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Manuel Schmid: Absolute Autorität – in Theologie und Politik

Der Neu-Calvinismus hat im Kampf gegen liberale Tendenzen im evangelikalen Lager eine theologische Neuausrichtung durchgesetzt. Ihr Kernmotiv ist ein radikalisierter Gottesgedanke: Gott ist absolute Autorität, im strengen Sinne allwissend und allmächtig, immer mit sich eins, über jeden Zweifel erhaben.

Zwischen einem theologischen Gedanken und einer politischen Haltung gibt es nicht immer einen eindeutigen Zusammenhang. Hier sollte man sich vor Kurzschlüssen hüten. Aber eine Theologie, die auf der absoluten Autorität Gottes (und der Bibel) aufruht, verbunden mit einer höchst repressiven Theologie- und Kirchenkultur, fördert die Tendenz, auch in gesellschaftlichen und politischen Fragen rechtsextreme Optionen zu wählen.

In dem sehr lesenswerten, gerade erschienenen Band «Christlicher Nationalismus in den USA» (hg. von Thorsten Dietz und Maria Hinsenkamp) hat Manuel Schmid einen wirklich Augen öffnenden Beitrag veröffentlich, über den ich mit ihm in Zürich gesprochen habe.

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4 Kommentare zu „Manuel Schmid: Absolute Autorität – in Theologie und Politik“

  1. Lieber Johan, lieber Manuel
    Ich habe versucht eurem Gespräch zu folgen. Dabei hatte ich das Gefühl, dass ihr da kompliziert Zusammenhänge konstruiert, die nur am Rande eine Rolle spielen. Rechtsrutsch und Neocalvinismus?
    Wenn ich mich recht erinnere, haben wir am letzten Wochenende einen Rechtsrutsch in einem Landstrich erlebt, der wahrscheinlich zu den atheistischen Gebieten der Welt gehört. Weshalb kann so was passieren? Es kann ja nicht sein, dass jetzt einfach 40% der Sachsen Nazis sind. Aus meiner Sicht sind diese Leute wahrscheinlich gar nicht so von der AfD begeistert, nur ist die mögliche Alternative noch viel schlechter.
    Das gleiche ist wahrscheinlich auch in Amerika zum grossen Teil ausschlaggebend: Biden/ Harris agierten so unglücklich, dass sie schlichtweg nicht mehr wählbar waren. (Trump auch, aber das war schon vier Jahre her und halbwegs vergessen).
    Vielleicht könnte das auch eine Erklärung sein, weshalb der Neocalvinismus eher wieder Aufwind hat, dass der offene Theismus auch nicht unbedingt befriedigender Antworten gibt. Vielleicht könnten auch beide Strömungen ganz wahr sein, aber beide ganz weit weg von der ganzen Wahrheit.
    Und genau das ist für mich das faszinierende an Gott, dass er nicht erklärbar und unsere Vorstellung sprengt. Da würde ich Manuel mal unterstellen, dass er heute genau gleich weg vom Kern ist, wie vor 30 Jahren, obwohl er da an einem ganz andern Ort gestanden ist.
    Eine kleine Nebenbemerkung am Rande: Ich habe diese Woche auf Reflab von Stefanie Fischer einen Beitrag gelesen, der voll auf die Schiene vom Neocalvinismus geht: Also zumindest die Männer sind von Grund auf so böse, dass sie kein Vertrauen verdienen….

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    • Vielen Dank für Deine kritische Rückmeldung! Die weltweite „Revolte von rechts“ hat natürlich viele Ursachen, sie ist auch je nach Land sehr unterschiedlich. Viele Faktoren, die sie nach vorn bringen, haben nichts mit Glauben und Religion zu tun. Aber es ist für uns Theologien doch sehr interessant zu sehen, wo bestimmte Glaubensauffassungen zu bestimmten politischen Haltungen führen können (aber nicht müssen). Es geht ja auch darum, auf unsere eigenen Traditionsbestände zu achten und sie vor politischer Instrumentalisierung zu schützen.

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      • Das ist ein guter und wichtiger Gedanke. in diesem Fall kann ich euch aber beruhigen, beim durchschnittlichen Reflableser besteht mit Null Prozent die Gefahr, dass er von dieser Seite vom Pferd fällt..

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  2. Vielen Dank für dieses informative Gespräch !
    Die Unterscheidung , die ihr macht zwischen einer seelsorgerlichen und einer dogmatischen Aussage , finde ich gerade sehr hilfreich .
    Dass ich nicht ganz auf den Trost und die Ermutigung verzichten muss , die z.B. Psalmen und Paul-Gerhardt-Lieder geben , macht mich froh .
    Ich bin mit der Lehre der totalen Verdorbenheit aufgewachsen und davon traumatisiert . Leider stimmt es , dass man das an manchen Orten wirklich als dogmatisches Gesamtkonstrukt zusammen mit der Allmacht Gottes , wie zwei Seiten einer Medaille , lernt .
    Deshalb hatte ich lange das Gefühl , dass ich mit der Entscheidung gegen dieses dunkle Menschenbild und für die Entwicklung zu einer mündigen und selbstwirksamen Person auch konsequenterweise die Geborgenheit in Gott verliere und mir eine bestimmte Art Trost nicht mehr zugänglich ist , leider .
    Dass ich diese Konsequenz nicht ziehen muss , sich das vielleicht gar nicht widerspricht , sondern nur auf verschiedenen Ebenen befindet , ist ein wichtiger Gedanke , den ich aus dem Gespräch mitnehme .

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