Dein digitales Lagerfeuer
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Welche Farbe hat dein Glaube?

Manu bringt dabei das Modell von Spiral Dynamics ins Spiel, das er im Theologie-Kurs vorgestellt hat – ein Denkwerkzeug, das hilft, die Entwicklung von Wertesystemen (auch im Glauben) besser zu verstehen. Stephan bleibt skeptisch. (Wahrscheinlich weil er im Selbsttest zu tief eingestuft worden ist…)

Und dann sind da noch ein Belohnungsbier und kleinbürgerliche Freuden. Was es damit auf sich hat? Hört selbst – diese Folge tastet sich suchend, manchmal auch lachend durch die farbige Spirale des Glaubens.

Wer mehr zur Anwendung von spiral dynamics auf die Glaubensentwicklung wissen möchte (und einen Test sucht, um die eigene «Farbe des Glaubens» herauszufinden…), der sei auf das Buch «Gott 9.0» von Tilmann Haberer und Marion und Werner Tiki Küstenmacher verwiesen: da könnt ihr richtig tief eintauchen… Und auf der Website www.gott90.de könnt ihr euch auch wunderbar informieren!

Und natürlich darf der Hinweis auf das «GeistZeit»-Gespräch von Thorsten Dietz und Andreas Loos mit Christiane Henkel nicht fehlen: Unter der Titelfrage «Wie integral kann Glaube sein?» unterhalten sie sich über das Modell «Gott 9.0», über Glaubensentwicklung und religiöse Bewusstseinsräume… eine wunderbare Ergänzung zu unserer Folge hier…;-)

