In dieser Folge sprechen Manuel und Stephan über ein Phänomen, das in den letzten Monaten immer häufiger auftaucht: Junge Menschen interessieren sich wieder für Glauben, Kirche und Spiritualität. In Grossbritannien steigen die Kirchenbesuche der Generation Z deutlich an. In Frankreich lassen sich so viele junge Erwachsene taufen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Auf TikTok, YouTube und Instagram entdecken Millionen religiöse Inhalte – von Gebeten bis zu sehr klaren Glaubensbekenntnissen. Die Phänomene werden unter dem Begriff des «Quiet Revival» gefasst, eine stille Erweckungsbewegung also, welche das Potenzial haben könnte, den Säkularisierungstrend aufzuhalten und die Kirchenbänke wieder zu füllen…
Was ist da los? Wir schauen genauer hin: Was sagen die Zahlen wirklich – und wo beginnt der Hype?
Geht es um Sinnsuche in Krisenzeiten, um Gemeinschaft gegen Einsamkeit, um Orientierung in einer überfordernden Welt? Welche Rolle spielen digitale «Christfluencer», neue Frömmigkeitsformen – aber auch politische Gegenbewegungen und kulturelle Abgrenzungen?
Und wir stellen die Frage, die uns als reformierte Christ:innen besonders betrifft:
Was bedeutet das für die evangelisch-reformierte Kirche? Sind wir anschlussfähig für junge Sinnsuchende – oder stehen wir uns mit unserer eigenen Milieuverengung im Weg? Sind wir als stark akademisch geprägte Kirche offen genug für andere Formen von Spiritualität, andere Sprachen des Glaubens, andere Zugänge zu Gott?
Oder erklären wir Glauben so gut, dass man ihn gar nicht mehr ausprobieren kann?
Ausserdem erzählt Manuel zu Beginn, wie ihn einer der Zwerghasen auf Trab hält, der letzte Woche krank geworden ist – und Stephan erinnert sich an einen Snowboard-Tag, der ihn wieder mit der Welt versöhnt hat…
Quellen
Die Studie der bible society lässt sich hier herunterladen – die kritische Einordnung der Phänomene durch Prof. Edgar Wunder findet sich hier.






4 Gedanken zu „Stille Erweckung: Wunsch oder Wirklichkeit?“
Hallo zusammen
Ich kann Euren Standpunkt—oder soll ich es These nennen?—durchaus verstehen, wenn Ihr die reformierte Kirche als psychoanalytisch-akademisch versifften Verein empfindet (Ich verwende hier ein paar Eurer Worte).
So habe ich die reformierte Kirche selbst anekdotisch kennengelernt: Kaum etwas, an dem ich mich orientieren könnte, kaum Anstösse zum Nachdenken, die ich nicht schon aus der vorherrschenden Kultur erhalten hätte.
Dies zeigt sich für mich auch beim Reflab. Nach dem Abgang von Manu wird wieder ein Theologe gesucht. Schade. Hier könnte das Reflab doch mit einem guten Beispiel vorangehen und einen Nicht-Akademiker in den Podcast-Kreis aufnehmen.
Der Charlie-Kirk-Effekt in den USA wird wohl eher kurzlebig sein, so wie nach 9/11. Ich tendiere bei Erweckungen immer dazu, nach 2-5 Jahren noch einmal nachzusehen. Die meisten Effekte und Trends sind dann schon wieder verflogen.
Ich glaube, dass es schlicht so ist, dass aufgeklärte und liberale Theologie nicht mit spirituellem Feetz und Party zusammenkönnen…
Wobei, wenn ich mich zwischen beiden enrscheiden müsste,, finde ich das eine schaurige Auswahl.
Etwas dazwischen, eine vielfältige Glaubenspraxis, die Zugänge zu Gott fördert /feiert, mit echtem Interesse an den Lebens-Realitäten der Menschen, gemeinsam sich für Gutes einsetzen, fehlerfreundlicher Nachfolge und Austausch drüber, gern auch Theologien dabei betrachten, und selbstverständlich auch immer wieder Feez, dann könnte was Stabiles draus werden-
Auch über Milieugrenzen raus.
Das reisst wahrscheinlich nicht alle vom Hocker aber wir können eh nur einen Beitrag leisten und nicht gleich die ganze Welt retten.
Ob das aber den Bedürfnis von Gruppen innerhalb der jungen Generation nach Tradition, klarer Kante, Identität, Abgrenzung erfüllt, glaube ich nicht – wohl eher ein wichtiges Gegengewicht.
Es könnte ein Christentum sein, das sehr nötig in unserer Welt ist, und vielleicht für unsere Umgebung und auch uns selber, ich denke, darauf kommt es an…. Dringender denn je. Vielleicht muss man im Moment sogar das Christentum vor seinen Zerrbildern retten, oder davor, dass “die Welr” nur noch diese sieht – nur so ne Überlegung.
Der Kern scheint mir zu sein “Lebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst”…das kann jeder tun, wie er ist es hilft gegen Einseitigkeit, Milieu- und Generationen- und all die anderen Grenzen.
Deine Auswahl auf jeden Fall sollte echt nicht das einzige sein.
Erstaunlich, wie schwer es der Bubble, welche den öffentlichen Diskurs prägt, fällt, einzusehen, was für die Mehrheit der Leute klar ist: die Identitätsdebatte hat viele Verdienste, es wurde aber auch über die Stränge gehauen. So wird das klassisch Männliche abgewertet, was die Jungen Männer deutlich zu spüren kriegen. Wenn sie sich deshalb auf sich selbst besinnen und Rückhalt im Glauben suchen, ist das doch zu begrüssen und wir sollten uns darüber freuen und uns nicht reflexartig auf den Teil von ihnen fokussieren, der nach rechts z.B. in die Manosphere abdriftet.
Diesen Menschen gegenüber sollte eine Kirche offen sein und etwas bieten. Dass die reformierte Kirche da nicht attraktiv ist, sollte ihr zu denken geben und liegt eben – wie Stephan schön erkennt – auch daran, dass sie selber alles andere als divers ist. Die katholische Kirche hat grosse Defizite auf Grund der patriarchalischen Machtstruktur, ist aber den Reformieren in vielen anderen Dimensionen in Sachen Diversität überlegen ohne an Profil zu verlieren. Vielleicht ist sie deshalb attraktiver für die Jungen.
Ich verstehe also nicht, was daran unappetitlich sein soll, divers zu werden auch in Richtung traditioneller Glaubensvorstellungen. Die Kirche darf keine Angst vor Frömmigkeit haben.