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Meine Wunderheilung

Vor einigen Jahren habe ich etwas erlebt, das ich als „Wunder“ deute: Spürbar, von einem Moment auf den anderen, verschwanden gesundheitliche Beschwerden. Das war ein besonderes Erlebnis, das mich bei aller Dankbarkeit auch ratlos zurückliess: Warum passiert mir so etwas bei einer harmlosen Erkrankung, und bei den Menschen, die wirklich ein Wunder nötig hätten, bewirkt Gott keines?

Mir hilft das Erlebnis, einen Funken Hoffnung sogar dann zu bewahren, wenn etwas aussichtslos scheint. Und es hilft mir, zu glauben, dass da mehr ist, als rational zu erfassen ist. Aber das ist sehr persönlich und lässt sich nicht auf andere übertragen. Es ist wichtig, dass Verzweiflung, Trauer, Loslassen Platz haben und dass man die Augen nicht vor der Realität verschliesst. Es gibt keine Garantie für Wunder.

Auch theologisch lassen sich Wundergeschichten nicht befriedigend erklären – es gibt dazu mehr Fragen als Antworten. Trotzdem einige Links, die dazu noch mehr in die Tiefe gehen:

➡️ #Ausgeglaubt Podcastfolge zum Thema Wunder
➡️ RefLab-Artikel „Gibt es Wunder?“

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8 Kommentare zu „Meine Wunderheilung“

  1. Roland Portmann

    Liebe Evelyne
    Danke für deinen mutigen Podcast.
    Ich denke, es ist eine Frage der Betrachtungsebene:
    Aus Sicht der wissenschaftlichen Exegse muss man wohl sagen: Die Wundergeschichten sind zuerst einmal in ihrem hist. Kontext zu betrachten und gehören wohl zur damaligen Propaganda; dass sie im NT eher selten sind ist eigentlich bereits eine implizite Kritik daran; für das Hier und Heute sind Wundergeschichten allegorisch zu interpretieren: Es geht nicht darum, ob Jesus übers Wasser gelaufen ist, sondern hier gehts um Glauben und Kleinglauben, Vertrauen und Zweifel und die Hoffnung, dass einer dich doch „rauszieht“, auch wenn dir selber gerade der Glaube fehlt… und bei Heilung ist das heute wohl eher „innerlich“ und „psychologisch“ zu deuten… so hab‘ ich das an der Uni gelernt.
    Aus wissenschaftliche Sicht sind Wunderheilung und Wunder generell äusserst kritisch zu betrachten, ein Beispiel: Ein Bekannter von mir litt an Hodenkrebs und ihm musste ein Hoden amputiert werden; er hat aber- Gott sei Dank- mit seiner Frau heute 4! Kinder; für ihn und seine Frau ist das ein „Wunder“! Meine Mediziner- Freunde würden aber sagen: seine Fertilität war zwar beeinträchtigt, aber nicht gleich 0; Die Wahrscheinlichkeit 4 Kinder mit nur einem Hoden zu zeugen ist statistisch gesehen zwar klein, aber nicht unmöglich…
    Auch deine „Wunderheilung“ ist somit statistisch und medizinisch betrachtet zwar vielleicht unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich…
    Aus seelsorgerischer Sicht sieht das Ganze wieder anders aus: Wenn jemand „Heilung“ erfährt und das als ein Wunder interpretiert, sollte man das nicht „wissenschaftlich“ kaputt reden… Es ist seine bzw. ihre persönliche Erfahrung und Deutung…darf aber nicht auf andere übertragen werden!
    Nebenbei: sogar ich musste schon mit erleben, dass jemand in einem meiner Gottesdienste so etwas wie eine „Heilung“ erlebt hat; da war ich ganz schön überrascht, weil das ja so gar nicht Meins ist aber anscheinend doch passieren kann…

    1. Evelyne Baumberger

      Danke für deinen Kommentar, Roland! Da gehe ich in Vielem absolut mit. Am Schluss schmunzelte ich – „sogar ich musste schon miterleben“, finde ich eine interessante Formulierung. Gäll, egal, wie etwas passiert und ob überhaupt – schön, wenn es von der jeweiligen Person als positiv und heilsam erlebt wird. Liebi Grüess!

