Ausgangspunkt ist die Beobachtung: Die Gegenwart denkt sich selbst wieder unter Endzeitdruck. Klimakollaps, Atomkrieg, Pandemie, künstliche Intelligenz, globale Überwachung und zerfallende Demokratien erzeugen eine Atmosphäre permanenter Dringlichkeit. Aber diese neue Apokalyptik ist selten klassisch religiös. Sie fragt nicht zuerst, was Gott verheisst, sondern wer die Katastrophe verhindern kann, wer die Systeme kontrolliert und wer im Ausnahmezustand entscheiden darf.
Eine zentrale Figur ist dabei Peter Thiel. Der Tech-Investor spricht über den Antichristen, über René Girard, Carl Schmitt, den Weltstaat und die Gefahr globaler Gleichschaltung. Das klingt zunächst bizarr, berührt aber eine reale Frage: Was geschieht, wenn Menschen aus Angst vor Katastrophen bereit werden, Freiheit gegen Sicherheit einzutauschen? Und was passiert, wenn Rettung nur noch als Kontrolle denkbar ist?
Manuel und Stephan diskutieren, warum Thiels Warnung vor totaler Verwaltung ernst zu nehmen ist – und warum seine eigenen Antworten trotzdem tief in Kontroll-, Monopol- und Souveränitätsphantasien verstrickt bleiben. Es geht um demokratische Langsamkeit, um die Versuchung des Ausnahmezustands, um Tech-Religion, um politische Theologie und um eine reformierte Eschatologie, die das Ende ernst nimmt, ohne es verfügbar zu machen.
Die Pointe: Vielleicht brauchen wir heute nicht weniger Eschatologie, sondern bessere Eschatologie. Eine Hoffnung, die wach bleibt, aber nicht panisch wird. Eine Sprache für Gefahr, Gericht und Zukunft, die nicht sofort nach Kontrolle, Machtsteigerung und autoritärer Entscheidung greift. Denn das Letzte kommt – aber es kommt nicht aus unserer Hand.
Im Hallelujah verrät Manuel ausserdem, dass er einen wirklich fesselnden Kinobesuch erlebt hat. Und im Stossgebet muss Stephan bekennen, dass er am Backofen versagt hat.
Eine Folge über Tech-Apokalyptik, Katastrophenangst, Peter Thiel, reformierte Hoffnung – und ganz nebenbei auch ein Lob auf die demokratische Langsamkeit.
Stephans Blogbeitrag «Katastrophenangst und neue Apokalyptik» findet ihr übrigens hier.






3 Kommentare zu „Peter Thiel: Die Apokalypse aus dem Silicon Valley“
Zwei Wörter auf Englisch von Stephan, und es ist klar: Hier spricht ein Schweizer. Silicon Valley. Das V sollte so tönen, wie Manuel beim Namen des Vizepresidenten Vance es ausspricht. Herzig.
Vielleicht wäre es möglich, beim nächsten Mal darauf hinzuweisen, dass der Begriff des Antichristen in der Offenbarung gar nicht vorkommt. Wichtig wäre auch, zu sagen, was der Begriff in den Briefen des Johannes bedeutet. Die Bilder, die bei den meisten Evangelikalen beim Begriff des Antichristen automatisch aufkommen, erzeugen sonst vielleicht etwas zu viel Verständnis für Thiel und den christlichen Nationalismus.
Die Erklärungen zu Girard waren wertvoll.
Danke für eure tollen Themen, lieber Stephan, lieber Manuel!
Es könnte ja sein, dass Peter Thiel genau das vorhat, wovor er warnt. Nämlich totale Überwachung. Ob mit oder ohne Offenbarung. Es bleibt spannend.
Lieber Stephan, was die Pandemie angeht und die Impfungen: Kann man da nicht miteinander reden und zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen. Beispiel Schweden. Ich habe die zweite Boosterung nicht vertragen, davor ging alles gut, aber jetzt hab ich chronische Schmerzen. Ich finde, man darf auch alles prüfen und muss auch nicht immer in ‘German Angst’ verfallen, so wie ich und viele andere in der Bevölkerung. Auch das Thema Migration sollte man ganz differenziert und achtsam betrachten und auch andere Meinungen nicht vorschnell ablehnen. Nicht immer nur einseitig. Ich bin Berliner. Buchempfehlung: Der Multikulti-Irrtum von Seyran Ateş. Sie gründete das House of One, lebt unter Polizeischutz. Na ja, bei euch auf dem Dorf, da sieht es wahrscheinlich anders aus, gell? Shalom! Sören
Danke für euren wertvollen Beitrag, Manu und Stephan! Wer das Ganze noch etwas vertiefen möchte, dem/der empfehle ich https://www.deutschlandfunk.de/die-peter-thiel-story-1-6-willkommen-im-thielverse-100.html