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Lesedauer: 2 Minuten

Virenbegrenzungs-Initiative

«Herr Mörgeli, Sie wollen die südlichen Grenzen schliessen. Wieso?»

«Unsere eidgenössische Gesundheit ist akut gefährdet.»

«Wie meinen Sie das?»

«Das Coronavirus. Es darf nicht reinkommen.»

(Herr C. Mörgeli hüstelt.)

«Wie stellen Sie sich das konkret vor?»

«Entweder bauen die Italiener eine Mauer von Basodino bis Pizzo Paglia – sie haben ja die entsprechenden Kompetenzen in unserem schönen Land erlernt – oder wir lancieren eine Virenbegrenzungsinitiative.»

«Ist das realistisch? Wie viele Unterschriften haben Sie bislang gesammelt?»

«Da einige Leute der Partei bettlägerig und dienstunfähig sind, leider noch nicht so viele. Glücklicherweise sind sie an einer harmlosen Schweizergrippe erkrankt, hausgemacht und dementsprechend berechenbar.»

«Eine virulente Grippe würde aber die Umsätze der hiesigen Pharma-Unternehmen ankurbeln…»

«Mmh, da haben Sie recht. So weit habe ich noch nicht gedacht. Das sollte ich intern prüfen.»

(Nimmt sein Notizheft aus dem Veston und notiert sich die Idee, nachdem er mit der Zunge die Spitze des Stifts leicht angefeuchtet hat.)

«Motorfahrzeuge und Züge kann man an der Grenze auf irgendeine Art und Weise stoppen. Wir machen wir es aber mit dem Luftraum?»

«Wird auch geschlossen. Bis auf Weiteres. Nach dem Motto: ‚Abriegeln ist ja schliesslich nur eine Form von Selbstliebe‘.»

«So kann aber Irina Beller ja nicht rausgeflogen werden.»

«Ein Problem für Herrn Beller, nicht für mich.»

(Herr C. Mörgeli niest und putzt sich die Nase. Mehrmals.»)

«Zirka ein Fünftel des benötigten Blutplasmas, das in der Schweiz für Industriezwecke eingesetzt wird, muss importiert werden…»

«Wir sind doch Pragmatiker! Eine Ausnahme für die Blutflüssigkeit (Hüsteln) … und für die Organe (Husten) … und natürlich für die Investoren mit Schutzmaske (lautes Gehuste).»

«Die Handelsbeziehungen mit dem Ausland sind für die Schweizer Wirtschaft wichtig. Welche Waren dürfen weiterhin eingeführt werden?»

«Bei Zalando hätte ich noch eine Bestellung offen. Aber danach ist Schluss.»

(Herr C. Mörgeli hustet heftig, krümmt sich. Seine Haare sind jetzt zersaust. Er blickt abgeschlagen und mit glänzenden Augen in die Kamera.)

«Ich befürchte, das Interview an dieser Stelle beenden zu müssen. Vergesst bitte die Virenbegrenzungsinitiative nicht. Und alle weiteren Formen von Abgrenzungen. Unser aller Leben hängt davon ab.»

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