Less noise, more conversation.
Less noise, more conversation.

Religionskritik

An der Religionskritik kann man verzweifeln. Nicht weil sie erschütternd wäre. Sondern weil sie mittlerweile nicht einmal mehr gut gemacht sein muss, um publiziert zu werden. Jüngst hat Hugo Stamm wieder draufgehauen und dabei etwa so viel Kenntnis von Geschichte, Soziologie oder Philosophie durchblicken lassen, wie ein Monolog im «Jungle Camp».
Die klassisch-religiösen Weltbilder haben ihre Deutungsmacht in westeuropäischen Gesellschaften weitgehend eingebüsst und das Ende der grossen Erzählungen wurde ausgerufen. Nun gerät die säkulare Story, die jene Entwicklungen interpretiert, selbst unter Druck.
Auch nach 2‘000 Jahren kann das Kreuz noch aufregen. Leidenschaftliche Befürworter der Religionsfreiheit und der Neutralität unseres liberalen Staates empören sich über die Restbestände dessen, was gerne als «christlich-abendländische Kultur» bezeichnet wird. Hüter:innen ebendieser Kultur beschwichtigen und wollen den Ball flach halten. Ein Kommentar zu dieser immer neu aufflammenden Debatte – und ihrer eigentümlichen Rollenverteilung.
Die Frage nach Gott stellen sich Menschen seit Jahrtausenden. In ihrem Nachdenken und Hoffen, Dichten und Erklären, Erzählen und Verehren haben sie viele Götter geschaffen. Manche sind zornig und bedrohlich, andere egoistisch und gegenüber den Menschen gleichgültig. Viele sind etwas eitel und mächtig, ein paar sind gütig und ganz liebenswert. Sie sind allesamt Produkte unserer Phantasie. Dennoch: Manche von ihnen haben sich als sehr wirksam erwiesen. Keine ägyptische, assyrische, jüdische, hellenistische oder römische Hochkultur ohne ihre Götter. Kein Kastenwesen, kein kriegerischer Jihad, keine Ständegesellschaft, kein Kaiser und kein Kloster ohne Götter. Aber abgesehen von der kulturellen Mächtigkeit unserer Gottesbilder: Korrespondieren sie überhaupt mit einer Wirklichkeit ausserhalb unseres Denkens? Gibt es Gott?

RefLab regelmässig in deiner Mailbox