausgabe…
    Ich wurde als Gemeindepfarrer auch schon gefragt, wo ich denn noch „missioniere“: Meine Antwort war: „Eigentlich immer und überall; bei allem was ich tue und bei jeder Begegnung; aktiv wie passiv verweise ich wie Johannes der Täufer beim Isenheimer Altar auf Christus…“ Reicht doch, oder?

  4. Mit dem Gedanken, dass Spiritualität sich nicht nur innerhalb der Kirche entfaltet kann ich sehr mitgehen. Ich habe 11 Jahre in einem Hospiz als Sterbebegleiterin in Übersee gearbeitet und habe Gott am Werk gesehen, auch bei ‚kirchenfernen‘ Menschen. Und schon vor 25 Jahren hat Pfarrer Peter Schulthess in der Tageszeitung seiner Region Aufrufe geschaltet dass Menschen, die Begegnungen mit Engeln hatten ihn kontaktieren können, um das Erlebte zu berichten, oder auch zu verarbeiten. Aus den Berichten der Menschen sind mehrere Bücher entstanden. Das war Mitte der 90er Jahre (und im Züribiet). Pioniere sind also schon länger unterwegs.
    Ich habe in meiner Gemeinde (Baselbiet) unabhängig von Peter vor vier Jahren was ähnliches lanciert. Der Rücklauf war enttäuschend. Die paar Berichte die bei mir eingegangen waren, atmeten jedoch eine Schönheit und Kraft, die weit über das hinausgeht was man sonst so im Festzelt an Gemeindeanlässen hört. Ich erfahre die ländliche Bevölkerung in meiner Region als konservativer als in den anderen Settings in denen ich schon tätig war. Manchmal habe ich das Gefühl dass ‚wir‘ die Menschen zur Passivität ‚erzogen‘ haben – und zwar schon seit 500 Jahren (jedenfalls im reformierten Kontext). Wir bilden Fachleute aus, die dann in der Gemeinde alles Mögliche ‚auf die Beine stellen‘ sollen. Dann rennt eine einzige Person mit Teilzeitpensum herum, um in mehreren Altersheimen und im Spital Besuche zu machen und Gottesdienste zu feiern. Die Person gibt Unterricht, macht die Sonntagsgottesdienste, organisiert die Belegung der öffentlichen Räume im Pfarrhaus, macht das Sekretariat, nimmt an Konventen und Kapiteln teil, sucht sich die Organisten zusammen, hilft dem alternden Sigristen, schreibt Gottesdienstpläne und Artikel für den Kirchenboten, kauft Material ein für die Kinderaktivitäten, hat das Telefon Tag und Nacht auf Empfang, hält den Hauskreis am Leben, sitzt bei dörflichen Aktivitäten an langen Bänken und bemüht sich, mit möglichst Vielen ein nettes Wort auszutauschen.
    Wenn bei dem Pensum die Lust am ‚Denken in neuen Wegen‘ abhanden kommt und sich Überdruss einstellt ist das nicht verwunderlich. Viele der Teilzeiter (und wohl auch Vollzeiter) drehen am Rad und jonglieren hundert Ansprüche und Erwartungen. Zum Glück habe ich keine Kinder – ich frage mich, wie das die Jungen machen die noch zwei Kids zuhause haben?
    Es heisst immer dass das Pfarramt ‚vielfältig‘ sei. Positiv ausgedrückt ist das auch so. Nur nehme ich es anders wahr: das Pfarramt ist ein bisschen zum Überlaufgefäss verkommen, wo alles reinläuft was so anfällt in einer Gemeinde und sonst keiner machen will.
    Das war ein bisschen aus der Schule geplaudert, doch ich weiss, dass ich bei Weitem nicht die Einzige bin, der das so geht. PfarrerInnen-Burnout ist durchaus ein Thema zu dem man im deutschsprachigen Raum so gut wie gar nichts findet. Warum eigentlich nicht? Im englischsprachigen Raum wird das schon lange thematisiert und als Folge davon sind in einigen Regionen Südcaliforniens (jedenfalls ist das die Region die ich so beobachte) erfrischende Neuerungen am Entstehen, die dem was im Gespräch thematisiert wurde, schon sehr nahe kommen.
    Vielen Dank für Euren erfrischenden Beitrag.

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