6 Gedanken zu „Welche Farbe hat dein Glaube?“

  1. Ihr Lieben, erst mal vielen Dank, dass ihr unseren Versuch, etwas Ordnung ins Chaos der verschiedenen Gottesvorstellungen zu bringen, mit einem „Thema der Woche“ in eurem Podcast würdigt. Und dir, Manu, speziellen Dank für deine lieben Worte zu meiner Person.
    Es gäbe natürlich viel zu sagen, zu ergänzen, zu korrigieren oder auch zu widersprechen. Zuerst zwei kleine zustimmende Bemerkungen. Das Buch „Gott 9.0“ ist vor 15 Jahren erschienen und in dieser Zeit ist auch mein Verständnis für manches etwas gewachsen.
    Also erstens: Die Kritik des Eurozentrismus nehme ich vorbehaltlos an, das stimmt einfach. Ich weiß mittlerweile auch, dass die Zeit, die wir als „purpurne Phase“ verallgemeinern, sehr viel komplexer und vielfältiger war/ist, als es so ein Schema abbilden kann (sehr aufschlussreich war in diesem Zusammenhang für mich das Buch „Anfänge“ von David Graeber und David Wengrow).
    Und zweitens, es stimmt: Die komplexeren Stufen, namentlich Gelb und Türkis, sind im Buch eher schwammig dargestellt. Ich glaube mittlerweile, dass wir von Türkis noch so gut wie nichts wissen können, weil es einfach sehr wenig vorhanden ist. Über Gelb hingegen habe ich inzwischen eine Menge mehr gelernt, als wir vor 15 Jahren draufhatten. Dazu ein paar Bemerkungen.
    Zum Gottesbild in Gelb: Es ist nicht einfach „noch ein bisschen umfassender als Grün“, wie du, Manu, das vorstellst. Es kommt ein entscheidend neues Element hinzu: Gelb liebt das Paradox, also scheinbar oder tatsächlich widersprüchliche Aussagen, die trotz ihrer Widersprüchlichkeit beide wahr sind. Deswegen taucht in Gelb eine ganz neue, tiefe Begeisterung für die altkirchlichen Dogmen auf, die Trinitätslehre und die Lehre von den zwei Naturen Christi. Damit hängt ein weiterer entscheidender Unterschied zu Grün zusammen: Während Grün, etwas zugespitzt, sagt: Alle Religionen sind gleich, sagt Gelb: Alle Religionen sind unterschiedlich, aber alle beschreiben zutreffend bestimmte Aspekte der (göttlichen und säkularen) Wirklichkeit. Und erst zusammengenommen ergeben sie das ganze Bild. Ähnlich wie ein Jazz-Ensemble: Jedes Instrument spielt seine eigene Melodie, aber zusammen ergeben sie ein Stück.
    Und noch ein weitgeres Beispiel aus der Musik, das ich gerne in Seminaren verwende. Ich spiele da gerne nacheinander zuerst „Beneath A Phrygian Sky“ von Loreena McKennit und dann „Parce Mihi Domine“ aus der CD „Officium“ von Jan Garbarek und dem Hilliard Ensemble. McKennits Musik ist tief grün: Da werden Einflüsse aus verschiedenen Epochen und verschiedenen Weltgegenden zusammengeworfen und ein paar Mal umgerührt. Obwohl ich die Musik mag, muss ich anmerken, dass die einzelnen Traditionen weniger in ihrer Eigenständigkeit gewürdigt werden, sondern mehr als Zutaten in einen großen Kuchen verbacken werden. Ganz anders „Parce Mihi Domine“: Da singen die Hilliards einen mittelalterlichen Chorsatz im Original, und Garbarek spielt darüber auf seinem Saxofon eine Original-Improvisation, die eindeutig dem letzten Viertel des 20. Jahrhunderts zugordnet werden kann. Beides unverfälscht, und doch ergibt das ein neues Ganzes, dissonant-harmonisch. Das ist für mich das Bild für Gelb.
    In den letzten zehn Minuten der Folge hatte ich den Eindruck, dass ihr beide von Gelb eine Harmoniesauce befürchtet, die alles – auch den Holocaust, auch Gaza und all die Schrecklichkeiten in Geschichte und Gegenwart – in ein System einordnet und damit unzulässig (und unerträglich) verharmlost. Mein Bild ist ein anderes. Nach meinem Glauben ist auch das Schreckliche nicht ohne Gott zu denken, aber nicht deswegen, weil es da eine verborgene Weltharmonie gibt, sondern weil wir als Christen Gott nicht ohne das Kreuz (und die Auferstehung) denken können. Im Kreuz Christi ist der Holocaust und alles Schreckliche aufgehoben auf eine Weise, die wir nicht verstehen, die ich aber unbedingt glauben möchte, weil ich sonst gar keine Hoffnung hätte.
    Das ist nun alles sehr verkürzt und holzschnittartig gesagt. In meinem Buch „Von der Anmut d er Welt“ habe ich versucht, dieses „gelbe“ Gottesbild und meine Version einer christlichen Kreuzestheologie auszuarbeiten.
    So viel mal für den Moment (der Kommentar ist eh schon so lang geworden, dass ihn wahrscheinlich kein Mensch liest 😉).
    Liebe Grüße in die Schweiz! Euer treuer Hörer
    Tilmann

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    • Vielen Dank für die Erläuterungen (komplett gelesen 😉)
      Ich war auch erst auf einem Seminar, habe dann nicht “Gott 9.0” gelesen sondern “Integrales Christentum” (M. Küstenmacher). Mir hat das Model schon geholfen meine eigene biographische Entwicklung zu verstehen und einzuordnen…
      Die Erkärungen zu gelb sind gut (widersprüchliche Aussagen, Standpunkte integrieren), weil gelb auch der Bereich ist, den ich schwer einordnen kann, aber das passt.
      Insbesondere finde ich es schwierig im christlichen Kontext die gelbe Entwicklugsstufe zu finden und auch praktisch werden zu lassen?!
      Grüße Detlev

