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Wert-lose UEFA

Und an die UEFA selbst, die ständig betont, wie völkerverbindend Fussball sei, wie wichtig ihr #Respect und #EqualGame sind. Aber die UEFA hat die «Regenbogen-Arena» verboten: Sie lehnt den Antrag des Münchner Stadtrats ab, der mit der Regenbogen-Arena ein Signal für Vielfalt und selbstbestimmte Lebensformen sexueller Orientierung gefordert hatte.

Neutrale Organisation

Die UEFA begründet ihre Ablehnung mit dem politischen Kontext. Es handle sich um eine Botschaft, die auf die Gesetzesänderungen des ungarischen Parlaments abziele. Die UEFA sei aber gemäss ihren Statuten eine «politisch und religiös neutrale Organisation».

Dieses Verständnis von Neutralität geht aber in die Irre. Natürlich ist es richtig, wenn die UEFA im Nahostkonflikt nicht Partei wird oder eine bestimmte Religionsgemeinschaft bevorzugt und andere diskriminiert.

Gegenüber Menschenrechten oder Grundwerten wie Toleranz, Freiheit und Selbstbestimmung gibt es aber keine Neutralität.

Man kann sich nur für sie einsetzen oder selbst Täter werden. #Respect, #EqualGame oder #HumanRights kosten als Trikotaufdruck gar nichts. Sie gewinnen ihren Wert durch Symbolpolitik und Realpolitik.

Nicht überraschend, höchstens befremdlich

Das jüngste Gebaren der UEFA ist aber höchstens befremdlich, jedoch sicherlich nicht überraschend. Sie ist sogar gewissermassen angewiesen auf die guten Beziehungen zu den autokratischen Regierungschefs. Während der Pandemie konnten in Budapest Championsleague-Spiele ausgetragen werden und sogar das EM-Finale wäre dort ausgetragen worden, wenn das Wembley-Stadion sich dem R-Wert der Deltavariante und nicht dem Druck der UEFA gebeugt hätte.

Orbán mag trans- und homofeindlich sein, aber er ist ein verlässlicher Partner, wenn es um Fussball-Events geht.

Ganz ähnlich wie Ilham Alijew, Aserbaidschans Präsident. Baku ist der östlichste Spielort der EM. Pressefreiheit oder Menschenrechte zählen dort wenig. Menschenrechtsorganisationen kritisieren seit Jahren eklatante Missstände im Land.

Aber zu Aserbaidschan gehört eben auch Socar.

Dieses Petrochemieunternehmen in Staatsbesitz hat nicht nur das neue Stadion in Baku finanziert, sondern war einer der Hauptsponsoren der Europameisterschaft 2016 in Frankreich.

Vor wenigen Wochen hat sich Socar aus seinem 80-Millionenvertrag mit der UEFA zurückgezogen. Das wurde in den Medien nicht annähernd so prominent platziert, wie Cristiano Ronaldos Seitenhieb gegen CocaCola. Egal wie das Sponsoring-Theater oder die EM ausgehen. Gewonnen haben die autokratischen Regierungschefs. Sie durften sich im Glanz der neutralen, aber angesehenen UEFA sonnen.

Mehr als 6500 Opfer

Die FIFA ist keinen Deut besser. Sie lässt die WM-Endrunde zwischen dem 21. November und dem 18. Dezember in Katar austragen. Das Emirat wird seit Jahren heftig für die Ausbeutung von Gastarbeitern kritisiert. In den letzten 10 Jahren sind laut Recherchen des Guardians mehr als 6500 Arbeiter in Katar unter und an den lausigen Arbeitsbedingungen gestorben.

Vielleicht ist es vor diesem Hintergrund nur gut, dass sich die hässliche Fratze des internationalen Fussballs nicht in die Regebogenseide einhüllt, sondern sein wahres Gesicht zeigt. Und vielleicht ist das ja – mehr noch als Ronaldos Liebe zu Wasser – ein Denkanstoss für die übrigen Sponsoren, die ja ansonsten gerne ihre Freude an Diversity, Menschenrechten und Fairness zeigen. Aber man sollte sich nicht täuschen. Schon an dieser EM sind vier der sechs Hauptsponsoren in chinesischer Hand: Tiktok, Vivo, Hisense und Alipay. Gut, es gibt noch die beiden anderen: Qatar Airways und Gazprom.

Unrechtsstaaten

Es geht nicht um Völkerverständigung, Fortschritt oder kleine Kinder, die zusammen überall verteilt auf der Welt einem Ball hinterherlaufen. Es geht um Machtpolitik und sehr viel Geld. Es geht um die Inszenierung autokratischer, menschenrechtsverletzender Unrechtsstaaten. Und wer sich mit ihnen bettet, hat seine Seite gewählt. Jenseits von Respekt, Gleichheit oder Vielfalt.

 

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1 Kommentar zu „Wert-lose UEFA“

  1. Schade, dass wie auf so vielen Nachrichtenseiten gar nicht auf die Art der ungarischen Gesetze eingegangen wird und das „Schlechte“ daran widerlegt wird.

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