  2. Hallo Evelyne
    Ich finde es toll, wie du dein erlebtes Wunder teilst und gleichzeitig auf wichtige Fragen und Vorbehalte eingehst, die solche Storys auslösen.
    Es sind genau diese Fragen:
    -Warum sollte er dieses Wunder tun, wenn es doch viel wichtigere gäbe?
    – Wieso heilt er zwar den einen, nicht aber den anderen, ist Gott ungerecht?
    -Heilt Gott oder die Medizin
    -Hat Gott die Medizin gemacht?
    -Hilft manchmal nur noch beten?
    -Was mache ich falsch, wenn mein Wunder nicht passiert?
    -Gibt es spezielle Formeln, welche Wunder begünstigen?
    -Ändert Gott die natürlichen Gesetze bei Bedarf oder richtet er Zufälle so ein, dass etwas gelingt unter Einhaltung der Naturgesetze?
    -Greift Gott wirklich von aussen in die Welt ein oder ändert er nur die Sichtweise der Menschen, so dass das Wunder quasi nur aus einer persönlichen Perspektive geschieht?
    Ich bin begeistert von deinem Fazit: Es gibt das Unerklärbare, das Göttliche, das sich nicht an unsere Grenzen hält. Manchmal zeigt es sich uns und wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet.
    Danke für den wertvollen Beitrag
    Liebe Grüsse
    Sascha

    1. Evelyne Baumberger

      Lieber Sascha, wow, danke vielmals für dieses tolle Feedback. Ja, es sind genau diese Fragen! Und in deinen letzten Sätzen scheint genau die Demut und das Staunen auf, das solche Erlebnissen eben auch auslösen. Liebe Grüsse!

  3. Manfred Reichelt

    Das Problem beim Verständnis der Wunder sehe ich darin, dass wir immer denken, Gott tue diese durch PERSÖNLICHES EINGREIFEN. Aber das ist nicht der Fall. Sie geschehen einfach gesagt, aus unseren ganz persönlichen Kräftekonstellationen. Man könnte zum genannten Beispiel sagen: in dem Moment, wo Du die Wärme spürtest, hatte Dein Immunsystem wieder die Oberhand gewonnen. Nun kann man durch Glauben das eigene Immunsystem stärken. Aber das geschieht allmählich, und nicht in einer Notsituation. Deshalb geschehen ja Wunder, wenn man sie braucht, oft nicht. Ich verlinke hier mal einen Text, bei dem es auch darum geht und wo man sieht, dass Wunder nicht unbedingt etwas mit Gott zu tun haben (es sei denn, man sagt, alles geschieht nur im Umfassenden, also Gott): https://manfredreichelt.wordpress.com/2016/11/17/gibt-es-eine-fuehrung-im-leben/

    1. Evelyne Baumberger

      Lieber Manfred, danke für deinen Kommentar. Ich bin sehr (!) skeptisch dem Satz gegenüber, dass man durch Glauben das eigene Immunsystem stärken könne. Das grenzt wieder an die Vorstellung: „Du glaubst einfach nicht genug.“

  4. Warum entschuldigst du dich dafür, dass du von einem Wunder berichtest? Ist es so schlecht um die Reformierte Kirche, dass sie sich für Wunder entschuldigt? Muss sie sich dermassen anpassen? An wen passt Sie sich an? Ein bisschen mehr Mut und Kühnheit bitte! Es war ein Wunder, yay!

    1. Evelyne Baumberger

      Danke für diesen und die anderen Kommentare zu meinen Videos (ferienbedingt antworte ich etwas verspätet). Ich höre heraus, dass es dir in meinen Videos an klaren, eindeutigen, starken Aussagen fehlt. (Und allgemein bei uns Reformierten – allerdings spreche ich ja nicht für „die reformierte Kirche“, und zudem macht es die ref. Kirche gerade aus, dass es darin auch eine gewisse Breite an Perspektiven und Frömmigkeitsstilen gibt – sogar im RefLab selber.)
      Diese Klarheit kann und will ich tatsächlich nicht kommunizieren, jedenfalls nicht in der Richtung, die du von Christ*innen erwartest. Denn m. E. ist Glaube nichts, dass man festhalten oder festmachen kann, sondern ein Prozess, eine Beziehung, die sich im Laufe des individuellen Lebens entwickelt, manchmal bricht, wächst und sich verändert. Das finde ich so auch in den biblischen Texten wieder. Und diese ganz persönliche Gottesbeziehung hält mich auch davon ab, absolute Aussagen zu machen, denn bei anderen Menschen sieht sie ganz anders aus. Sie erleben vielleicht keine Wunder, obwohl sie darum ringen. Sie spüren Gott nicht, obwohl sie sich danach sehnen. Darauf habe ich keine Antwort, und deswegen zweifle und ringe ich selber immer wieder. Das drückt sich auch in meinen Artikeln und Videos aus.
      Dennoch freut es mich, wenn du uns weiter ab und zu besuchst, reinliest und reinhörst, und gerne auch weiter kommentierst. Willkommen in der RefLab-Community. Liebe Grüsse!

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