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Lesedauer: 2 Minuten

Würfelt Gott?

Fangen wir gleich mit dem Verleser der Woche an. «Italien lockt ab Pfingsten wieder» steht im Travel-Newsletter. Ich verstand, das englische «to lock» wie wir es bei lock-down jetzt benutzen, ist gemeint. Also Italien schliesst ab Pfingsten wieder zu. Doch wie ich weiterlese, merke ich, es ist «anlocken» gemeint. Also, dass Italien ab Pfingsten wieder lockt. Zum Urlauben.

Tja, mühsam manchmal, wie neue Wörter das Leben nicht eben vereinfachen. Sogar eher noch zu Missverständnissen führen. Was war sonst noch los diese Woche? Ach ja, ich hatte meinen Impftermin. Den ersten von zwei.

Als ich Freunden davon erzähle, fragen sie mich: «Welche Marke?». Ich denke zurück an meine Impfungen gegen Gelbfieber, Mumps oder als Kind Tetanus und Diphtherie. Gab es damals nur einen Anbieter, oder hat es mich einfach nicht gekümmert? Anders formuliert: Bringt mehr Auswahl und mehr Wissen auch mehr Zufriedenheit? Wer nichts weiss, muss alles glauben, heisst es bei Science Busters im ORF. Gute Sendung übrigens.

Ja, welche Marke? Ich denke an die Joghurt-Wand in der Migros. Jedes Mal erschlägt sie mich. Und jedes Mal gehe ich ohne Joghurt nach Hause. Das kann nicht die Absicht der Migros sein.

Warum sortieren sie nicht nach Kundenbewertungen? Nichts ist so glaubhaft, so vertrauenswürdig wie die Wahl eines anonymen Mit-Konsumenten. Anstatt nach Farbe, Inhalt oder Preis könnte es beim Regal heissen: «Am häufigsten empfohlen».

Und dann klein auf der Etikette: «Migros-Kinder, die dieses Joghurt kauften, kauften auch XY». Und schon ahme ich den Einkauf von Daniel Lehmann aus Burgdorf nach. Seine Salatgurken, seine Biskuits, seine Dinkel-Pasta. Ich stelle mir vor, wie ich exakt den gleichen Einkaufskorb wie dieser Daniel zusammenstelle. Ich nenne ihn unterdessen schon Dani.

Hui, bin ja gespannt, ob die Migros meine Idee übernimmt. Dann werde ich reich! Jupi, und muss keine Kolumnen mehr schreiben. Ihr denkt jetzt: «Was, der kriegt Geld für diesen Schrott?!» Richtig, genau so ist es. Nicht viel, aber ein bisschen. Im lock-down locker ein paar Zeilen so schreiben, ist verlockend.

Ob Gott würfelt oder mich mit der Joghurtwand irgendwie prüfen will, habe ich noch nicht ganz raus. Sachdienliche Hinweise hierzu gerne an lukas.meyer@memail.com. Die nächste Kolumne ist dann entgendert.

 

Lukas Meyer ist Lifestyle Empfehler und Analog Manager.

 

Photo by NeONBRAND on Unsplash

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2 Kommentare zu „Würfelt Gott?“

  1. Jürgen Friedrich

    Auch Gott ist ein Dichter, das ganze Universum hat er gedichtet !

    Der MENSCH…

    . . . aus Lehm – nicht aus Stein –,
    durchlebt seelisch Pein um Pein,
    wenn im fehlt zu seinem Glücke
    die rechte Glaubensbrücke.

    Beim Betrachten dieser Lage
    tritt wie von allein zutage
    der Unterschied von Lehm und Geist,
    der biblisch ODEM GOTTES heißt.

    Diese Wahrheit wunder-wahr
    macht am Ende sonnenklar,
    wie um-verwandelt Heiligkeit
    parasitäre Betonköpfigkeit’.

    Dem einen ist das Religion,
    dem anderen Evolution,
    doch allen Menschen ist gemein:
    In ihnen spiegelt sich das SEIN.

    Glücklich ist wohl der zu nennen,
    der GOTT in allem kann erkennen:
    Sein LEBEN ist wie Geist-Erscheinung,
    egal, ob Glaube oder Meinung.

    Dieser Prozess ist angeschoben,
    damit wir unsern Schöpfer loben.
    Die Wissenschaft weiß es schon lange:
    Schöpfung ist noch voll im Gange.

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