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  2. Wenn man von Entwicklung spricht kann man immer unter den Verdacht geraten, zu werten. Dennoch gibt es Entwicklung. Und zwar in den verschiedensten Bereichen und i.a.R. auch parallel. Man würde vielleicht sogar davon sprechen, dass es im Leben des einzelnen und auch der Menschheit insgesamt darum geht, sich zu entwickeln. Reifer zu werden? Im besten Sinne würde reifer aber auch bedeuten, dass man Entwicklungsstufen verstehen und integrieren lernt. Das bedeutet auch, dass man lernt, das bestimmte Umstände bestimmt Entwicklungsstufen oder wie Tillman Haberer besser formuliert EntwicklungsRÄUME benötigen. Manchmal brauchen wir das schwarz-weiß pubertäre (rot) oder das vertrauensvoll kindliche (beige) oder energiegeladenen Junge Erwachsenen-Sein (gelb). Das Leben braucht in seiner Entwicklung adäquate Räume. Die Räume findet man zu allermeist nur durch Emantipationsschritte (die oft durch sich abstoßen von der vorhergegangenen Phase/Raum gekennzeichnet sind). Die Leistung von Spiral Dynamiks ist es, diese Räume zu identifizieren und zu legitimieren (zu integrieren). Dabei wird eben nicht von Weiterentwicklung im Sinne einer (Ab-) Wertung gesprochen. Vielmehr schafft es ein besseres Verständnis dafür, dass das Leben (des:der Einzelnen und der Menschheit insgesamt) sich auf eine Art entwickelt, das weitere Bewusstseinsräume und damit auch weitere Welt-, Menschen- und Gottesvorstellungen notwendig macht. Aber so wie ein Baum Jahresring um Jahresring wächst, sind die anderen Stufen/Räume die Grundlage für den neuen Raum. Es geht also gerade nicht um eine taxierende Weiterentwicklung. Vielmehr geht es darum den angemessenen Raum zu finden. Der allerdings muss i.d.R. erkämpft, dessen Legitimation erlitten werden. Spiral Dynamiks würdigt dabei eben gerade das Existenzrecht jedes Entwicklungsraums. Und auch wenn man bei gelb angelangt ist, benötig und/oder fordert das Leben das Betreten der anderen Räume. Partiell oder manchmal auch generell (fordert uns im Sinne einer Entwicklung/Reifungsprozess dazu heraus). Und wir alle leben in verschiedenen Entwicklungsräumen gleichzeitig. Jeder Raum hat zu Zeiten seine Berechtigung. Angenommen eine Gesellschaft im globalen Westen würde schwer von Naturkatastrophen heimgesucht werden, die von Menschen gemachte Welt würde zusammenbrechen und wir müssten wieder unmittelbar von dem leben, was wir enpflanzen, jagen usw. Wir würden (und sowas passiert ja) ungefragt in beige oder rot geworfen werden. Unsere Menschen- und Gottesbilder würden sich drastisch anpassen (müssen). Und das ist eben so. Das hat nix mit Bewertung zu tun. Und dennoch würde ich behaupten, dass es im Menschsein darum geht sich in Mündigkeit, Freiheit, Empathie, Integrations- und Dialogfähigkeit usw. „weiter“ zu entwickeln.

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  3. Die anderen beiden Kommentatoren haben schon viel gesagt. Meiner Meinung nach haben Manuel und Stefan vieles missverstanden, weil sie eine Orange/grüne Perspektive einnehmen.

    Gleichzeitig stimme ich Herrn Haberer zu, dass wir in den vergangenen 15 Jahren viel über Glauben in Gelb gelernt haben.

    Ich denke auch, dass es ein verständliches Missverständnis ist zu glauben, dass Gelb Unrecht einfach so rechtfertigt, oder eine neue Weltanschauung kein richtig und falsch kennt. Es geht um andere Lösungsansätze.

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  4. Leider habe ich überhaupt nichts verstanden und nach dem ersten Drittel abgeschaltet. Schade, ich mag Euren Podcast, aber das war mir kompliziert und unverständlich. Ich hoffe, die nächsten Folgen sind dann auch wieder für Leute deren Bildung und IQ sich eher im Normalbereich befinden
    😉
    Liebe Grüße, Christa

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  5. Ohne das Buch von T. Haberer gelesen zu haben, mein Glaube ist rot, weil alle wirkliche Wahrhaftigkeit auf Erden zweifelsfrei-eindeutig auf Gemeinschaftseigentum, OHNE wettbewerbsbedingt-konfuse Symptomatik, von “wie im Himmel all so auf Erden” begründet sein sollte!?

    Aber seit meiner Ausserkörpererfahrung kann ich genau genommen nicht mehr von Glaube sprechen, sondern von Wissen, auch wenn das Wissen aus vernünftigen Gründen nicht vollkommen ist.

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